Monatelang lag über den Gängen der tegut-Märkte ein bleierner Schleier. Zwischen den vertrauten Regalen, dem Duft von frischem Bio-Brot und den Kühltheken mit Rhöner Milchprodukten ging das bange Warten um: Was wird aus den Arbeitsplätzen? Wo kaufen die Menschen im ländlichen Raum künftig ein, wenn der traditionsreiche Fuldaer Filialist abgewickelt wird? Nun herrscht Gewissheit, zumindest für den Großteil der Standorte. Das Bundeskartellamt in Bonn hat den Weg für einen weitreichenden Eigentümerwechsel freigemacht. Die Kölner REWE Group darf 38 Filialen der bisherigen Schweizer Eigentümerin Migros Zürich übernehmen. Die monatelange Hängepartie ist beendet, das formelle Prüfverfahren offiziell abgeschlossen.
Der Beschluss markiert eine Zäsur für die regionale Nahversorgung, insbesondere im Kernland rund um Fulda. Ursprünglich hatte die REWE Group im April eine Grundsatzvereinbarung über bis zu 40 Märkte mit Migros Zürich besiegelt. Nach intensiver wettbewerbsrechtlicher Prüfung zog das Kartellamt jedoch bei zwei Standorten eine rote Linie: Um eine marktbeherrschende Stellung in den jeweiligen lokalen Einzugsgebieten zu verhindern, verhängten die Wettbewerbshüter ein vierjähriges Erwerbsverbot – betroffen ist unter anderem der Standort im osthessischen Schlüchtern. Für die verbleibenden 38 Märkte, verteilt über Hessen, Bayern, Thüringen und Niedersachsen, ist damit allerdings die entscheidende Hürde im Sanierungs- und Zukunftskonzept genommen. Sie werden künftig unter den Vertriebslinien REWE und PENNY weitergeführt.
Auf den Führungsetagen in Köln löste die Entscheidung spürbare Erleichterung aus. REWE-Vorstandsmitglied Peter Maly sprach von einem bedeutenden Meilenstein: „Heute wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht. Die Entscheidung schafft Klarheit und Planungssicherheit für alle Beteiligten.“ Das Votum der Behörde eröffne eine verlässliche und langfristige Perspektive für die Standorte, deren Belegschaften sowie die Kundschaft, die in den vergangenen Monaten in quälender Ungewissheit über den Fortbestand ihrer Nahversorger ausharren musste.
Strategisch zielt der Kölner Handelsriese mit dem Zukauf darauf ab, die Nahversorgung gerade in ländlicheren und kleinstädtischen Räumen dauerhaft zu sichern und die Zukunftsfähigkeit der einzelnen Häuser zu stärken. REWE verweist dabei auf die eigene DNA: Als genossenschaftlich organisierter Händlerverbund verfüge man über jahrzehntelange Erfahrung darin, Lebensmittelmärkte nah an den Bedürfnissen vor Ort zu führen und auf modernes Niveau zu heben.
Aus regionaler Perspektive bleibt der Übergang freilich ein Balanceakt. In Osthessen, wo tegut einst als Bio-Pionier Handelsgeschichte schrieb, schmerzt das schrittweise Verschwinden der traditionsreichen Marke. Doch REWE bemüht sich um Schadensbegrenzung und Kontinuität: Das gewachsene Profil, das historisch tief in Nachhaltigkeit und ökologischer Landwirtschaft verwurzelt ist, soll keineswegs getilgt werden. Bewährte regionale Lieferbeziehungen – eine existenzielle Frage für viele Rhöner und osthessische Landwirte sowie Erzeuger – sollen ausdrücklich bestehen bleiben. Das verlässliche Angebot an regionalen Produkten und Bio-Lebensmitteln soll auch unter neuem Logo im Regal stehen.
Die wichtigste Nachricht für die Menschen vor Ort betrifft das Personal: Alle festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der übernommenen Filialen erhalten ein konkretes Beschäftigungsangebot. Für Kassiererinnen, Logistiker und Marktleiter, die monatelang im Ungewissen arbeiteten, bedeutet dies das ersehnte Stück sozialer Sicherheit.
Nun beginnt die logistische Herkulesaufgabe. In den kommenden Monaten startet die operative Eingliederung. Bauliche Anpassungen, neue Kassensysteme und der reibungslose Austausch der Sortimente in den Regalen müssen bei laufendem Betrieb bewältigt werden. Aus den orangefarbenen Filialen werden REWE- und PENNY-Märkte. Für die Region ist es das Ende einer Ära – aber immerhin kein Kahlschlag, sondern eine gesicherte Zukunft für die Nahversorgung vor der Haustür. +++
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