Die Zuschauer trauten ihren Augen nicht in der Hubtex Arena, in der ein Stückchen Magie versteckt ist. Fast war‘s eine Kopie des Saisondebüts: Die Spieler des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell II holten in ihrem zweiten Spiel, das wieder ein Heimspiel war, als Aufsteiger in die Regionalliga West gegen den SC Arminia Ochtrup – wie schon gegen die Zweite des 1.FC Köln – einen Punkt. Ihren zweiten. Wieder sprang ein 5:5 heraus. Wieder nach misslungenem Start in den Doppeln, wieder nach grandioser Aufholjagd. Aus dem 0:3-Zwischenstand machte das gastgebende Team noch das Bestmögliche. Ben-Luca Köhler sicherte den Punktgewinn, als er sein abschließendes Einzel klar gewann. Doch lesen Sie die spannende Geschichte in ihren reichhaltigen Facetten.
Zunächst staunten die Maberzeller nicht schlecht, als Ochtrup gegenüber seinem Saisonauftakt-Spiel mit völlig veränderter Mannschaft auflief. Verstärkt durch den Franzosen Alexis Douin an Position Eins und den hochklassig erfahrenen Bernd Ahrens im hinteren Paarkreuz, hatte sich Ochtrup gegen die Fuldaer offensichtlich einen klaren Sieg erhofft. Beim Gastgeber sprang erneut Qing Yu Meng, Cheftrainer des Bundesliga-Teams, für Alexey Tronin in die Bresche. Obwohl dieser Wechsel eine Verstärkung sein sollte, stellte er sich im Nachhinein anders dar. Dem „Edeljoker“, der in der vergangenen Saison noch den einen oder anderen Einsatz in der Bundesliga hatte, gelang kein Punktgewinn.
Los ging es in den Doppeln, die sich schon beim Auftakt als Schwachstelle herausstellten. Während Torsten Mähner/Ben-Luca Köhler in Douin/Kohne im gegnerischen Spitzenpaarkreuz erwartungsgemäß ihre Meister fanden, hätten Meng/Florian Hans gegen Kuhn/Arens durchaus etwas ausrichten können. Es zeigte sich jedoch zunehmend, dass die Fuldaer nicht eingespielt sind – da sie zu selten Doppel miteinander spielen, geschweige denn trainieren. Die unnötige 1:3-Niederlage führte mithin zum zeitigen 0:2-Rückstand. Der Matchplan, ein Doppel zu gewinnen, hinten drei Punkte zu holen und vorne einen – der war früh über den Haufen geworfen.
Als dann auch noch Meng gegen die Ochtruper Nummer Zwei, Mathis Kohne, sang- und klanglos mit 0:3-Sätzen unterging, deutete sich eine klare Niederlage an. Torsten Mähner durfte nun gegen den französischen Profi Alexis Douin antreten – und niemand rechnete da auch nur ansatzweise mit einem knappen Spielverlauf. Doch Mähner realisierte das, was er in seiner langen Karriere im Mannschaftssport Tischtennis des Öfteren anknabberte. Er spürte, dass ein Ruck durch Maberzells Team gehen musste. Dass es seine Erfahrung brauchte. Als Führungsspieler ging er mit gutem Beispiel voran. Er packte sein ganzes Kämpferherz aus, ließ es auf der Platte – und begeisterte mit fantastischen Ballwechseln auf höchstem Niveau. Die Zuschauer in der Hubtex Arena – es hätten ein paar mehr sein dürfen – riss es von den Sitzen. Keine Frage: Der Franzose war zunehmend erstaunt von Mähners couragiertem Auftritt. Der konnte sein Level über längere Zeit halten und brachte die Topspin-Bälle seines Kontrahenten ein ums andere Mal zurück. Mit einem spektakulär verwandelten Matchball belohnte sich der Eichenzeller für eine seiner besten Leistungen der vergangenen Monate.
Durch Mähners völlig überraschenden Punktgewinn ging Florian Hans an Position 3 mit neuem Mut an die Platte – und ins Duell gegen den erfahrenen Bernd Ahrens. Florian spielte furios auf. Die Schwierigkeit für den Marbacher bestand darin, die gefährlichen Aufschläge seines Gegners zu lesen – und sie so zu retournieren, dass Ahrens seine unkonventionellen Schüsse mit den Noppen nicht durchbringen konnte. Hans blieb fünf Sätze lang geduldig – und brachte seinerseits seine schnellen Topspins durch. Ein klares 11:4 im Fünften war der verdiente Lohn. Er brachte sein Team auf 2:3 heran. Florian Hans‘ Auftritt war, ebenso wie jener von Torsten Mähner, sehenswert.
Ben-Luca Köhler bekam es an Postion 4 mit dem Jugend-Nationalspieler Samuel Kuhl zu tun. Kuhl kam international bereits zu einigen Erfolgen. Doch Köhler zeigte von Beginn an, dass ihm die Spielweise seines Kontrahenten zu liegen schien. Gekonnt stellte er Kuhl mit viel Unterschnitt in seinen langen Bällen vor Herausforderungen – so dass Kuhl mit eher weichen Topspins antworten musste. Die übernahm Köhler mit brachialen Gegen-Topspins, die oft zu Punkten führten. Hinzu kam, dass er Kuhl von gemeinsamen Trainingslagern kannte – und vielleicht deswegen gezielt seine defizitären Punkte anspielte. Die Folge: Ein glatter 3:0-Sieg Köhlers – und der zwischenzeitliche Ausgleich zum 3:3.
Nun war wieder Qing-Yu Meng an der Reihe – gegen Alexis Douin. Meng begann verheißungsvoll, indem er den ersten Satz für sich entschied. Fortan aber schien es, als würde Meng die Konstanz etwas abhanden kommen. Und der Franzose stellte seine Taktik um. Man merkte seine Klasse, indem er das klassische Problem von Penholder-Spielern bei der langen Rückhand konsequent ausnutzte. 1:3. Ochtrup ging wieder in Front – oder anders ausgedrückt: Maberzell lag erneut zurück.
Torsten Mähner veredelte seinen Sahnetag anschließend mit einem Sieg gegen Kohne, den er nach erneut aufopferungsvollem Kampf niederrang. Auffallend hier, wie häufig das Momentum beiderseits wechselte. Alle der fünf Sätze endeten deutlich – nur mit aus Fuldaer Sicht passendem Ende. Zwei gingen an Kohne – drei aber an Mähner. Deutlich wurde auch dies: Beide waren in der Lage, extrem starke Bälle zu spielen. Entscheidend aber war, wer sein Potenzial häufiger und vor allem in engen Situationen abrufen konnte.
4:4 stand es nun – und es lag wieder, wie schon in der vergangenen Woche, in den Händen der Youngster, dafür zu sorgen, dass etwas Zählbares herausspringen würde für die Zweite des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell. Mit unterschiedlichem Ausgang im Vergleich zum Duell gegen Köln II: Dieses Mal gewann Ben-Luca Köhler sein abschließendes Einzel – während Florian Hans seine erste Niederlage in der Regionalliga hinnehmen musste.
Bis sich Hans an Kuhls gefühlvolle Seitspin-Bälle gewöhnt hatte, waren die beiden ersten Sätze – wenn auch knapp – schon weg. Nach einer taktischen Umstellung schnappte sich Hans den Dritten, wirkte im Vierten aber zu gierig und agierte zu risikoreich, so dass Kuhl eigentlich nur auf die Fehler seines Kontrahenten warten musste. Besser machte es Ben-Luca Köhler am Nebentisch. Auch wenn er mit der unorthodoxen Spielweise seines Gegners Ahrens zunächst Probleme hatte und auch mit 1:2 zurücklag. Köhler aber kämpfte sich zurück, blieb geduldig und bekam die gefährlichen Aufschläge seines Kontrahenten ab dem Vierten besser in den Griff. Köhler nervte seinen Gegner so sehr, dass Ahrens das entscheidende Spiel im Fünften mit einem Aufschlagfehler beendete. Der ebenfalls aus Marbach stammende Köhler belohnte sich mit einer starken Leistung. Der Lohn: sein zweiter Punktgewinn an diesem Tag. Und er rettete seiner Mannschaft das 5:5-Unentschieden. Es war der zweite Zähler im zweiten Spiel der Saison.
Das Fazit? Im Grunde kann es ja so weitergehen, denn wer stets unentschieden spielt, kann am Ende nicht absteigen. Das Fuldaer Team hat erneut gezeigt, dass es konkurrenzfähig ist in der Regionalliga – auch dann, wenn der Gegner in seiner besten Aufstellung antritt. Unberechenbar bleibt der Saisonverlauf indessen weiterhin, da kaum eine Mannschaft mit der gleichen Besetzung und Formation ihre Saison durchspielt.
Nun stehen für das heimische Quartett erst einmal drei Auswärtsspiele in Folge an: Langenselbold, Dortmund II und Refrath heißen die Aufgaben. In der Hubtex Arena kann man die osthessischen Aushängeschilder erst wieder am 15. November anfeuern: Der Gießener SV ist dann zu Gast; Beginn: 14 Uhr. +++ rl

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