Bürgerversammlung gegen “SuedLink” in Lehnerz

Fulda. Die Ortsvorsteher der Stadtteile Lehnerz, Niesig, Dietershan und Bernhards sowie der Ortsvorsteher von Götzenhof hatten zu einer weiteren Informationsveranstaltung über die geplante Höchstspannungs-Gleichstromtrasse „SuedLink“ in die Grillenburg Lehnerz eingeladen. Doreen Jünemann begrüßte als gastgebende Ortsvorsteherin neben den zahlreich erschienenen Bürgern besonders auch die Fuldaer Stadträte Wolfgang Arnold, Stefan Grauel und Heidelinde Weinberger, verschiedene Stadtverordnete, die Ortsvorsteher anderer Stadtteile sowie die Vertreter der erst vor einem Monat gegründeten Bürgerinitiative Fuldatal e.V. Sie informierte die Versammlung über ein Grußwort Michael Brands MdB und einer Stellungnahme von Dr. Walter Arnold MdL (CDU). Er wolle „Mut machen, die Pläne weiter mit großer Aufmerksamkeit und genügender Skepsis zu verfolgen. Die Interessen der Bevölkerung sowohl auf Energie wie auch auf eine umweltschonende Trassenführung müssen berücksichtigt werden“, ließ Brand der Versammlung mitteilen. „Wir bleiben in Verbindung und bleiben zum Thema Stromtrasse gut vernetzt.“ Für Dr. Arnold solle die Trasse auf keinen Fall durch Osthessen führen. Trotz der Festlegung einer Nord-Süd-Verbindung im Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) müsse deren Notwendigkeit zunächst geprüft werden. Im Übrigen halte er die Trasse durch Sachsen-Anhalt und Thüringen für besser geeignet, weil dort weniger Menschen betroffen seien, so Dr. Arnold in seiner Stellungnahme.

In einem einführenden Vortrag machte Doreen Jünemann den ihrer Meinung nach übereilten Ausstieg aus der Atomenergie für die jetzige Situation verantwortlich. Jetzt gelte es, nach anderen Lösungen zu suchen. Es gebe wissenschaftliche Institute, die sich mit alternativen Energien sowie alternativen Technologien befassten. Auf der Suche nach Vorteilen der geplanten HGÜ-Leitungen habe sie nichts finden können. Dagegen gebe es zahlreiche Nachteile wie eine veraltete Technik. Die Energie käme zudem weder Fulda noch Hessen zugute. Hessen sei nur Transitland. Ferner gebe es Gefährdungen der menschlichen Gesundheit sowie der Natur und der Umwelt. Auch sei die Strahlenschutzkommission (SSK) nicht mit einbezogen worden. Die SSK empfehle bezüglich der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) aber nachdrücklich die Durchführung weiterer Forschungsprojekte vor allem in Form von Humanstudien.

Winfried Schäfer, Ortsvorsteher von Götzenhof, informierte, dass das Gemeindeparlament von Petersberg schon am 25. August die vorgesehene Trasse abgelehnt habe mit der Begründung einer zu großen Nähe zu Wohngebieten mit entsprechenden Gesundheitsgefährdungen. Man wundere sich, dass die Stadt Fulda erst jetzt seit Oktober reagiere, seit die Trassenalternative in Fuldas Westen bekannt geworden sei, jedoch bei der Trasse im Nordosten untätig blieb. Für Götzenhof könne er nur feststellen: „Wir wollen die Monstertrasse nicht in unserer Gegend haben! Deshalb müssen wir – Fulda und Petersberg – den Widerstand bündeln, weil wir nur gemeinsam stark sind“.

Schließlich kamen die Vertreter der Bürgerinitiative Fuldatal e. V. zu Wort. Deren stellvertretender Vorsitzender Guntram Ziepel gab einen kurzen Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand der Netzentwicklungsplanung und der Tätigkeit der Bürgerinitiative. In der letzten Woche sei der 2. Entwurf des Netzentwicklungsplanes in Berlin vorgestellt worden, der sogar mehrere HGÜ-SuedLink-Trassen und eine Wechselstromtrasse durch Osthessen vorsehe. Es gebe seit Kurzem dazu eine Resolution von etwa 30 Bundestagsabgeordneten an den Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel mit deutlicher Absage an die bisherigen Vorgaben im NABEG. Auch die BI Fuldatal sage „So nicht!“ „Wir brauchen eine echte Energiewende mit dezentralen Energieerzeugern, mit regelbaren Energieerzeugern, mit gasbetriebenen Energieerzeugern, ohne Wahnsinnsoberleitungen. Wir brauchen keinen Netzentwicklungsplan, sondern einen Energieentwicklungsplan“, erklärte Guntram Ziepel. Wenn sich denn eine Leitung als notwendig herausstelle, dann als durchgängige Erdverkabelung, die in jüngsten Kostenvergleichen auf die lange Gesamtstrecke hin nicht teurer sei. Es müsse lediglich dafür gesorgt werden, dass der Auftrag an die Bundesnetzagentur erweitert werde: Neben der HGÜ-Freileitung mit Teilverkabelung (als Ausnahme) müsse kostenmäßig eine volle Erdverkabelung mit aufgenommen werden, die sich nach neuesten Berechnungen als nicht teurer herausgestellt habe.

BI-Vorsitzender Johannes Lange erläuterte anschließend die Auswirkungen einer Freileitung auf Menschen, Tiere und Natur und stellte die nächsten Schritte der BI Fuldatal vor, die am vergangenen Wochenende gemeinsam mit 20 anderen Bürgerinitiativen beschlossen worden seien: Gründung eines BI-Landes- und eines Bundesverbandes; eine bundesweite Demonstration gegen SuedLink am 15. Dezember um 18.00 Uhr entlang der gesamten Trasse; die Ausrichtung eines Konvents aller Bürgerinitiativen gegen SuedLink im Januar 2015 in Fulda. Man rechne hierzu mit mehreren Hundert Teilnehmern; außerdem sammele man weiter möglichst viele Unterschriften, die man in Berlin dem Wirtschaftsminister übergeben wolle.

Aus dem Teilnehmerkreis kamen kritische Stellungnahmen zu den HGÜ-Trassen. Prof. Jünemann wies darauf hin, dass die schädlichen Wirkungen von ionisierter Strahlung bekannt seien. Auch gebe es im Stadtteil Lehnerz gebietsweise eine hohe Rate von Krebstoten, – wohl im Zusammenhang mit einer Gemengelage durch Überlagerung von Schallbelastungen nahe der Bundesautobahn und den Auswirkungen der Wechselstromtrasse. „Wir brauchen die Trasse nicht, wir brauchen viel Raumwiderstand.“ Michael Ebert, betroffener Bewohner in Götzenhof, empfahl, den Rechtsweg gegen TenneT bzw. gegen die Bundesnetzagentur zu beschreiten, um feststellen zu lassen, dass gegen geltendes Recht verstoßen werde. Diese Notwendigkeit sah auch Guntram Ziepel von der BI. Die BI stelle sich auf Klageverfahren ein.

Jörg Klar, Vorsitzender des Landschafts- und Naturschutzverbandes, riet von Aktivismus ab, der den Lobbyisten in die Hände spiele. Er forderte die Versammelten auf, sich am öffentlichen Widerstand in den Bürgerinitiativen zu beteiligen. Ein Teilnehmer fragte nach der Position der Stadt Fulda und regte ein Zusammengehen der Bürger von Fulda und Petersberg an. Peter Jennemann, SPD-Stadtverordneter und Vorsitzender des Umweltausschusses, wies auf die Notwendigkeit hin, Raumwiderstände, d. h. Gründe gegen den konkreten Trassenverlauf, zusammenzutragen und aus den Stadtteilen möglichst bald dem Oberbürgermeister zukommen zu lassen. Die Stadt habe, wie andere Kommunen auch, zur Erstellung von Gutachten und für mögliche Klagen bereits Haushaltsmittel bereitgestellt. „Die BI soll auf jeden Fall den öffentlichen Druck aufrechterhalten“, so Jennemann.

Mit großem Applaus und einstimmig verabschiedete die Versammlung die Resolution: „Keine Stromtrasse durch Fuldas Stadtteile“. Johannes Lange von der BI Fuldatal wies abschließend auf die nächsten Schritte hin: Am Freitag, 28. November, habe die BI eine Zusammenkunft mit OB Gerhard Möller (CDU), am Samstag, 29. November, einen Gesprächsaustausch mit CDU-MdB Michael Brand. Mit SPD-MdB Birgit Kömpel habe in der vergangenen Woche bereits ein Gespräch stattgefunden. Am Mittwoch, 10. Dezember, nehme man gemeinsam mit der Stadtverordnetenvorsteherin und Stellvertretern, dem Magistrat, den Vorsitzenden der Fraktionen und Ausschüsse, den Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie den Ortsvorstehern an einer Informationsveranstaltung der Stadt Fulda teil, zu der der Übertragungsnetzbetreiber TenneT nach Fulda kommen werde. Dies mache deutlich, dass die wiederholt geäußerte Forderung nach enger Vernetzung von Bürgern und den politischen Mandatsträgern auf gutem Wege sei. +++ fuldainfo | hs

Print Friendly, PDF & Email
Whiskytasting mit Fine Dining.
Dienstag, 2. Oktober 19:00 - 0:00

Rhönblick - Landhotel, Restaurant & Countrypub
Hauptstrasse 24, 36100 Petersberg, Hessen, Germany
Slider

Es gibt einige Regeln, die alle Diskussionsteilnehmer einhalten müssen. Wir bitten um Beachtung.

[Kommentarregeln hier klicken]

4 Kommentare

  1. Die Aussage “Die Energie käme zudem weder Fulda noch Hessen zugute. Hessen sei nur Transitland.” von Frau Jünemann an dem Abend habe ich nicht verstanden.

    In der Zeitung stand doch immer, daß Bury von der ÜWAG extra für die Energieversorgung Windmühlen bei Borkum gebaut hat und dieser Strom jetzt transportiert werden muß.

  2. Also ich frage mich schon lange, was der Bürger will! ATOMSTROM oder Alternativen. Alternativen aber anscheinend nur, wenn es nicht vor der eigenen Haustür stattfindet. So geht es aber leider nicht. Da machen es sich so einige einfach zu einfach!

    • Das scheint mir eine grobe Fehleinschätzung der Diskussion zu sein. Wenn vorgeschlagen wird, die Trasse unterirdisch zu verlegen, erscheint mir dies plausibel – und das hat gar nichts mit “weg von meiner Haustür” zu tun. Unterirdische Kabel erzeugen die magnetischen und elektrischen Felder einfach erst gar nicht, über die man sich bei einer Freileitung diesen Ausmaßes berechtigt Gedanken machen müsste. Sie stehen auch nicht im Weg und stellen somit oberirdisch keine sonstige Gefahr dar. Sie verschandeln nicht das Landschaftsbild. Sie können im Winter nicht durch Frost beschädigt werden und ausfallen. Selbst wenn also die Kosten etwas höher ausfallen, sollten wir uns das leisten. Die Frage, welcher Strom dann über solche Leitungen transportiert wird, kann man dann ganz entspannt diskutieren. Atomstrom, zumindest aus Deutschland, wird es nicht mehr lange geben, weswegen eher die Frage ist, ob hier noch Vertreter der Kohlestrom-Lobby bei der Leitungsplanung am Werke sind. Aber selbst damit wird über kurz oder lang Schluss sein, wenn die Erneuerbaren langfristig billiger und die Klimasituation schärfer diskutiert werden wird. Ein leistungsfähiges Netz brauchen wir allemal.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.