Spahn wirbt um Vertrauen für Corona-Impfstoff von AstraZeneca

FDP warnt vor Impfung über 65-Jähriger mit AstraZeneca-Impfstoff

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat noch einmal um Vertrauen für den Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca geworben. „Der Impfstoff wird nur eine Zulassung bekommen, wenn er auch Wirksamkeit zeigt. Das prüft gerade die Zulassungsbehörde“, sagte Spahn der RTL/n-tv-Redaktion. Mit einer Entscheidung der europäischen Zulassungsbehörde rechnet der Minister am Freitag. Spahn reagierte auch auf die unterschiedliche Wirksamkeit der drei zur Verfügung stehenden Impfmittel. Das habe möglicherweise Folgen für ihre Anwendung. „Die mRNA-Impfstoffe, die schon zugelassen sind, haben wohl noch eine höhere Wirksamkeit und deswegen werden wir uns dann sehr genau anschauen, für welche Personengruppen die Zulassungsbehörde und die ständige Impfkommission die Impfung mit diesem Impfstoff empfiehlt.“ Es gebe „ja ein unterschiedlich starkes Immunsystem bei Älteren oder bei Jüngeren, wo es auch Sinn machen kann, mit unterschiedlichen Wirkstoffen entsprechend zu impfen“. Man werde fachlich herleiten, welche Gruppe jetzt auch welchen Impfstoff angeboten bekommt.

FDP warnt vor Impfung über 65-Jähriger mit AstraZeneca-Impfstoff

Der Infektiologe und Obmann der FDP-Bundesfraktion im Gesundheitsausschuss, Andrew Ullmann, warnt ausdrücklich vor einer Verimpfung des Astrazeneca-Impfstoffs an Personen über 65 Jahren. „Mit der vorliegenden Datenlage von Astrazeneca ist es nicht verantwortbar, den Impfstoff an über 65-Jährige zu verabreichen“, sagte Ullmann der „Welt“ (Mittwochausgabe). „Bisher haben zu wenig ältere Menschen an den Studien teilgenommen, um valide Aussagen über die Effektivität des Impfstoffes in dieser Altersgruppe treffen zu können.“ Er gehe daher davon aus, dass die EMA den Impfstoff am Freitag nur für Personen unter 65 Jahren zulassen werde. Wenn es dazu komme, müsste die Bundesregierung ihre Impfstrategie anschließend ändern, so Ullmann. Die ältere Generation würde dann mit den mRNA-Impfstoffen versorgt werden und das medizinische Personal mit dem Mittel von Astrazeneca. Zudem wirft Ullmann die Frage auf, warum der Impfstoff in Großbritannien bereits zugelassen sei und dort an alle Altersgruppen verimpft werde. „Entweder hat Großbritannien Zugang zu weitergehenden Studien oder ignoriert die unzureichende Datenlage. Beides wäre skandalös.“

Lauterbach ruft zur Überarbeitung der Impfverordnung auf

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ruft Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dazu auf, die aktuell geltende Impfverordnung zu überarbeiten. Die aktuelle Priorisierung von Impfanwärtern vernachlässige pflegebedürftige Hochrisikogruppen, sagte Lauterbach im ARD-Mittagsmagazin. „Damit muss sich die StiKo beschäftigen, auch das Haus Spahn, das Gesundheitsministerium, da tatsächlich diese nicht so große Gruppe von Menschen ein enormes Risiko trägt und auch durch die vielen Kontakte gefährdet ist“, so Lauterbach. Und da müsse eine Regelung geschaffen werden für Pflegebedürftige mit besonderen Erkrankungen – „unabhängig vom Alter“. Der Sozialdemokrat mahnte eine „unbürokratische, pragmatische, schnelle Lösung“ an, um auch junge Menschen mit Vorerkrankungen, die derzeit nicht unter die in der Impfverordnung genannten Risikoerkrankungen wie beispielsweise Muskelschwund fallen, zu priorisieren. +++

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Letzte Aktualisierung: 28.09.2022, 05:22 Uhr
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