Stadt feierte offizielle Wiedereröffnung der rebarockisierten Schlossgartenanlage

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Nach mehrjähriger Bauphase wurde am heutigen Donnerstag im Beisein der großen interessierten Öffentlichkeit die rebarockisierte Schlossgartenanlage in Angrenzung des Stadtschlosses, dem Verwaltungssitz der Sonderstatusstadt, offiziell wiedereröffnet. Einige Gäste waren aufgrund des gerade in Fulda ausgetragenen Hessentages vorbeigekommen und verfolgten die Wiedereröffnung gespannt aus den Schatten, die ihnen das Stadtschloss spendete.

Seit November 2021 war der vordere Teil des Fuldaer Schlossgartens eine Wanderbaustelle. Was für Besuchende über Jahre hinweg vor allem mit Absperrungen, Baulärm und wechselnden Wegen verbunden war, folgte einem ambitionierten Ziel: Abschnitt für Abschnitt sollte die historische Gartenanlage optisch weitgehend in jenen Zustand zurückgeführt werden, den sie gegen Ende des 18. Jahrhunderts besaß. Nun ist das Projekt nahezu abgeschlossen. Mit der Fertigstellung der Kaisersaalterrasse wurde zugleich der letzte Baustein der sogenannten „Rebarockisierung“ umgesetzt. Zudem ist der Schlossturm wieder von der Gartenseite aus erreichbar. Barrierefrei.

Begonnen hatten die Arbeiten im Bereich der Orangerieterrasse. Es folgte das Schlossgartenparterre rund um die große Fontäne, ehe zuletzt die Kaisersaalterrasse vor der Gartenfront des Stadtschlosses in Angriff genommen wurde. Parallel dazu verwirklichte die Stadt ein Projekt zur Verbesserung der Barrierefreiheit im vorderen Schlossgarten und zur besseren Erreichbarkeit des Kaisersaals. Erhebliche Investitionen flossen darüber hinaus in die Infrastruktur, insbesondere in die Versorgung mit Strom und Wasser sowie in die Erneuerung der Brunnentechnik.

Der Weg bis zur Fertigstellung verlief allerdings deutlich komplizierter als ursprünglich vorgesehen. Die Corona-Pandemie und die wirtschaftlichen Folgen des Krieges in der Ukraine und die damit korrelierenden Lieferengpässe beeinflussten ebenso den Bauablauf wie die aufwendige Kampfmittelsondierung. Hinzu kamen komplexe Abstimmungen mit den Kanal- und Tiefbauarbeiten auf der Kaisersaalterrasse sowie mit den Sanierungsarbeiten am Schlossturm. Die Verzögerungen waren erheblich.

Der Blick in die Geschichte zeigt, wie tief die aktuellen Arbeiten in die Entwicklung des Schlossgartens eingreifen. Das barocke Gartenparterre geht auf den berühmten Gartenarchitekten Maximilian von Welsch zurück. Aus seiner Zeit wurden zwei wiederentdeckte Schnitte bekannt, die zumindest grobe Rückschlüsse auf die ursprünglichen Planungsvorhaben zulassen. Ab 1777 wurde der von Welsch konzipierte Barockgarten in einen spätbarocken Boskettgarten umgeformt. Bevor dieser wiederum ab 1802 unter dem Oranierfürsten Wilhelm in einen englischen Landschaftsgarten überführt wurde, fertigte Leutnant Kördel eine Grundrissaufnahme des Boskettgartens an. Diese Bestandsaufnahme gilt als der früheste dokumentierte Situationsplan des Schlossgartens und wurde damit zu einer zentralen Grundlage für die Formulierung der gartendenkmalpflegerischen Zielstellung.

An eben diesem Plan von 1802 orientierten sich die Gartenplaner bei der Rekonstruktion. Gleichzeitig integrierten sie die spätere Umgestaltung, die bis heute im alten und wertvollen Baumbestand ablesbar ist. In ihrer heutigen Form zählt die spätbarocke Anlage zu den wenigen ihrer Art, die in Deutschland erlebbar sind. Zu dieser Reihe gehören die Parks von Schloss Schwetzingen, Schloss Benrath bei Düsseldorf, Schloss Neuhaus bei Paderborn, die Eremitage Bayreuth und der Residenzgarten Würzburg. Als jüngstes Glied reiht sich nun auch der Fuldaer Schlossgarten in diese besondere Folge spätbarocker Gartenanlagen ein, der an einen Lustgarten erinnert.

Mit dem Anspruch, historische Authentizität und zeitgemäße Zugänglichkeit miteinander zu verbinden, wurden zugleich barrierefreie Elemente geschaffen. Für den Einbau eines Leitsystems auf der Kaisersaalterrasse, einer Rampe zum Kaisersaal sowie eines Tastplans im Parterrebereich und weiterer Orientierungspläne erhielt die Stadt Fulda vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales eine Fördersumme von 120.600 Euro. Das entspricht einer Förderquote von 90 Prozent. Die Wegesanierung im Parterrebereich, die Beleuchtung der Floravase an der Orangerie sowie die Sanierung des Schlossturms einschließlich der Aufzugsanlage waren Teil des Städtebauförderprogramms „Lebendige Zentren Kernstadt“, das im Rahmen des Bund-Länderprogramms über das Wirtschaftsministerium gefördert wurde.

Nach Jahren zwischen Bauzäunen und historischen Plänen ist aus dem vorderen Schlossgarten wieder ein Ort geworden, an dem Vergangenheit sichtbar wird, ohne sich der Gegenwart zu verschließen. Wer künftig durch die Anlage geht, bewegt sich durch mehrere Jahrhunderte Fuldaer Geschichte – und durch das Ergebnis eines Projekts, das historische Rekonstruktion, technische Modernisierung und barrierefreie Zugänglichkeit miteinander verbunden hat.

Fuldas Stadtbaurat Daniel Schreiner erinnerte in seiner Rede an die lange Bauphase, die von zahlreichen und unerwarteten Wendungen geprägt war. Viele hatten angesichts der Schwierigkeiten und der Dauer der einzelnen Bauabschnitte Bedenken geäußert, ob denn die richtigen Entscheidungen getroffen wurden und die richtigen Akteure beteiligt worden seien. Immer wieder versuchte die Stadt die zahlreichen Fragen direkt vor Ort zu beantworten.

An der Orangerieterrasse habe es wegen der bereits weitgehend originalgetreu wiederhergestellten Gestaltung nur geringe Spielräume gegeben. Dennoch seien die Wege dringend sanierungsbedürftig gewesen. Gleichzeitig habe darauf geachtet werden müssen, den Hotelbetrieb des Maritim Hotels am Schlossgarten Fulda möglichst wenig zu beeinträchtigen. Heute erfreue sich die erneuerte Fläche großer Beliebtheit bei den Gästen der Orangerie. Zuvor wurde die komplette Floratreppe vom Grünflächenamt saniert. Lediglich der Anlieferhof stehe noch aus. Wegen seiner intensiven Nutzung müsse der richtige Zeitpunkt für die Erneuerung noch gemeinsam festgelegt werden.

Noch anspruchsvoller gestalteten sich die Arbeiten im Gartenparterre. Dort musste zunächst eine Kampfmittelsondierung nachgeholt werden, die bei der vorherigen Rekonstruktion unterblieben war. Hinzu kam eine bislang nicht exakt bekannte Leitungsführung der historischen Brunnentechnik. Weil sich zahlreiche Leitungen mit den Wurzeln der alten Bäume kreuzten, waren aufwendige Handarbeiten erforderlich. Dem Schutz der Wurzeln sei dabei höchste Priorität eingeräumt worden. Gleichzeitig mussten geeignete Trassen für die neue Technik geschaffen werden. Auch gestalterisch galt es, einen Weg zu finden, das barocke Erbe mit den später entstandenen Epochen zu verbinden.

Der klassizistische Baumbestand wurde vom Landschaftsarchitekturbüro Ehrig aus Bielefeld in die Rebarockisierung eingebunden. Dadurch konnten die meisten, teils rund 200 Jahre alten Bäume erhalten werden. Weil nicht alle Wege über die Wurzelbereiche geführt werden konnten, unterscheiden sich die vier Quadranten des Parterres im Detail. Insgesamt sei der Bereich mit den notwendigen Kompromissen erfolgreich abgeschlossen worden und stehe Bürgerinnen, Bürgern sowie Gästen nun wieder als Aufenthaltsort zur Verfügung.

Neben den bekannten Wanderbänken wurden erstmals feste Sitzbänke aufgestellt. Dabei kündigte Schreiner an, gemeinsam mit der Stadtverordnetenvorsteherin Marga Hartmann (CDU) und Stefan Retter den Standort einer bereits zugesagten Ehrenbank auszuwählen.

Als schwierigsten Abschnitt bezeichnete das Magistratsmitglied die Arbeiten an der Kaisersaalterrasse. Von dort aus werde besonders deutlich, wie eng Schloss und Orangerie über die Gartenanlage miteinander verbunden seien. Charakteristisch für den Barock seien starke Achsen, Symmetrie und das Spiel der Formen.

Gerade die Wiederherstellung der Kaisersaalterrasse greife besonders stark in die bisherigen Sehgewohnheiten ein. Die frühere Rasenfläche habe mit der historischen barocken Gestaltung nur wenig gemeinsam gehabt.

Bevor die eigentlichen Arbeiten an der Terrasse beginnen konnten, musste zunächst der Schlossturm fertiggestellt werden. Parallel dazu wurden die Entwässerungsleitungen des Schlosses erneuert. Die alten, beschädigten Leitungen wurden aus einem barocken Kanal entfernt und daneben neu verlegt. Dafür musste der historische Kanal mehrfach durchdrungen werden, ohne beschädigt zu werden. Gleichzeitig wurde die energetische Notversorgung des Schlosses mithilfe von Erdtanks umgesetzt. Erst nach dem Abbau des Krans am Schlossturm konnten die Kanalbauarbeiten abgeschlossen werden.

Zu den zentralen Maßnahmen gehörte außerdem der Bau eines Regenrückhaltebeckens, das große Mengen Niederschlagswasser vom Schlossdach zwischenspeichert und nicht unmittelbar in die Waides ableitet. Das Becken befindet sich hinter der weißen Statue. Während der Erdarbeiten kamen archäologische Bodenfunde zum Vorschein, die untersucht werden mussten. Dieser zusätzliche Aufwand erwies sich letztlich als hilfreich, weil Teile der Funde belegten, dass sich an dieser Stelle bereits früher Brunnen befunden hatten. Schreiner dankte dem Abwasserverband Fulda ausdrücklich für die Unterstützung bei dieser Maßnahme.

Erst danach konnten die eigentlichen Garten- und Brunnenbauarbeiten beginnen. Mit dem nun abgeschlossenen Projekt sei der letzte barocke Zustand wiederhergestellt worden. In dieser Form füge sich der Schlossgarten als bedeutendes Gartendenkmal des Barock harmonisch in das Ensemble aus Dombezirk, Schloss und den prägenden Wahrzeichen der Stadt ein. Da spätbarocke Gartenanlagen nur noch selten erhalten seien, messe die Stadt dem Fuldaer Schlossgarten eine überregionale Bedeutung bei.

Neben der Wiederherstellung der historischen Gartenanlage hob Schreiner auch die neue Anbindung des Kaisersaals als Trauzimmer sowie die barrierefreie Erschließung des Schlossturms hervor. Beide Projekte seien im Zuge der Arbeiten realisiert worden.

Stadtbaurat Schreiner ging in die Historie. Die ersten Konzepte zur Schlossgartensanierung entstanden 2019, auf deren Grundlage die weitere Planung entwickelt wurde. Ab 2021 wurden die Maßnahmen abschnittsweise umgesetzt. Im selben Jahr begannen die Arbeiten im Parterre, 2022 folgten die Orangerieterrasse und die Kampfmittelsondierung. 2024 waren Parterre und Orangerieterrasse fertiggestellt, gleichzeitig startete die Kanalsanierung an der Kaisersaalterrasse. 2025 begannen schließlich die eigentlichen Arbeiten an der Gartenterrasse. Rechtzeitig zum Hessentag sei nun der gesamte vordere Schlossgarten wieder in seiner ursprünglichen historischen Fassung hergestellt worden.

Stadtbaurat Schreiner dankte heute allen am Bauprozess Beteiligten sowie dem Land Hessen für die denkmalfachliche Begleitung und die finanzielle Förderung. Ebenso dankte Schreiner den städtischen Gremien für die Bereitstellung der Haushaltsmittel sowie den zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung. Ein besonderes Lob sprach er der Stadtgärtnerei unter der Leitung von Steffen Arnold aus. Dort seien sämtliche Pflanzungen gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten abgestimmt worden. Ziel sei es gewesen, mit selbst gezogenen Pflanzen an die Tradition der historischen Schlossgärtnerei anzuknüpfen.

Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) hieß die zahlreichen Anwesenden, die sich anlässlich der offiziellen Wiedereröffnung im Schlossgarten versammelt hatten im Namen der städtischen Gremien und der ersten Bürgerin der Stadt, der Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann willkommen. Ein wesentlicher Beitrag zur Rebarockisierung habe die Fuldaer Stadtverordnetenversammlung geleistet. Für den neugewählten Ausschuss für Kultur, Tourismus und Partnerstädte in der Stadtverordnetenversammlung wurde Jutta Hamberger als Ausschussvorsitzende (Grüne) sowie für den Ausschuss für Bauen, Stadtplanung und Klimaschutz der Ausschussvorsitzende Michael Ruppel (CDU) und mit ihnen alle anwesenden Mitglieder der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung besonders willkommen geheißen. Ein weiteres Willkommen galt mit Jürgen Peter und Thomas Herbert den beiden anwesenden Hessentagsbeauftragten. Stand gestern 18 Uhr hätten bereits 672.000 Besucher den Hessentag besucht.

Die Eröffnung des Schlossgartens und der Kaisersaalterrassen passe, so der OB, in besonderer Weise zum Hessentag, der nicht nur dazu diene, Menschen zusammenzuführen, sondern auch dazu, uns die reiche Historie vor Augen zu führen. Wie Oberbürgermeister Wingenfeld betonte, sei die Wiederherstellung dieses Teils des historischen Barockensembles nur mit erheblicher finanzieller Unterstützung möglich gewesen. Vor diesem Hintergrund freute er sich über die Anwesenheit von Staatssekretärin Manuela Strube aus dem Hessischen Sozialministerium sowie von Regierungspräsident Mark Weinmeister (Kassel). Die Unterstützung des Landes sei für die Umsetzung des Projekts von großer Bedeutung gewesen.

Ein weiterer Dank galt den Kulturschaffenden und Künstlergruppen, dem Menuett-Ensemble des Weinhistorischen Konvents Fulda, die Künstlergruppe „Die Artistokraten sowie das Theater Anu, die die heutige Feierstunde zur Wiedereröffnung der rebarockisierten Schlossgartenanlage mit ihren künstlerischen Darbietungen bereicherten.

Der Schlossgarten habe in den vergangenen Jahren immer wieder im Mittelpunkt der öffentlichen Berichterstattung gestanden. Dies wertete Wingenfeld als Ausdruck einer engen Verbundenheit der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt.

Der neu gestaltete Schlossgarten biete einen weiteren Anlass, Fulda zu besuchen. Ziel sei es, Menschen einzuladen, dort Ruhe zu finden, die Schönheit der Anlage zu genießen und miteinander ins Gespräch zu kommen. +++ nh/ja


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