Die CDU-Fraktion in der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung ist am Freitagabend in ihre traditionelle „Sommerbegehung“ gestartet. Den Anfang machte eine Begehung durch die Fuldaer Innenstadt. Fraktionsvorsitzende Patricia Fehrmann begrüßte vor dem Haupteingang des Kundezentrums der „RhönEnergie Fulda GmbH“ in der Löherstraße 52 die zahlreich Erschienen.
„Den Anfang machen wir heute in der Kernstadt.“ Zum Treffpunkt Bezug genommen, sagte Fehrmann: „Wir haben einen wirklich tollen Energielieferanten, der es, mit seinen ‚vergleichsweise günstigen Tarifen‘, sogar bis in die BILD-Zeitung geschafft hat. Das ist vor dem Hintergrund der immensen Herausforderungen in letzten drei Jahren - Corona-Pandemie, Krieg in der Ukraine, Energieknappheit und Inflation – keineswegs selbstverständlich.“ Oberbürgermeister Wingenfeld erwähnte in seinem kurzgehaltenen Grußwort, dass 2023 das erste Jahr nach der schwierigen Zeit der Pandemie sei, in dem vieles wieder uneingeschränkt möglich sei. So konnte Fulda in den vergangenen Monaten für viele zigtausend Besucherinnen und Besucher Gastgeberin sein, die zur „Landesgartenschau“, zu den „Domplatzkonzerten“ oder zum „Musicalsommer“ einlud.
Gute Auslastung des neuen Parkhauses „Freibad Rosenau“
Das im Mai 2021 eröffnete Hotel „Holiday Inn Express“ am Fuße des neu entstandenen Gebäudekomplexes auf dem ehemaligen „Löhertor“-Areal sei gut ausgelastet und erfreue sich bei den Gästen hoher Beliebtheit; und auch das pünktlich zum Start der Landesgartenschau in Fulda sowie kurz vor Beginn der Freibadsaison fertiggestellte, neue Parkhaus „Freibad Rosenau“ würde gut angenommen werden, wie Fuldas Bürgermeister Dag Wehner am Freitag herausstellte. Wie dieser mitteilte, könne das Projektbudget in Höhe von insgesamt 4,9 Millionen Euro auch gehalten werden. Das Parkhaus, das vom Eigenbetrieb Parkstätten der Stadt Fulda bewirtschaftet wird, verfügt über insgesamt 285 Pkw-Stellplätze, davon 12 Stellplätze für E-Autos (6 E-Ladesäulen) sowie 8 Stellplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen. Wie Bürgermeister Wehner herausstellte, können ab Ende der Landesgartenschau, im Oktober, im Parkhaus auch wieder Dauerparker zugelassen werden. Diesbezüglich gab es bereits Anfragen nach Anmietungen von Pkw-Stellplätzen – u.a. vom Finanzamt oder der RhönEnergie Fulda. Das Tagesticket sei mit 3,50 Euro im Gegensatz zu anderen Städten nicht überzogen. Lob für die baulich gut ausgeführte Außenfassade gab es von CDU-Fraktionsmitglied, Michael Ruppel.
Wie Stadtbaurat Schreiner am Freitag ausführte, befinde man sich im Moment, was die verkehrliche Anbindung des Areals anbetrifft, in der Fernplanung, mit der man schon bald in die Ausschreibung gehen könne. Bis in die „Fuldaaue“ hinein wird es vom Quartier aus eine Fußgänger-freundliche Verbindung geben. Lediglich die Fahrspur werde anders angelegt, so Stadtbaurat Schreiner. Der neu entstandene Gebäudekomplex soll künftig durch ein Eiscafé aufgewertet werden. Was den Brunnen anbetrifft, so sei dieser eine „Identifikationsfigur“ mit dem, was früher hier war. Nach der Sanierung sollen sich Passanten wieder am „Wasserspiel“ wie einst früher erfreuen. Als „zentraler Bestandteil der Achse“ fungiert ein privates Bauvorhaben links vom Seiteneingang des RhönEnergie-Gebäudes „Gerbergasse“ gelegen. Der vordere Teil zur Löherstraße hin, so der Stadtbaurat, soll mit Blick auf den Denkmalschutz beibehalten werden, der hintere Gebäudeteil wird hingegen neu gebaut. „Eine Herausforderung für die Stadt wird es sein, mit der entstandenen Freifläche umgehen zu können.“ Stadtbaurat Schreiner lobte den Privateigentümer der Immobilie, der über viel Verständnis im Hinblick zum Erhalt der mittelalterlichen Bausubstanz verfüge. Wenn dieser Teil abgeschlossen ist, werde auch der Seiteneingang, insbesondere für die Mitarbeitenden des kommunalen Energieversorgers, mehr und mehr seinen Zweck erfüllen.
Temporäre Erprobung der Löherstraße als Einbahnstraße
Wolfgang Klose räumte am Freitag ein, dass, als er sich mit seinem Café in der Löherstraße 2005 niederließ, er anfangs dachte, sich außerhalb Fuldas niedergelassen zu haben. Es fehlte anfangs an Frequentierung. Das änderte sich bald, als in den Jahren 2006/2007 die ersten Aktionstage in der Löherstraße stattfanden und zunehmend immer mehr Menschen die Löherstraße als „Kulturmeile“ und als „Kleinod“ in der Fuldaer Altstadt begriffen. Heute, wenige Jahre nach der Gründung der IG, wie damals, war es das Ziel von engagierten Menschen, die sich später zur Interessengemeinschaft zusammenfanden, die „Straße als Ganzes zusammenzubringen“. Hierzu leisten die sogenannten „Parklets“, die in der Löherstraße im Kontext des Landeswettbewerbs „Ab in die Mitte!“ realisiert und platziert wurden, einen wichtigen Beitrag. Die Parklets sind öffentlicher Raum und stehen nicht in Bezug zum Café. Hier darf jeder sitzen, sich vom Einkaufsbummel erholen, verweilen oder auch seinen Kaffee trinken.
Die Voraussetzung: man hinterlässt keine Abfälle und entwendet keine Pflanzen. Am 2. September findet in der Löherstraße wieder das Kulturfest mit vielen Ständen und Aktionen statt. Wie jedes Jahr verspricht auch die Veranstaltung in 2023, wo doch keine Corona-Maßnahmen mehr beschatten, ein Erfolg zu werden. Bezugnehmend des gewünschten temporären Pilotprojektes zeigte sich Bürgermeister Wehner am Freitagabend gegenüber möglicher Verkehrskonzepte zur Prüfung offen und auch Fraktionsvorsitzende Fehrmann sagte, man bleibe „im Austausch“. Der IG wünschte sie für ihre weitere Arbeit viel Erfolg.
„Erweiterung des Bebauungsplans nur mit bestimmtem Qualitätsanspruch vereinbar“
Sehr zum Missfallen der in der Karlstraße ansässigen Kneipenwirte und Gastronomen. „Wir leben schließlich von den Gästen und es ist schön, dass Fulda über ein Kneipen- und Szenenviertel, wie dem Bermudadreieck verfügt. Das macht unsere Stadt schließlich aus und lebendig. Ich meine, was gab es hier denn schon vor über 30 Jahren? Da musste man nach Frankfurt a.M., wenn man feiern und was erleben wollte“, so Götte. „Es ist schön und ein Entgegenkommen, dass die Stadt uns bis 24 Uhr öffnen lässt. Wie lange hat es das gerade auch mit Blick auf die Pandemie nicht gegeben? Gerade in den Sommermonaten, in denen in Fulda viele Touristen unterwegs sind, ist das ein echter Mehrwert. In den meisten Städten ist um 22 Uhr Schicht im Schacht“, so Herr Dechant, der in der Karlstraße 12 den Fleischereibetrieb, „die Stadtmetzgerei“ betreibt. Auch er ist, wenn am Wochenende im Bermudadreieck wieder einmal „zu eifrig“ gefeiert wurde, am nächsten Morgen damit beschäftigt, vor seinem Metzgereibetrieb Ordnung zu machen.
Das heißt, wischen, Scherben auflesen und viele Flaschen wegräumen. Bürgermeister Dag Wehner sagte, dass in der Karlstraße auch oft die Stadtpolizei auf Streife unterwegs sei – gerade auch zum Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner. Von einem Teilnehmer der Sommerbegehung wurde an den Bürgermeister die Frage adressiert, wie es sich mit Blick auf den Metzegereibetrieb mit der Änderung des Bebauungsplans verhalte. Hier sei man aktuell dabei, eine Änderung herbeizuführen. Oberbürgermeister Wingenfeld appellierte bezugnehmend der gerne Feiernden an die Eigenverantwortung, dass es bei einem „gesitteten Feiern“ bleibt und nicht in Vandalismus ausartet. Bürgermeister Wehner und Fraktionsvorsitzende Fehrmann gaben am Freitag unisono zu verstehen, dass eine Erweiterung des Bebauungsplans nur mit einem bestimmten Qualitätsanspruch einhergehen könne. Dies müsse nachvollzogen werden.
„Charme von ‚Friedrichstraße‘ und Platz ‚Unterm Heilig Kreuz‘ rechtfertigten Zone als verkehrsberuhigt“
Auch der Beginn der Landesgartenschau in Fulda wurde von einigen in der Friedrichstraße ansässigen Handeltreibenden für das Geschäft in der Fuldaer Innenstadt kritisch gesehen. Sogar von „Parallelwelten“ wurde gesprochen und dass mit Beginn der LGS weniger Menschen in der Innenstadt anzutreffen seien. Das Geschäft sei ausgeblieben. Die Fuldaer Kommunalpolitik handelte schnell und etablierte u.a. den sogenannten „Cityshuttle“, der die Besucher der LGS kostenlos in die Innenstadt bringt. „Dass die Stadt hier so schnell reagiert hat, ist löblich. Man hat dies an den Besucherzahlen gemerkt“, so Dr. Wehner. Für eine gute Frequenz der Innenstadt sorgten nicht weniger diverse Veranstaltungen wie „Kultur findet Stadt“ (Museumshof), der Fuldaer Musical Sommer (Schlosstheater), die Fuldaer Domplatzkonzerte (Domvorplatz) oder die Aktion mit den Musicaldarstelllern nach einer Idee des Fuldaer City Marketings. Aus Sicht von Dr. Wehner verfügen die Friedrichstraße sowie der Platz „Unterm Heilig Kreuz“ schon über einen „gewissen Charme“, der die Schließung der Friedrichstraße für immer rechtfertige.
Man müsse, so Dr. Wehner, über ein gewisses Konzept nachdenken, wie die Frequenz an diesen Plätzen auch ohne das Veranstaltungsformate in der Stadt sind, gehalten werden könne. „Dies kann mit Sitzgelegenheiten arrangiert mit Schatten-spendenden Bäumen gelingen. Der Verkehr müsste dann eventuell über die Nonnengasse geführt werden. Aber solche Überlegungen müssen reifen. Das kann nur eine Anregung sein. Hier kommt es auf das Zusammenspiel der Händler, der Gastronomen mit der Kommunalpolitik an. So etwas geht nie alleine“, so Dr. Wehner abschließend. Oberbürgermeister Dr. Wingenfeld warf hier ein, dass es der innerstädtische Handel in der heutigen Zeit (Onlinehandel) im Allgemeinen sehr schwer hat und vor großen Herausforderungen stehe. Auch fungiere der innerstädtische Handel als eine vom Aussterben bedrohende Branche. Fraktionsvorsitzende Patricia Fehrmann dankte den Teilnehmern der Sommerbegehung abschließend für die Anregungen. Anschließend ließ man den noch jungen Abend in der Bar des Tagungshotels „Platzhirsch“ ausklingen. +++ jessica auth
