Eichenzell: NABU Hessen weist Vorwurf parteipolitischer Einflussnahme zurück

Der NABU Hessen hat die Kritik der Bürgerliste an Äußerungen des NABU Eichenzell zurückgewiesen und zugleich betont, dass sich der Naturschutzverband im Rahmen seines satzungsgemäßen Auftrags an politischen Debatten beteiligen dürfe. Zwar gelte für den Verband – wie für andere gesellschaftliche Akteure – das Gebot parteipolitischer Neutralität, dies bedeute jedoch keineswegs, sich aus aktuellen politischen Diskussionen herauszuhalten. Vielmehr gehöre es zu den Aufgaben des NABU, sich als „Anwalt der Natur“ öffentlich zu Wort zu melden, wenn Vorhaben den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen oder die gemeinnützigen Ziele des Verbandes beeinträchtigen könnten.

Nach Auffassung des NABU ist die Beteiligung gesellschaftlicher Akteure an politischen Debatten ein wesentlicher Bestandteil einer demokratischen Ordnung und stehe ebenso im Einklang mit dem Grundgesetz wie die Mitwirkung politischer Parteien an der politischen Willensbildung. Das Vorgehen des NABU Eichenzell entspreche daher sowohl der Satzung des größten hessischen Naturschutzverbandes als auch dem Geist des Grundgesetzes. Dass Stellungnahmen des NABU oder anderer gesellschaftlicher Organisationen für politische Entscheidungsträger mitunter unbequem oder ärgerlich seien, gehöre zum demokratischen Alltag. Ebenso selbstverständlich nehme der NABU Eichenzell die Replik der Bürgerliste auf fuldainfo.de zur Kenntnis.

Auch aus fachlicher Sicht sieht der Verband keinen Anlass zur Kritik an den Aussagen des NABU Eichenzell. Diese orientierten sich an den bundesweiten Positionen des NABU. Naturschutz sei nicht nur in der freien Landschaft von Bedeutung, sondern ebenso im Siedlungsraum. Angesichts der aktuellen Hitzewellen werde deutlich, dass der natürliche Klimaschutz mithilfe der Natur zunehmend an Bedeutung gewinne. Aus Sicht des Verbandes sei es deshalb höchste Zeit, Vorsorge für die heutige Bevölkerung und kommende Generationen zu treffen.

Als Beispiel verweist der NABU auf den Grün-Feucht-Kühl-Index, der mithilfe eines Satellitenrasters von 30 mal 30 Metern aufzeige, dass auch in Städten und Dörfern zusätzliche Maßnahmen gegen die Folgen zunehmender Hitze erforderlich seien. Bereits vergleichsweise kleine Veränderungen, etwa das seltenere Mähen von Grünstreifen und kommunalen Wiesen, könnten dazu beitragen, Wasser länger in der Landschaft zu halten. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigten, dass höherwüchsige Wiesen deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen und länger im Boden speichern könnten als kurz gemähte Rasenflächen, die rasch austrockneten. Aus diesem Grund sei es sinnvoll, wenn Kommunen sämtliche Möglichkeiten nutzten, um den natürlichen Klimaschutz zu stärken. Zugleich profitiere auch die biologische Vielfalt von mehr Natur im Siedlungsraum. Viele Schmetterlingsarten seien darauf angewiesen, dass ihre Raupen in höherem Gras geeignete Futterpflanzen fänden. Davon profitierten letztlich auch die Menschen, wenn Schmetterlinge wieder häufiger das Ortsbild und selbst Spielplätze bereicherten.

Der NABU verweist abschließend darauf, mit mehr als 250 Gruppen in Hessen jederzeit bereit zu sein, mit Parteien und politischen Verantwortungsträgern über den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam praktikable Lösungen zu entwickeln. Der Verband wünsche sich, dass Natur- und Klimaschutz künftig selbstverständlicher Bestandteil der Programme aller politischen Akteure werde. Dies sei nach seiner Einschätzung bislang noch nicht überall der Fall. Deshalb wirbt der NABU für mehr „Mut zur Natur für uns“. +++


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