Mit Werken mitunter von Brahms, Chopin und Ravel ist gestern Abend im Fürstensaal des Stadtschlosses die 19. PIANALE eröffnet worden. Genaugenommen befindet sich das „Pianale Piano Festival“, wie das Format korrekterweise heißt, bereits im 20. Jahr. Doch die Corona-Pandemie zwang die Akademie und Konzertreihe 2020 zum Pausieren. Und so fand die 14. Ausgabe, die eigentlich für das Jahr 2020 turnusmäßig vorgesehen war, erst 2021 statt. Darauf verwies gestern Pianale-Gründerin und Co-Gastgeberin, Uta Weyand. „Durch die Corona-Pandemie haben wir gelernt, dass auch alles anders kommen kann. 20 Jahre geben uns aber die Möglichkeit, aus Erfahrung die Zukunft weiter zu gestalten; und so freuen wir uns schon heute, nächstes Jahr 20 Jahre Pianale feiern zu können“, so Uta Weyand anlässlich der Eröffnung der 19. Pianale am Dienstagabend im Fürstensaal des Stadtschlosses. Ihr besonderer Dank galt den langjährigen Unterstützern und Förderern der Pianale sowie im Besonderen dem Kulturamt der Stadt Fulda, das auch in diesem Jahr das Veranstaltungsformat unter dem Motto „Fulda beflügelt“ unterstützt.
Jedes Jahr ist in der Region die Nachwuchsklavierelite von Morgen zu Gast. Sie alle eint der Traum, eines Tages in Metropolen Konzertsäle zu füllen. Dafür ist ihnen, die für die 14-tägige Akademie und Schlosskonzertreihe an den schönsten Orten Fuldas und der Region aus der ganzen Welt anreisen, kein Weg zu weit. Denn sie wissen um die außergewöhnliche Begabtenförderung im Rahmen der Pianale und die Referenz, die ihre Karrierewege maßgeblich beeinflusst. Dabei kommt Pianale-Gründerin, Dozentin sowie selbst gefeierte Konzertpianistin, Professorin Uta Weyand und ihrem Team, das in diesem Jahr aus sechs international renommierten Konzertpianistinnen und -pianisten und Pädagogen besteht, ein besonderer Bildungsauftrag zu. In diesem Jahr nehmen am Wettbewerb 25 Nachwuchsmusikerinnen und – musiker im Alter zwischen 12 und 29 Jahren aus 13 Ländern teil. Auffällig ist in diesem Jahr der hohe Anteil sehr junger Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Mehr als die Hälfte der Ausnahmetalente hat das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet. Neben den Konzerten (Schlosskonzerte Osthessen) absolvieren die Studierenden mit ihrer Teilnahme an den Meisterkursen ein täglich hartes Pensum.
In diesem Jahr gehören neben Uta Weyand (Deutschland) u.a. Frédéric Lagarde (Frankreich), Ya-Fei Chuang (USA/Taiwan), Alberto Nosè (Italien) und Noriko Ogawa (Japan) dem Dozententeam an. Neu im Team ist Frédéric Lagarde. Er gilt als einer der talentiertesten französischen Pianisten seiner Generation. Davon konnten sich die Konzertbesucherinnen und – besucher beim Eröffnungskonzert im Fürstensaal gestern überzeugen. Lagarde verwöhnte das Publikum mit Préludes von Couperin aus „L’Art de toucher le clavecin“ und Ravel aus „Le Tombeau Couperin“ und Sonatine, wofür er viel Anerkennung hielt. Ein bisschen wie zurückkommen dürften sich Aleksandar Serdar und Noriko Ogawa gefühlt haben, insbesondere Ogawa richtete sich mit wenigen Worten ans Publikum, bekundete darin ihre Freude, auch in diesem Jahr dem Pianale-Dozenten-Team anzugehören und dankte für die Unterstützung. Noriko Ogawa brachte vier Klavierstücke von Johannes Brahms zur Gehör, womit sie begeisterte.
Zu Beginn des Konzerts, das zweigeteilt war, ehrte Konzertpianistin Uta Weyand mit einem Mazurca in c-Moll, dem Serenata Andaluza und Piezas Españolas den vor 150 Jahren geborenen spanischen Komponisten Manuel de Falla, womit sie ihre große Leidenschaft für die spanische Klavierliteratur mit dem Publikum teilte und auch gestern für ihre Interpretation viel Anerkennung hielt. Weyand verbrachte mehr als 10 Jahre in Spanien, ein Land, das sie heute als ihre zweite Heimat bezeichnet. Bis heute ist sie als gefragte Gastjurorin international tätig. Im Anschluss auf Weyands Interpretationen begeisterte Aleksandar Serdar mit einer Siciliano Transkription für Klavier aus der Flötensonate von Bach und Kempff gefolgt von drei Sonaten von Domenico Scarlatti. Den Schlussakkord, bevor er das Publikum in die 30-minütige Pause entließ, setzte Aleksandar Serdar mit der Ballade Nr. 4 in Moll von Frédéric Chopin.
Professorin Uta Weyand warb im Vorfeld des gestrigen Eröffnungskonzertes auf eine Mitgliedschaft im Förderverein Pianale e.V. um das Festival langfristig zu sichern und das weltweit einzigartige Format bestehend aus Akademie und Konzertreihe in eine gute Zukunft zu führen. Inzwischen hat auch die Stadt Fulda das große Potenzial der Pianale für Fulda erkannt und unterstützt das Format seit 2021. Im Rahmen des neuen Übereinkommens verlegte die Klavierakademie ihren Standort von Schlitz nach Fulda. Seitdem wohnen die Klavierschülerinnen und – schüler während der Akademie im Kloster Frauenberg mit sagenhaftem Blick über die Stadt. Besondere Unterstützung erfährt die Pianale außerdem durch das städtische Kulturamt im Bereich Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und bei der Konzertplanung.
Die Konzertreihe Schlosskonzerte Osthessen ist noch bis zum 4. August 2026 zu besuchen. Beim Abschlusskonzert auf Schloss Fasanerie (4. August 2026, 18.30 Uhr) spielen die vier besten Teilnehmerinnen und Teilnehmer des diesjährigen Pianale Piano Festival um den „Publikumspreis“ und ein Konzertengagement beim Preisträgerkonzert unter Mitwirkung der HessenClassicPlayers am 8. November 2026 im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses, genau dort, wo die Pianale gestern ihre Anfänge genommen hat.
Das Abschlusskonzert ist nicht nur der finale Höhepunkt des Pianale Wettbewerbs, sondern auch beim Publikum sehr beliebt. Wer ein Ticket erwerben will, der muss sich beeilen. Das nächste Konzert ist am Donnerstag, den 23. Juli 2026, um 19.30 Uhr im Marmorsaal des Fuldaer Stadtschlosses. Wer bisher auf dem Standpunkt beharrte, dass Klaviermusik nichts für ihn sei und Klavierkonzerte bisher verschmähte, der hat am kommenden Freitag (24.07.) um 15 Uhr vor dem Modehaus Schneider Fulda (Universitätsplatz 3) die Chance, sich vom Gegenteil zu überzeugen. Dort geben die Pianale-Teilnehmerinnen und – teilnehmer eine kostenlose Hörprobe ihres Könnens. +++ jessica auth
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