Ein Bürgermeister geht: Mit Rainer-Hans Vollmöller endet in Lauterbach eine Ära

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Innenminister Roman Poseck gemeinsam mit dem langjährigen Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller, Rechnungshofpräsident Uwe Becker sowie Landrat Dr. Jens Mischak. (r.l.) Klaus Mendrzick / HMdI

In Lauterbach ist am heutigen Tag nicht nur die 420. Haushaltsberatung der hessischen Kommunen über die Bühne gegangen. Die Veranstaltung wurde zugleich zum Schauplatz eines Abschieds, der weit über die Grenzen der Vogelsbergstadt hinaus Beachtung findet. Mit Rainer-Hans Vollmöller wurde Hessens dienstältester Bürgermeister verabschiedet. Nach drei Jahrzehnten an der Spitze der Kreisstadt endet eine kommunalpolitische Laufbahn, die in dieser Dauer längst zur Ausnahme geworden ist.

Die Haushaltsberatungen des Landes Hessen wurden 2015 eingeführt. Ursprünglich richtete sich das Angebot ausschließlich an sogenannte Nicht-Schutzschirmkommunen, seit 2019 steht es auch Schutzschirmkommunen offen. Seither können alle hessischen Kommunen die freiwillige und kostenfreie Beratung in Anspruch nehmen. Die nunmehr 420. Beratung fand unmittelbar im Anschluss in Lauterbach statt.

Innenminister Roman Poseck bezeichnete die Veranstaltung als einen besonderen Anlass in mehrfacher Hinsicht. Mehr als zehn Jahre Haushaltsberatung für hessische Kommunen stünden ebenso im Mittelpunkt wie die Tatsache, dass die 420. Sitzung ausgerechnet in Lauterbach stattfinde. Die hohe Zahl der Beratungen sei ein Beleg dafür, dass sich das Format bewährt habe.

Das Land Hessen verstehe sich dabei als echter Partner der kommunalen Familie, sagte Poseck. Man begegne den Kommunen auf Augenhöhe und schaffe dadurch eine andere Atmosphäre der Zusammenarbeit. Mit dem Instrument der Haushaltsberatung sei seit 2015 eine Möglichkeit entstanden, zentrale Zukunftsfragen wie finanzielle Stabilität, Handlungsfähigkeit und Generationengerechtigkeit gemeinsam anzugehen. Kommunale Haushalte müssten dauerhaft tragfähig aufgestellt sein und dürften Lasten nicht einfach in die Zukunft verschieben. Wer heute solide wirtschaftet, schaffe morgen größere Spielräume für Investitionen, die Daseinsvorsorge und die soziale Infrastruktur.

Die Beratung sei freiwillig, kostenfrei und auf Unterstützung angelegt. Gerade diese Form der Partnerschaft habe sich über die Jahre bewährt, weil sie fachliche Expertise mit dem Respekt vor der kommunalen Selbstverwaltung verbinde. Dass das Angebot inzwischen allen hessischen Kommunen offenstehe, unterstreiche seinen Erfolg und seine landesweite Bedeutung.

Poseck dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Verwaltungen, Räten und Kämmereien, die mit großem Engagement an tragfähigen Lösungen arbeiteten. Sie leisteten einen wichtigen Beitrag zur Leistungsfähigkeit des Landes und zur Demokratie. Dass die 420. Haushaltsberatung direkt in Lauterbach stattfinde, sei ein Zeichen dafür, dass das Angebot in der Fläche ankomme und vor Ort Wirkung entfalte. Lauterbach stehe stellvertretend für viele Kommunen in Hessen, die sich den Herausforderungen ihrer Finanzlage offen, verantwortungsvoll und lösungsorientiert stellten. Er wünsche der Beratung einen erfolgreichen Verlauf, gute Gespräche, klare Erkenntnisse und tragfähige Ergebnisse. Starke Kommunen brauchten starke Finanzen – und starke Finanzen brauchten partnerschaftliche Beratung.

Auch Rechnungshofpräsident Uwe Becker hob die Bedeutung des Formats hervor. Die Nachfrage nach Beratungsgesprächen steige seit der Einführung im Jahr 2015 kontinuierlich an. Sowohl bei Erstgesprächen als auch bei erneuten Beratungen sei das Interesse groß. Die angespannte finanzielle Situation vieler Kommunen lasse den Beratungsbedarf im Umgang mit knappen Kassen wachsen. Der individuelle Ansatz führe dazu, dass die Angebote angenommen würden. Gemeinsam mit Kommunalverwaltung, Kommunalpolitik und den Beraterinnen und Beratern könnten die tragfähigsten Ergebnisse für die Kommunen und die Menschen vor Ort erzielt werden. Gegenseitiges Verständnis und persönlicher Austausch schafften die Vertrauensbasis, die für erfolgreiche Konsolidierungsmaßnahmen notwendig sei.

Im Mittelpunkt des Tages stand jedoch die Verabschiedung von Rainer-Hans Vollmöller. Seit dem 1. Oktober 1996 ist er Bürgermeister der Kreisstadt Lauterbach. Die Bürgerinnen und Bürger bestätigten ihn 2002, 2008, 2014 und 2020 jeweils erneut im Amt.

Poseck würdigte Vollmöllers jahrzehntelanges Wirken mit deutlichen Worten. Rainer-Hans Vollmöller habe Lauterbach über Jahrzehnte geprägt. Dreißig Jahre an der Spitze einer Kommune seien nicht nur eine beeindruckende Amtszeit, sondern Ausdruck gelebter Verantwortung für eine Stadt, die einem alles bedeute.

Während seiner Amtszeit habe Vollmöller Lauterbach mit Entschlossenheit, Verlässlichkeit und großem Pflichtbewusstsein geführt. In bewegten Zeiten sei er für viele Menschen ein fester und gesuchter Ansprechpartner gewesen. Sein Wirken zeige, dass kommunale Politik dort am stärksten sei, wo sie nah bei den Menschen bleibe.

Auch die persönlichen Begegnungen in Lauterbach und Wiesbaden hätten ihn beeindruckt, sagte der Innenminister. Vollmöller sei für ihn und für die Landespolitik ein hoch geschätzter Partner gewesen.

Dass jemand ein kommunalpolitisches Amt über einen derart langen Zeitraum mit echter Freude ausübe, sei heute alles andere als selbstverständlich. In einer Zeit, die von Beschleunigung und Unsicherheit geprägt sei und in der Angriffe auf Kommunalpolitiker zur traurigen Realität geworden seien, brauche es Menschen wie ihn. Die Kreisstadt Lauterbach habe von seiner langen Amtszeit profitiert, weil politische Erfahrung, Ortskenntnis und persönliches Vertrauen eng zusammengewachsen seien. Mit seinem Abschied ende eine besondere Epoche der Stadtgeschichte. Sein Wirken werde bleiben.

Poseck dankte Vollmöller persönlich für dessen Einsatz, Loyalität und lange Treue zum Amt und wünschte ihm für den neuen Lebensabschnitt Gesundheit, Freude und alles Gute.

Rechnungshofpräsident Uwe Becker erklärte, er kenne Rainer-Hans Vollmöller seit vielen Jahren als bodenständig, engagiert und anpackend. Wer über einen so langen Zeitraum kommunalpolitische Verantwortung trage und dabei das Wohl der eigenen Kommune stets im Fokus behalte, sei ein Vorbild für politisches Wirken vor Ort. Becker dankte ihm für seinen persönlichen Einsatz für die Menschen in Lauterbach. Vollmöller hinterlasse große Fußstapfen, und sein Wirken werde noch viele Jahre überdauern. +++


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