Ein Dorf. Ein Fest. Ein Märchen

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Foto: privat

Tischtennis in Günthers, das ist mehr als nur Sport. Was sich darin und dahinter verbirgt, das skizziert Andreas Friedrich, vor wenigen Tagen 42 geworden und seit 2016 1. Vorsitzender des Vereins, so. „Als erstes fällt mir Gemeinschaft ein. Und Verbundenheit mit dem Ort. Mit der Region. Das gilt auch für den Sport. Und diese Werte gibt es bei uns auch im Trainingsbetrieb.“ Knapp 120 Mitglieder zählt der kleine, aber schmucke Verein – und das ist, gemessen an der Einwohnerzahl von gut 400, nicht mal wenig. 1963 wurde der noch eigenständige Verein gegründet. Sozusagen ein Kleinod sind Dorf und Verein in der Rhön. Lesen Sie die rührende Geschichte, die jenseits des Großen Teiches sicher verfilmt worden wäre. Man darf sie durchaus mit dem Etikett „Märchen“ versehen.

Tischtennisverein oder Feuerwehr, beide Gruppierungen wechseln sich alljährlich ab mit der Ausrichtung des Dorffestes. Vor einigen Jahren schwelte die Idee vor sich hin, „irgendetwas machen zu müssen, um mehr Tischtennis in den Ort zu bringen“. Der Gedanke, ein Turnier mit ortsansässigen Vereinen ins Leben zu rufen und auszurichten, kam auf. „Die Resonanz war bombastisch“, erinnert sich Friedrich, „fünf Vereine waren eingeladen, alle machten auch mit“. So gewann die Freiwillige Feuerwehr vor einigen Jahren. Und daraus keimte Besonderes.

Eine neue Mannschaft entstand. Eine „bunt zusammengewürfelte Truppe“. 20 Spieler wurden gemeldet, der Kern bestand und besteht aus acht Spielern. Manche des Teams fingen erst im Erwachsenen-Alter an, „zwischen 20 und 50 war alles dabei“. Abends an der Theke – wie auf dem Dorf so üblich -, fragte man sich, ob es nicht eine Möglichkeit gebe, im Wettkampf-Gedanken mitzuspielen. Gedacht, getan. Für die Hobby-Liga meldete der Verein das Team. Im ersten Jahr, der Saison 2024/25, zahlte die Mannschaft noch Lehrgeld, im zweiten Jahr lief es schon besser. Ehe im dritten Jahr der Höhepunkt folgte. Das Märchen. Niemand glaubte an seinen Inhalt und die Verwirklichung.

Andreas Friedrich indessen sind die Freude und der Stolz noch heute anzumerken. Er berichtet so hautnah darüber, als habe sich das Entscheidende erst gestern zugetragen. „Es war spannend bis zum letzen Spieltag“, reißt er den Spielfilm an, „drei Mannschaften waren oben dran und punktgleich vor dem letzten Spieltag“. Eines der Teams hatte vorgelegt – nun musste die Vertretung des TTC Günthers ran, gegen Germania Fuldas Zweite. Und es musste ein 7:3-Sieg her aus Günthers‘ Sicht. Jetzt bricht es aus Andreas Friedrich heraus. „Wir haben 9:1 gewonnen. Zack, war die Meisterschaft da.“ Die der 3. Kreisklasse. Der Hobby-Liga.

Das Siegerteam, das vor wenigen Jahren zusammengewürfelt war in seiner Besetzung, bestand aus acht Spielern. Eine besondere Note: In den Doppeln spielten vier andere Kräfte als in den Einzeln. Das freute Friedrich in erster Linie: „Das war das Schönste, dass auch die anderen Spieler ihren Beitrag geleistet haben.“ Mannschaftsführer ist der 2. Vorsitzende des TTC Günthers, Peter Ditzel aus dem Nachbarort Schlitzenhausen. Und Friedrich schiebt einen persönlichen Gedanken nach: „Mir war es sehr wichtig, die Mannschaft zu betreuen.“ Der 1. Vorsitzende ist lange genug im Geschäft, um den Erfolg, der sich erst vor wenigen Wochen ereignete, einzuordnen. Nicht ohne Stolz blickt er auf die Arbeit des TTC Günthers. „Im Nachwuchsbereich haben wir einen sehr guten Ruf auf Kreisebene, im Erwachsenenbereich jetzt aber so etwas auf die Beine zu stellen …“ Und natürlich habe sich eine Eigendynamik entwickelt. Das positive Ende hatte das Märchen abgerundet.

Äußerst gut kamen Idee, Zustandekommen und Erfolg auch im Dorf an. Einige Spiele speziellen Charakters wurden ins Dorfgemeinschaftshaus nach Günthers verlegt – eigentliche Spielstätte des TTC ist die Sporthalle der Eberhard-Schule in Tann. „Es waren immer Leute aus dem Dorf da, die sich die Heimspiele angeschaut haben“, lacht Andreas Friedrichs Herz. Und zu Auswärtsspielen reisten Unterstützer und Fans im Bürgerbus an, „es war immer eine kleine Party“, setzt er dem Miteinander in Günthers eine kleine Krone auf. Und als müsste er eine Botschaft senden, findet er diese Worte: „Das war schon mal eine ganz andere Geschichte, die Dorfgemeinschaft auch mitzunehmen und das Ganze auf die Beine zu stellen.“ Und es passte, dass auch der Sponsor und Geldgeber mit im Boot saß. Gemeint ist Daniel Jörges vom ortsansässigen Malerbetrieb. Er habe gesagt, „dadurch, dass ich Güntherser bin, liegt mir das besonders am Herzen“. Ein spezielles Beispiel dafür, dass etwas glaubhaft und glaubwürdig klingt.

Der beinahe märchenhaft klingende Erfolg habe dem TTC Günthers eine Handvoll Mitglieder beschert. Und natürlich wirkte er sich auf das Innenleben des Vereins aus. „Die Meister-Mannschaft, das ist die größte Trainingsgruppe. Und die trainieren mit allen. Da trainiert jeder mit jedem“, lobt und staunt er gleichermaßen. Am 29. Mai erst ist das Team geehrt worden. Am Ehrenabend in der Konrad-Trageser-Halle in Marbach. Kreissportwart Joachim Drews aus Schlüchtern ehrte an diesem Abend alle Meister. Drews macht seinen Job seit 1992. Und wurde kürzlich selbst geehrt für sein 30-jähriges Engagement. Mithin schloss sich der Kreis.

Zum Verein. Vier Herren-Mannschaften und zwei Nachwuchsteams – eine Schüler- und eine Jugend-Mannschaft -, stellt der TTC Günthers 1963 zum Spielbetrieb. Das Schülerteam ist sehr jung – eine U13, die als U15 im Wettkampf mitmischt. Sämtliche vier Mannschaften spielen auf Kreisebene – Erste und Zweite in der 1. Kreisklasse, der Rest darunter.

Der Nachwuchs verspricht einiges. Geduld hat man in Günthers. Auch die jungen Herrenteams verfügen über Qualität. In den vergangenen Jahren rückten zahlreiche Spieler auf in den Herren-Bereich. So meldete der Verein vor zwei Spielzeiten zwei U19-Teams. Wie so oft, durchliefen die jungen Kräfte im Wettkampf mit den Älteren einen Prozess. Qualität bahnte sich den Weg, der Aufstieg auf Bezirksebene gelang. Doch ein Jahr später ging‘s wieder runter. „Wir wären in die Kreisliga abgestiegen“, sagt Friedrich, „sind aber freiwillig nochmal eins tiefer gegangen“. Das erwies sich als richtig: Das TTC-Team wurde ungeschlagen Meister der 1. Kreisklasse und stieg in die Kreisliga auf. Auch wenn es wieder nach unten ging.

Apropos Andreas Friedrich. Im Vereinsleben gibt es stets Personen, die alles, aber auch alles für den Zusammenhalt und die Förderung des Sports, die Stellung des Vereins und seine Existenz tun. Friedrich ist bestes Beispiel dafür. Er ist ein Synonym des TTC Günthers. 2009 entschied sich der Thüringer, dem Tischtennis-Club im Tanner Stadtteil beizutreten. Zunächst stieg er in die Nachwuchsarbeit ein – als Unterstützer des damaligen Nachwuchstrainers. Andreas Friedrich ist vieles in einem – oder besser ausgedrückt: Er vereint viele Positionen und führt sie an ihren Schnittstellen zusammen. Ob Kapitän der Zweiten, Nachwuchstrainer (Friedrich ist auch im Besitz der Kindertrainer-Lizenz) an der Seite von Tim Glotzbach-Fischer und Sebastian Vay – diverse andere Tätigkeiten, wie den Social-Media-Auftritt, kommen hinzu. Als der ehemalige 1. Vorsitzende Wolfgang Dänner – Gastronom und Pächter der Fischerhütte am Rotsee – aus zeitlichen Gründen passen musste, übernahm Andreas Friedrich auch dessen Posten. Zehn Jahre ist das inzwischen her. Im Dorf. In dem es jährlich ein großes Fest gibt. Und manchmal auch ein Märchen. +++ rl


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