Lauterbach erwartet für den Winter viele „Impfdurchbrüche“

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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt vor einer Ansteckung vieler Geimpfter in einer nächsten Corona-Welle. „Die vierte Welle hat bereits begonnen. Die Ungeimpften stecken nicht nur Ungeimpfte an, sondern auch Geimpfte“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“. Denn der Impfschutz gegen Ansteckung gehe wohl nach einem halben Jahr im Schnitt auf 50 bis 60 Prozent zurück, sagte Lauterbach. „Bei niedrigen Inzidenzen ist das kein Problem. Doch die Inzidenzen steigen bereits bedenklich an. Damit wird es immer wieder Impfdurchbrüche geben.

Deshalb müssen wir mehr Menschen vom Impfen überzeugen. Wenn wir jetzt nicht die Impfquote erhöhen, werden wir im Winter bundesweit viele Impfdurchbrüche erleben.“ Noch sei eine Auffrisch-Impfung für alle nicht nötig: „Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch nicht nötig, allen Geimpften in Deutschland eine dritte Dosis anzubieten. Studien zeigen den guten Impfschutz. Sinnvoll ist eine Auffrischung schon jetzt bei Menschen über 80, Menschen mit Immunschwächen und bei medizinischem Personal“, sagte Lauterbach. Mittelfristig hält der SPD-Experte eine Auffrischung für alle unter zwei Bedingungen für sinnvoll: „Wenn sich erstens Studien aus Israel und den USA bestätigen, wonach der Impfschutz von Biontech deutlich schneller nachlässt als gedacht. Dann brauchen wir eine dritte Dosis, um Langzeitschäden zu verhindern.“ Denn die Betroffenen seien laut einer im „New England Journal“ veröffentlichten Studie zwar weiter vor schweren Verläufen geschützt, hätten aber ein Risiko von 19 Prozent, an Long Covid zu erkranken. „Dann müssen wir aber auch zweitens dafür sorgen, dass die armen Länder mehr Impfstoff erhalten. Es wäre medizinisch falsch und ethisch nicht zu vertreten, in reichen Ländern ohne klare Datenlage die dritte Dosis zu geben, während arme Länder noch nicht mal ihr medizinisches Personal geimpft haben.“

Hausärzte: Kinder werden aus „sozialem Gruppendruck“ geimpft

Der Hausärzteverband geht davon aus, dass Kinder und Jugendliche in Deutschland auch aus „sozialem Gruppendruck“ geimpft werden. „In den kinderärztlichen Praxen und solchen, die Impfungen für Jugendliche anbieten, nimmt das Impftempo zu“, sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Das erfolge nicht nur aus medizinischen Gründen. Grundsätzlich schätzen die Hausärzte die Lage im Gesundheitssystem trotz der steigenden Inzidenzwerte als entspannt ein. „Wir sehen keinen Grund für zusätzliche Beschränkungen, zumal die Belastung des Gesundheitswesens und der Krankenhäuser nicht wesentlich über das normale Maß hinausgeht“, so Weigeldt. Er kündigte zudem an, die Hausärzte würden der Empfehlung folgen, „dass alte und gefährdete Menschen sechs Monate nach ihrer zweiten Impfung eine Auffrischung bekommen“.

Kassenärzte fordern Entscheidung zu „Booster-Impfungen“

Die Kassenärzte haben von der Bundesregierung genaue Vorgaben für mögliche dritte Impfungen gegen das Coronavirus in den kommenden Monaten gefordert. „Selbstverständlich können die Booster-Impfungen in den Praxen vorgenommen werden“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, der „Rheinischen Post“. „Doch die Praxen und ihre Teams brauchen Klarheit, wann und für wen Impfungen vorgenommen werden können“, sagte Gassen. „Hierzu wäre es wichtig, eine möglichst klare wissenschaftlich begründete Definition zu haben, für wen eine Booster-Impfung sinnvoll wäre“, sagte er. „Nicht vergessen dürfen wir, dass ab dem Herbst auch wieder die Grippesaison einsetzen wird. Sinnvoll wäre eine mögliche Kombination beider Impfungen.“ Booster-Impfungen sind Auffrischungsimpfungen, die derzeit von Gesundheitsexperten für den Zeitraum sechs Monate nach den ersten Immunisierungen diskutiert und vor allem für Ältere empfohlen werden. +++


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