Der Aufsichtsrat gibt den Sanierungskurs frei. Doch hinter dem einstimmigen Beschluss lauert der eigentliche Konflikt: Werke könnten schließen, Arbeitsplätze verschwinden. Die Politik macht bereits Druck.
Volkswagen will den Konzern radikal umbauen. Der Aufsichtsrat hat dafür am Donnerstag grünes Licht gegeben. Einstimmig stimmte das Gremium dem vom Vorstand vorgelegten sogenannten „Zukunftsplan“ zu. Das teilte VW in einer Ad-hoc-Mitteilung mit.
Was genau beschlossen wurde, blieb zunächst offen. Klar ist allerdings, worum es geht: Volkswagen muss sparen – und zwar erheblich. Seit Monaten wird über Stellenabbau und die Zukunft deutscher Werke diskutiert.
Für die Beschäftigten könnte es hart werden.
Nach bisherigen Medienberichten steht die Produktion an mehreren Standorten vor dem Aus. In Emden und Zwickau könnte sie bis 2031 enden, in Hannover bis 2032. Für das Audi-Werk in Neckarsulm wird ein Produktionsende bis 2034 genannt.
Noch ist keine dieser Schließungen endgültig beschlossen. Doch der Streit darüber hat längst begonnen.
Bas stellt Bedingungen
Bundesarbeitsministerin und SPD-Chefin Bärbel Bas erhöht den Druck auf Volkswagen. Wenn der Staat der Autoindustrie bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen helfe, müsse der Konzern im Gegenzug seine deutschen Standorte und Arbeitsplätze sichern.
„Das ist keine Einbahnstraße“, sagte Bas den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Politische Unterstützung müsse mit „Standortsicherheit“ einhergehen.
Damit ist der Konflikt umrissen: Volkswagen muss seine Kosten senken. Die Politik will verhindern, dass die Rechnung dafür vor allem an den deutschen Standorten und bei den Beschäftigten landet.
Auch innerhalb des Aufsichtsrats sind die Sparpläne umstritten. Vertreter des Landes Niedersachsen und Arbeitnehmervertreter hatten sich kritisch zu möglichen Werksschließungen und Arbeitsplatzabbau geäußert.
Experte warnt vor falschem Sparprogramm
Der Automobilexperte Stefan Bratzel hält einen reinen Sparkurs ohnehin für zu kurz gegriffen. „Einsparungen allein werden Volkswagen nicht retten“, sagte der Leiter des Center of Automotive Management der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
An drastischen Kostensenkungen führe zwar kein Weg vorbei. Die Überkapazitäten in den deutschen Werken seien ein Problem. Bratzel hält neben Stellenabbau auch längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich für denkbar, um die Produktionskosten zu drücken.
Vier Werksschließungen aber seien aus seiner Sicht übertrieben. „Zwei Standorte sollten reichen.“
Das größere Problem liegt für Bratzel ohnehin woanders. Volkswagen müsse neue Wachstumsfelder erschließen – etwa autonomes Fahren und Robotik. Der Konzern habe dafür gute Voraussetzungen: „Volkswagen hat hervorragende Techniker und Ingenieure, da ist viel Potenzial.“
Was fehle, sei der Mut, dieses Potenzial auch zu nutzen. VW müsse stärker ins Risiko gehen. Nicht jedes Projekt werde funktionieren. Ohne einen „riesigen Mindset-Change“ werde der Konzern kaum wieder wettbewerbsfähig.
Der Aufsichtsratsbeschluss ist deshalb vor allem eines: ein Anfang. Die entscheidende Frage ist, wie teuer die Zukunftspläne für Volkswagen werden – und wer dafür bezahlen muss. +++

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