
Bei einer groß angelegten Razzia wegen des Verdachts auf schweren Abrechnungsbetrug bei ambulanten Pflegediensten haben Ermittler Vermögenswerte in Höhe von 5,9 Millionen Euro eingefroren. Mehr als 200 Einsatzkräfte von Polizei, Zoll und Finanzbehörden durchsuchten am Donnerstag zahlreiche Objekte in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Unter anderem waren die Ermittler in Kelsterbach im Kreis Groß-Gerau im Einsatz.
Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft richten sich die seit Dezember 2025 laufenden Ermittlungen gegen insgesamt 13 Beschuldigte. Im Mittelpunkt steht der Verdacht des gewerbs- und bandenmäßigen Abrechnungsbetrugs im Gesundheitswesen. Hinzu kommen Ermittlungen wegen Geldwäsche, Steuerdelikten sowie des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand soll bei der ambulanten Intensivpflege ein Schaden von rund elf Millionen Euro entstanden sein.
Den Ermittlern zufolge sollen Leistungen gegenüber Krankenkassen abgerechnet worden sein, obwohl diese tatsächlich nicht oder nicht vollständig erbracht worden sein sollen. Zudem besteht der Verdacht, dass Pflegeleistungen durch Personal erbracht wurden, das nicht über die dafür erforderliche Qualifikation verfügte.
Im Rahmen der Durchsuchungen wurden umfangreiche Vermögenswerte gesichert beziehungsweise mit Arrest belegt. Dazu gehören unter anderem mehrere hochwertige Fahrzeuge, darunter Fahrzeuge der Marken Maybach, Mercedes-AMG und Lamborghini. Außerdem stellten die Einsatzkräfte rund 51.000 Euro Bargeld sowie Gold, Schmuck, hochwertige Taschen und Uhren sicher. Darüber hinaus wurden Sicherungshypotheken in Höhe von insgesamt 3,3 Millionen Euro in den Grundbüchern von Immobilien der Beschuldigten eingetragen.
Auch mehrere Haftbefehle beziehungsweise Haftanträge sind Teil des Einsatzes. Gegen eine 39-jährige türkische Staatsangehörige wurde ein Haftbefehl vollstreckt. Gegen ihren 44-jährigen deutschen Ehemann wurde ebenfalls ein Haftbefehl beantragt. Er sollte einem Haftrichter vorgeführt werden. In einem weiteren Objekt nahmen die Einsatzkräfte eine 54-jährige georgische Staatsangehörige fest. Nach Angaben der Behörden hielt sie sich unerlaubt in Deutschland auf und arbeitete dort.
Bei der Durchsuchung einer Wohnung in Düsseldorf machten die Einsatzkräfte zudem einen besonders auffälligen Fund. Dort trafen sie ein pflegebedürftiges Kind an, das sich in einem sehr schlechten Gesundheitszustand befand. Das Kind wurde zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Nach Angaben der Behörden wurden außerdem der Kinderschutzbund und das Jugendamt informiert.
Die Ermittlungen dauern an. Für die Beschuldigten gilt bis zu einem rechtskräftigen Abschluss der jeweiligen Verfahren die Unschuldsvermutung. +++

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