Die Zukunft des Tegut-Marktes in Mackenzell ist offen – doch erstmals zeichnet sich eine konkrete Perspektive für den Erhalt des Standorts ab. Nachdem die angekündigte Zerschlagung der Supermarktkette Tegut Ende März bundesweit Diskussionen über die Versorgungssicherheit insbesondere im ländlichen Raum ausgelöst hatte, könnte ausgerechnet ein genossenschaftlich organisiertes Konzept den Fortbestand des Marktes sichern.
Die Enso eCommerce GmbH hat Vertretern der örtlichen Politik sowie Vereinsvertretern im Hünfelder Rathaus ihre Pläne für einen sogenannten „Tante Enso“-Markt vorgestellt. Das Unternehmen hat sich auf kleinere Lebensmittelmärkte in ländlichen Regionen spezialisiert und prüft nach Angaben der Stadt Hünfeld die Aufnahme des Standorts Mackenzell in sein Filialnetz.
Für Bürgermeister Benjamin Tschesnok ist das Interesse des Unternehmens ein wichtiger Schritt, um die Nahversorgung vor Ort langfristig zu sichern. Nach der Vorstellung des Konzepts soll nun die Bürgerschaft eingebunden werden. Voraussetzung für die Umsetzung ist die Gewinnung von 600 Teilhaberinnen und Teilhabern, die jeweils mindestens einen Genossenschaftsanteil im Wert von 100 Euro zeichnen. Das Modell setzt damit bewusst auf lokale Mitverantwortung. Ziel ist es, nicht nur den Markt selbst zu erhalten, sondern auch Arbeitsplätze und Infrastruktur dauerhaft zu sichern.
Das Konzept von „Tante Enso“ unterscheidet sich dabei deutlich von klassischen Supermärkten. Geplant ist ein hybrides Modell, das persönliche Betreuung mit digitalen Angeboten verbindet. Neben regulären, personalbesetzten Öffnungszeiten sollen Kundinnen und Kunden mithilfe einer Kundenkarte und von Selbstscan-Kassen rund um die Uhr einkaufen können. Gerade für kleinere Orte, in denen sich wirtschaftlich tragfähige Lösungen für den Einzelhandel zunehmend schwieriger gestalten, gilt dieser Ansatz vielerorts als Versuch, Versorgungslücken zu schließen.
In Mackenzell stößt die Idee auf Unterstützung aus der Kommunalpolitik. Ortsvorsteherin Katja Hartung-Jesensky sieht in dem Vorhaben eine seltene Gelegenheit, die Versorgungssituation im Ort nicht nur zu erhalten, sondern möglicherweise sogar auszubauen. Die Bürgerinnen und Bürger hätten es nun selbst in der Hand, über die Zukunft ihrer Nahversorgung mitzuentscheiden. Auch der Molzbacher Ortsvorsteher Udo Tischler unterstützt das Projekt.
Die Entwicklung verdeutlicht zugleich einen grundlegenden Wandel im Lebensmitteleinzelhandel. Während große Handelsketten ihre Standorte zunehmend nach wirtschaftlichen Kriterien bündeln und kleinere Märkte unter Druck geraten, gewinnen alternative Modelle an Bedeutung. Genossenschaftliche Konzepte wie „Tante Enso“ setzen darauf, wirtschaftliche Tragfähigkeit und lokale Identifikation miteinander zu verbinden. Ob dieser Ansatz in Mackenzell erfolgreich sein wird, hängt nun maßgeblich davon ab, ob genügend Bürgerinnen und Bürger bereit sind, sich finanziell und ideell an dem Projekt zu beteiligen.
Eine erste Gelegenheit, sich umfassend zu informieren, bietet eine Bürgerinformationsveranstaltung am 19. Juni um 18 Uhr im Landgasthof Goldener Engel in Mackenzell. Eingeladen haben Ortsvorsteherin Katja Hartung-Jesensky und Ortsvorsteher Udo Tischler. Dort soll das Konzept im Detail vorgestellt und Fragen der Bürger beantwortet werden.
Noch ist offen, ob aus dem Tegut-Markt tatsächlich ein „Tante Enso“ wird. Fest steht jedoch, dass die Entscheidung über die Zukunft des Standorts nicht allein in den Vorstandsetagen großer Handelsunternehmen fällt. In Mackenzell könnte sie vor allem von der Bereitschaft der Bürger abhängen, Verantwortung für die eigene Nahversorgung zu übernehmen. +++
Entdecke mehr von fuldainfo.de
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar