Zentrum gegen Vertreibungen tagte im Hessischen Landtag

80 Jahre nach Flucht und Vertreibung von rund 15 Millionen Deutschen vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges haben sich im Hessischen Landtag Wissenschaftler über die politischen, rechtlichen, sozio-ökonomischen und kulturellen Nachwirkungen bis in die Gegenwart ausgetauscht. Die Fachtagung wurde von der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen organisiert. Sie richtete den Blick auf historische Erfahrungen ebenso wie auf aktuelle geopolitische Realitäten. Der Kongress stand unter der Schirmherrschaft von Parlamentspräsidentin Astrid Wallmann, die zur Eröffnung an die Aufbauphase des noch jungen Hessens vor 80 Jahren und den früheren Ministerpräsidenten Georg-August Zinn und an dessen Integrationsversprechen erinnerte. Wallmann: „Zinn rief dazu auf, sich mit seinen Traditionen, Bräuchen und Erfahrungen einzubringen, damit aus dieser Vielfalt etwas neues Gemeinsames wachsen könne.“

Die Landespolitik habe somit einen wichtigen Grundstein für die Aufnahme der Flüchtlinge und Vertriebenen in Hessen als neue Mitbürgerinnen und Mitbürger gelegt. „Die Erfahrungen der Entwurzelung, des Verlustes und des schwierigen Neubeginns in der Fremde sind fester Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses und prägen Familien über Generationen hinweg“, unterstrich die Parlamentspräsidentin. Der frühere Hessische Innenminister, Peter Beuth, steht seit 2025 der Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“ vor. Er zeigte sich bei der Fachtagung überzeugt: „Wer die Geschichte von Flucht und Vertreibung ernst nimmt, der lernt daraus etwas für die Gegenwart.“ Er erinnerte daran, dass heute weltweit über 117 Millionen Menschen auf der Flucht sind. „Das Thema Flucht und Vertreibung ist nicht Geschichte. Es ist Gegenwart und somit hochaktuell“, sagte Beuth.

Der Stiftungsvorstand erklärte den Titel der Fachtagung „Historische Bilanzen im Lichte neuer Gewaltmigration“ und lenkte den Blick auf den aktuellen, seit nun bald fünf Jahre währenden russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Beim Fachkongress im Landtag sprach der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius, über Räume und Formen nationalen Gedenkens. Deutschland halte die Erinnerung an die Vertreibung von Millionen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg wach und pflege das kulturelle Erbe der Deutschen im östlichen Europa als Teil eines gesamtgesellschaftlichen Erbes.

„Wir erleben weltweit den Versuch, Geschichte zu instrumentalisieren. Das Erstarken autoritärer und neoimperialer Systeme ist verbunden mit hybrider Kriegsführung und gezielter Desinformation in den sozialen Medien. Dem setzen wir eine starke und um Wahrhaftigkeit bestrebte Erinnerungskultur entgegen, die unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt“, so Dr. Bernd Fabritius am Donnerstag im Hessischen Landtag.

Der Beauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, der Landtagsabgeordnete Andreas Hofmeister, betonte in seinem Vortrag: „Die Aufnahme der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler kann in der Bilanz als große Erfolgsgeschichte gewertet werden und ist Teil der hessischen Identität. Daraus erwächst auch die Verantwortung, das Bewusstsein für das kulturelle Erbe sowie Schicksal und Leistungen von Heimatvertriebenen und Spätaussiedlern zu erhalten und wo möglich zu schärfen.“ +++


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