Die große Mehrheit der Deutschen rechnet mit erneuten Lockdowns. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov für das „Handelsblatt“. Demnach äußerten neun von zehn Befragten diese Erwartung. 53 Prozent gehen von einem lokalen beziehungsweise regionalen Lockdown aus, 36 Prozent rechnen wegen der zunehmenden Corona-Neuinfektionen mit einem Lockdown in ganz Deutschland. Sechs Prozent erwarten keinen erneuten Lockdown, fünf Prozent der Befragten äußerten keine Meinung. Für die Erhebung befragte Yougov am 22. Oktober 2020 insgesamt 562 Personen. Frage: „Die Corona-Neuinfektionen steigen in Deutschland derzeit wieder deutlich. Erwarten Sie, dass es zu einem erneuten Lockdown kommt?“
GMK-Vorsitzende will Corona-Kontakte weiter nachverfolgen lassen
Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz der Bundesländer und Berliner Gesundheitssenatorin, Dilek Kalayci (SPD), will, dass Gesundheitsämter Kontaktpersonen von Coronavirus-Infizierten trotz neuer Rekordwerte weiterhin nachverfolgen. „Strategiewechsel suggeriert, dass man die Kontaktnachverfolgung aufgibt“, sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag im ARD-Mittagsmagazin. „Im Gegenteil – die Kontaktnachverfolgung wird weiterverfolgt.“ Auf Grund der extrem hohen Infektionszahlen sei dies aber nicht in jedem Fall zeitnah möglich, ergänzte Kalayci. Das heiße, die Bürger würden stärker in die Pflicht genommen. „Das finde ich auch richtig“, sagte sie. Das heiße, jeder trage Mitverantwortung. „Zu warten bis ein Amtsarzt vor der Tür steht mit einer Anordnung, ist nicht mehr die richtige Zeit auf Grund der steigenden Zahlen.“ Die Bürger seien verpflichtet, sich in Selbstisolation und in Selbstquarantäne zu begeben, so die SPD-Politikerin. Politiker forderten immer wieder dazu auf, soziale Kontakte wegen des Coronavirus einzuschränken, so Kalayci. „Am Ende steht tatsächlich ein Lockdown vor der Tür in Berlin, aber auch ich denke bundesweit.“ Hotspots in Metropolen abzuriegeln sei nicht möglich, sagte die Berliner Gesundheitssenatorin. Risikogruppen müssten stärker geschützt werden. „Und da habe ich aus Berlin eine gute Nachricht. Wir beginnen jetzt am Wochenende mit Schnelltests in der Altenpflege.“ Berliner Amtsärzte hatten die Gesundheitssenatorin aufgefordert, die Pandemie anders zu bekämpfen. Gesundheitsämter sollten sich stärker auf Risikogruppen konzentrieren. Die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Neuinfektionen binnen eines Tages hat in Deutschland am Donnerstag erstmals die Marke von 10.000 übersprungen. Die Gesundheitsämter hatten laut Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstagmorgen 11.287 neue Fälle gemeldet – ein neuer Rekordwert.
SPD verlangt zügige Verlängerung der Corona-Hilfen
Die SPD fordert angesichts der sich verschärfenden Infektionslage eine schnelle Verlängerung der Corona-Hilfen. „Unser Ziel ist es, den Betroffenen Planungssicherheit zu geben und eine möglichst zeitige Verlängerung zu vereinbaren“, sagte SPD-Chef Norbert Walter-Borjans dem „Handelsblatt“. „Wir kämpfen dafür, dass unser soziales Netz auch in der Coronakrise tragfähig bleibt.“ Die SPD erwarte von der Bundesregierung, „und allen voran vom Bundeswirtschaftsminister, einen aussagefähigen Überblick darüber, was von den im Bundeshaushalt verfügbaren Geldern nicht abgeflossen ist“, so Walter-Borjans. So seien etwa teils Schieflagen in geringerem Maß als befürchtet eingetreten. Auch seien Mittel nicht genutzt worden, weil die Vergabeverfahren nicht passten oder zu kompliziert waren oder weil es für bestimmte Problemlagen keine passende Hilfe gab. „Auf dieser Grundlage dürfte in vielen Fällen ein Nachsteuern ohne zusätzliche Haushaltsmittel möglich sein. Ob das reicht, wird sich zeigen“, so der SPD-Chef.
Dänemark schließt Grenze für deutsche Touristen
Menschen aus Deutschland dürfen ohne triftigen Einreisegrund nicht mehr nach Dänemark einreisen. Das teilte Dänemarks Außenminister Jeppe Kofod am Donnerstagnachmittag mit. Deutsche Urlauber dürfen demnach nicht mehr ins Land kommen. Für Einwohner Schleswig-Holsteins soll es allerdings Ausnahmen geben. Grund für die Maßnahmen seien steigende Corona-Infektionszahlen in Deutschland. Dänemark hatte zuletzt im März für mehrere Wochen die Grenzen geschlossen. Die Maßnahme wurde vorgenommen, da in Deutschland im Durchschnitt über zwei Wochen hinweg mehr als 30 Neuinfektionen pro Woche pro 100.000 Einwohner registriert worden sind, hieß es. +++ nh/dts

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