Vogelsberger Konzept bundesweit gefragt

Landkreise informieren sich zur Sozialraumorientierten Jugendhilfe

Eine Gruppe aus dem Werra-Meißner-Kreis informiert sich über die Sozialraumorientierte Jugendhilfe im Vogelsbergkreis. Foto: Sabine Galle-Schäfer

„Menschen kommen dann in Bewegung, werden aktiv, nehmen sogar Rückschläge in Kauf, wenn ihnen etwas wirklich wichtig ist, wenn etwas tatsächlich Bedeutung hat – kurz: wenn sie wirklich etwas wollen. Der Wille ist Ausgangspunkt jeglicher Sozialarbeit nach dem Fachkonzept Sozialraumorientierung nach Prof. Dr. Wolfgang Hinte.“ Mit diesen Kernaussagen führten Christian Kornmann, Jugendhilfeplaner, und Helmut Benner, stellvertretender Jugendamtsleiter, eine Delegation aus dem Werra-Meißner-Kreis in das Thema ein. 20 Fachleute aus dem dortigen Jugendamt und von freien Jugendhilfeträgern waren gekommen, um sich über die Umsetzung des Fachkonzepts im Vogelsbergkreis zu informieren. Zuvor waren bereits Vertreter der Jugendämter aus Fürstenfeldbruck und aus dem Donnersbergkreis in der Pfalz zu Gast im Vogelsbergkreis.

Jugendamt und freie Träger im Vogelsbergkreis treiben bereits seit mehreren Jahren den Umstrukturierungsprozess partnerschaftlich und auf Augenhöhe voran – dies sei nicht überall selbstverständlich, jedoch ein „wesentlicher Gelingensfaktor“, wie Benner betonte. Im Betreuungsalltag habe die aktivierende Unterstützung von Rat- und Hilfesuchenden grundsätzlich Vorrang vor betreuender Tätigkeit, und bei der Gestaltung von Aktivitäten und Hilfsmaßnahmen spielten deren personelle und sozialräumliche Ressourcen eine wesentliche Rolle, so die Jugendamtsvertreter des Vogelsbergkreises.

Nicole Klemm, Leiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes, und Sarah Weinand, Leitung Sozialraumteam Nord (Region Alsfeld) veranschaulichten, wie diese Arbeitsprinzipien im Alltag umgesetzt werden. Man dürfe als pädagogische Fachkraft nicht die Haltung vertreten: „Ich habe Ihr Problem erkannt, und ich weiß, was für Sie gut ist“. Man dürfe auch niemanden zu etwas überreden, zu etwas motivieren, was er oder sie nicht wirklich will, oder gar überzeugen, dass man etwas wollen sollte. Es gehe vielmehr darum, sich professionell zurückzunehmen und Ratsuchende dabei zu unterstützen, ihren eigenen (realisierbaren) Willen selbst herauszufinden, denn dieser sei dann zugleich Motor und Treibstoff, um Ziele auch tatsächlich erreichen zu können. In der Kommunikation mit Betroffenen seien die entscheidenden Interventionen der pädagogischen Fachkräfte allesamt auf die Kernfragen zurückzuführen: „Was wollen Sie in Bezug auf Ihre aktuelle Situation ändern? Was wollen Sie erreichen? Wann wollen Sie wie damit beginnen?“

Der Besuch im Vogelsbergkreis führte die nordhessische Delegation auch direkt in die Praxis. Silvia Lucas, Sachgebietsleitung Jugendarbeit / Jugendbildung, und die Mitarbeiterin des Familienhauses Alsfeld, Hanna Ploch, stellten ihr gemeinsames Projekt in der Spiel- und Lernstube Alsfeld vor. Hier wird soziales Lernen von Kindern aus der stationären Jugendhilfe und Kindern aus dem elterlichen Haushalt in deren gemeinsamem Sozialraum gestaltet. Eine abschließende Kurzvorstellung des Konzepts der sozialräumlichen Hilfen unter einem Dach im Alsfelder Familienhaus durch die Leiterin Andrea Arnold rundete das Besuchsprogramm ab. +++ pm