Grüne wollen Pflege-Krise überparteilich lösen

"Pflegenotstand" habe die letzte Koalition jahrelang ignoriert

Katrin Göring-Eckardt
Katrin Göring-Eckardt (Grüne)

Berlin. Die Grünen wollen mit einer kurzfristigen parlamentarischen Initiative die Missstände in der Pflege überparteilich lösen. “Das Parlament sollte die Zeit bis zur Regierungsbildung sinnvoll nutzen und ein `Sofortprogramm Pflege‘ beschließen”, sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt dem “Redaktionsnetzwerk Deutschland”. “Wir werden gleich zu Beginn des neuen Jahres in der ersten Sitzungswoche zwei Anträge in den Deutschen Bundestag einbringen.”

Den “Pflegenotstand” habe die letzte Koalition jahrelang ignoriert, kritisierte die Grünen-Politikerin. “Nun werden die vielen Pflegerinnen und Pfleger weiter hingehalten.” Die Grünen fordern die Neueinstellung von jährlich 25.000 zusätzlichen Pflegekräften in Krankenhäusern. Dies soll gewährleisten, dass nachts keine Pflegekraft auf einer Station allein ist. Zudem forderte Göring-Eckardt einen klar definierten Betreuungsschlüssel. “Es braucht verbindliche Vorgaben, für wie viele Patientinnen und Patienten eine Pflegekraft zuständig sein soll – und zwar nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch in Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten.” Die Grünen hoffen jetzt auf überparteiliche Unterstützung. “Wir hoffen, dafür eine Mehrheit zu finden, nur so können wir den Pflegenotstand beenden, den es vielerorts gibt”, sagte Göring-Eckardt. Den Versuch einer gemeinsamen Initiative im Bundestag habe SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles abgelehnt, sagte die Grünen-Politikerin. “Es ist schade, dass die SPD-Fraktion da mauert”, sagte Göring-Eckardt.

Pflegexperte beklagt dramatischen Personalmangel in Heimen

Der Münchener Pflegexperte Claus Fussek beklagt einen dramatischen Personalmangel in den Heimen. “Pflege im Akkord ist weiterhin an der Tagesordnung, ist Alltag. Das Pflegepersonal am Bett hat immer noch zu wenig Zeit für den Einzelnen”, sagte der Fachautor dem “Redaktionsnetzwerk Deutschland”. “Man muss nur einmal in ein Heim gehen und fragen, wie viele Mitarbeiter es dort im Spät- und Nachtdienst gibt.” Oft seien es nicht mehr als zwei, die dann aber 30 Pflegebedürftige zu versorgen hätten. “Es ist ein Skandal, wenn so wenig Personal nachts für schwerstpflegebedürftige, unruhige, manchmal auch sterbende Menschen da ist. Aber darüber zu reden, ist in diesem Land fast schon tabu”, so Fussek weiter. “Wir brauchen endlich ein Ende der Allianz des Schweigens und Wegschauens, einen Aufstand der Anständigen.” Nach Einschätzung des Pflegexperten hat die jüngste, vor einem Jahr in Kraft getretene Reform zwar Verbesserungen für Demenzkranke und pflegende Angehörige gebracht. “Aber das Grundproblem ist damit nicht gelöst. Es fehlt unverändert an Personal in der häuslichen und stationären Pflege”, so Fussek. “Es wird nicht gefragt, was wir brauchen, um unsere Alten und Pflegebedürftigen würdevoll zu versorgen, sondern immer nur, was wir uns leisten können.” +++

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