Eine Gruppe mit sechs polnischen Gästen hat auch in diesem Jahr die Caritas im Bistum Fulda besucht. Gemeinsam mit dem Maximilian-Kolbe-Werk organisiert der Wohlfahrtsverband diesen Erholungsurlaub für Überlebende des Holocausts. In diesem Jahr besuchte die Gruppe unter anderem Weihbischof Professor Dr. Karlheinz Diez, die Oberstufe des Marianums in Fulda sowie den Hünfelder Bürgermeister Benjamin Tschesnok und berichteten aus ihrem Leben.
Bereits seit 40 Jahren kommen jedes Jahr Überlebende des Holocausts aus Polen nach Fulda und Osthessen, um sich hier zu erholen und die Region kennenzulernen. Untergebracht sind die Seniorinnen und Senioren und Dolmetscher Wieslaw Cislak im Bonifatiuskloster in Hünfeld, von wo aus sie zu verschiedenen Programmpunkten aufbrechen.
Weihbischof Diez freute sich, die Gäste aus Polen im Bischöflichen Generalvikariat begrüßen zu können: „Ich bin immer ganz gerührt von Ihren Besuchen. Sie müssen schlimme Jahre erlebt haben“, so Diez. Er interessierte sich sehr für die Geschichten der fünf Frauen und einem Mann, von denen die ältesten bereits ein Lebensalter von 90 Jahren erreicht habe. Diez fragte, wie sie nach den Erfahrungen des Holocausts ihr Leben annehmen konnten, wie sie zu Gott stünden und was ihr Rezept für ein langes, erfülltes Leben sei. Auch die Gäste hatten einige Fragen zum Bistum Fulda und der katholischen Kirche in Deutschland, die Diez gerne beantwortete. Zur Erinnerung an den Besuch in Fulda gab es für alle Gäste eine Tasse mit dem Ampelmännchen in Form des Heiligen Bonifatius.
Schon traditionell lädt der Bürgermeister der Stadt Hünfeld die polnischen Gäste ins Rathaus ein. Auch in diesem Jahr freute sich Benjamin Tschesnok über den Besuch und lauschte interessiert den Geschichten aus dem Leben der Besucherinnen und Besucher. Im Fuldaer Marianum schließlich stellte sich die Gruppe den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe vor, nachdem Geschichtslehrerin Nathalie Rauch die Gruppe begrüßt hatte. Die Hörerschaft war sehr aufmerksam, als beispielweise eine Zeitzeugin erzählte, dass sie drei Jahre in einem Ghetto leben musste, bevor ihr Kindermädchen sie mit viel Geld „herauskaufte“, um sie bei sich zu Hause aufzunehmen. Ihre Mutter starb später in einem Lager, ihr Vater und ihr Bruder wurden von Nationalsozialisten ermordet.
Im Anschluss stellten die Schülerinnen und Schüler Fragen. Beispielsweise was die Zeitzeugen dieser jungen Generation mitgeben möchten. Die Antwort darauf kam prompt: Wichtig sei, dass die Schülerinnen und Schüler wissen, dass es den Holocaust gegeben hat. Jeder, der das Gegenteil behaupte, lüge. Die Zeitzeugen ergänzten: „Solche Treffen, solcher Austausch sind wichtig. Wir wollen keinen Hass, wir wollen Freundschaft und Toleranz. Das Wort Hass sollten alle streichen. Hass vernichtet alles. Die Vergangenheit darf sich nicht wiederholen. Wir wollen eine Welt mit Herzlichkeit und Frieden.“
Mit Blick auf das Ende des Besuchs sagte Diözesan-Caritasdirektor Dr. Markus Juch zur Abreise: „Wir freuen uns und sind dankbar für die langjährige gute Zusammenarbeit mit dem Maximilian-Kolbe-Werk. Allen voran bedanken wir uns bei dem Dolmetscher Wieslaw Cislak und der Begleiterin Gisela Bauer, die nun die Reisegruppen seit vielen Jahren begleiten und ihnen Sicherheit sowie eine abwechslungsreiche Zeit bieten. Für uns als Caritas ist es gerade in der heutigen Zeit wichtiger denn je, die Erzählungen an diese fürchterlichen Zeiten weiterzugeben. Wir alle sind angehalten, unser Bestes zu geben für ein Miteinander in Toleranz, Vielfalt und gegenseitiger Zuwendung.“ +++ pm
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