Die jüngste Hitzewelle verschärft nach Einschätzung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) ein seit Jahren bekanntes Problem: Viele Kliniken sind nach Ansicht ihres Vorstandsvorsitzenden Gerald Gaß nicht ausreichend auf extreme Temperaturen vorbereitet. Verantwortlich dafür seien vor allem ausbleibende Investitionen der Länder, die ihrer gesetzlichen Pflicht zur Finanzierung der Krankenhausinfrastruktur seit Jahrzehnten nicht ausreichend nachkämen.
Gegenüber der Rheinischen Post erklärte Gaß, die aktuellen Extremtemperaturen machten schonungslos deutlich, welche Versäumnisse in der Vergangenheit entstanden seien. Zugleich werde sichtbar, dass Krankenhäuser finanziell grundlegend anders aufgestellt werden müssten. Zur strukturellen Unterfinanzierung bei Investitionen und Betriebskosten komme nun zusätzlich das Sparpaket des Bundes, das viele Kliniken an ihre Belastungsgrenze bringe. Nach Einschätzung des DKG-Chefs fehle den Häusern damit der finanzielle Spielraum, um dringend notwendige Maßnahmen wie die Klimatisierung von Patientenzimmern oder weitere Vorkehrungen zum Hitzeschutz eigenständig umzusetzen.
Gaß verbindet seine Kritik mit einer grundsätzlichen Forderung an die Politik. Wer Hitzeaktionspläne und den Kampf gegen den Klimawandel ernst nehme, müsse Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen finanziell so ausstatten, dass sie Patienten wirksam schützen und zugleich ihren Beschäftigten auch bei extremer Hitze sichere Arbeitsbedingungen bieten könnten. Die Debatte über Hitzeschutz sei deshalb nicht allein eine Frage des Katastrophenschutzes, sondern zunehmend auch eine der Krankenhausfinanzierung.
Während die Krankenhausgesellschaft vor allem strukturelle Defizite in den Mittelpunkt stellt, zieht Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) nach dem Hitze-Wochenende zunächst eine positive Bilanz. Nach den bisherigen Berichten aus den Bezirksregierungen hätten sich die bestehenden Strukturen im Rettungsdienst, in der Pflege und in den Krankenhäusern bewährt. Aus heutiger Sicht habe das Gesundheitswesen die außergewöhnliche Belastung bewältigen können.
Laumann dankte den haupt- und ehrenamtlichen Kräften, die während der Hitzewelle dafür sorgten, dass Notfälle bestmöglich versorgt würden und besonders gefährdete Menschen wie ältere Personen, Pflegebedürftige sowie Patienten in Krankenhäusern keinen gesundheitlichen Schaden nähmen. Ihr Einsatz sei entscheidend dafür gewesen, dass das System auch unter den extremen Bedingungen funktioniert habe.
Gleichzeitig kündigte der Minister eine umfassende Auswertung der vergangenen Tage an. Gemeinsam mit dem Innenministerium, weiteren Ressorts, den Bezirksregierungen, der Krankenhausgesellschaft, Pflegeeinrichtungen und medizinischen Fachgesellschaften solle untersucht werden, welche konkreten Auswirkungen die Hitzewelle auf das Gesundheits- und Pflegesystem hatte. Dabei werde geprüft, wie die verschiedenen Akteure auf die außergewöhnliche Belastung reagiert haben, welche Maßnahmen sich als besonders wirksam erwiesen und als Vorbild dienen könnten sowie an welchen Stellen Verbesserungen in Versorgung, Prävention und Zusammenarbeit notwendig seien.
Für Laumann steht fest, dass sich das Gesundheitswesen auf häufigere Hitzewellen einstellen muss. Angesichts des Klimawandels werde die Herausforderung künftig eher wachsen als kleiner werden. Damit treffen sich die Einschätzungen von Krankenhausgesellschaft und Landesregierung zumindest in einem zentralen Punkt: Extremtemperaturen sind längst keine Ausnahme mehr. Während die DKG vor allem auf den Investitionsstau und die Finanzierung verweist, setzt das Land auf eine Überprüfung der bestehenden Strukturen. Die kommenden Auswertungen dürften deshalb auch zeigen, ob die bisher funktionierenden Abläufe langfristig ausreichen oder ob der Hitzeschutz im Gesundheitswesen grundlegend neu aufgestellt werden muss. +++
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