Selten, vielleicht nich noch nie, war eine Aufgabe für die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz seit ihrer Zugehörigkeit zur Regionalliga Südwest so wichtig wie diese. Es gibt solche Situationen. Fußballer kennen sie. In ihrem Jargon heißt es, nicht ein Punkt, auch nicht zwei, die man eh nur verlieren kann – nein, drei Punkte müssen her. Genau so ist die Situation der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz vor ihrem Heimspiel gegen die U23 des Bundesligisten Mainz 05. Anstoß in der Johannisau: wie immer samstags um 14 Uhr. Das Schlusslicht fordert den 14. und Fünftletzten der Tabelle.
Das Bild der Rangliste liest sich so – gehen wir vom Team aus Fulda aus. Das hat sechs Punkte auf seinem Konto, der Vorletzte Ulm verfügt über neun, der Drittletzte Kaiserslautern und der Viertletzte Walldorf haben zehn Zähler gesammelt, Mainz‘ II elf; auch die Frankfurter Teams Eintracht II und der FSV müssen sich mit 13 Punkten vorsehen – und der KSV Hessen, nächster Auswärtsgegner der SGB, hätte sich zu diesem Zeitpunkt auch mehr als 14 Zähler gewünscht.
Im Rahmen der Spieltags-Pressekonferenz warf Miro Jagatic zunächst Wesentliches in den Ring. Man habe das letzte Spiel in Heilbronn aufgearbeitet, „jetzt liegt der Fokus auf Mainz. Die Jungs haben gut gearbeitet. Wir sind bereit für Samstag“. Wie denn die Stimmung sei angesichts des nicht zufrieden stellenden Tabellenplatzes, sollte Fuldas Trainer beantworten. Er habe „jetzt genau drei Wochen Zeit“ gehabt, die Stimmung zu beurteilen. „Am Anfang habe das schon an den Nerven gezerrt“, schob er nach. Dann habe es einen Hoffnungsschimmer gegeben, die erste Halbzeit gegen Aalen sei „ein Ausfall“ gewesen – die Tendenz aber zeige nach oben. Ehe Jagatic erklärte: „Mein Motto ist, Trübsal blasen oder den Kopf in den Sand zu stecken, das bringt eh nichts.“ Und der Coach ist von seinem Team überzeugt. Die Jungs seien motiviert und versuchten, inhaltlich zu arbeiten. Auch wenn man „vielleicht noch einige Spieler abholen“ müsse, in Phasen, in denen sie etwas durchhängen, „wir fangen das in der Gruppe auf. Die Jungs wollen sich belohnen am Samstag. Jeder weiß, worum es geht“.
Gegner Mainz – vom Ex-Dortmunder Benjamin Hoffmann trainiert -, schätzt er nicht nur, er sagt vielmehr: „Sie spielen mit Fünfer- beziehungsweise Dreier-Kette. Im Gegensatz zu anderen U-Mannschaften von Bundesligisten brechen sie ein bisschen aus.“ Der SGB-Trainer betont „die Kompaktheit in den Linien. Und das Anlaufen. Das diagonale Spiel aus dem Druck heraus. Eine ganz klare Philosophie oder Spielidee, die der Verein vorgibt“.
Zurück zur SGB. Jagatic legt großen Wert darauf, dass man „in jedes Spiel mit der gleichen Energie gehen“ müsse. Egal, ob gegen einen Tabellenführer oder gegen eine Mannschaft, die – wie eben Mainz – weiter unten in der Rangliste stehe. Und er betont auch dies: „Das ist kein Sechs-Punkte-Spiel. Das ist Quatsch. Im Fußball geht es um drei Punkte.“
Tobi Göbel fällt noch die gesamte Hinrunde aus, Ali Gün sollte in der nächsten Woche wieder ins Training einsteigen. Im Übrigen wertschätzt Jagatic alle Spieler seines Kaders. Spieler, die hinten dran sind, zeigten ihm und könnten dies auch im Spiel tun, dass sie gleichwertig sind. Abschließend sagt er entschlossen: „Wir wollen gut dagegenhalten. Wir haben einen ganz klaren Plan, wie wir dagegen vorgehen wollen.“ Bitte aber die defensiven Halbräume schließen, in denen die beiden ersten Gegentore in Heilbronn entstanden und fielen. Dann könnte die Sehnsucht gestillt werden mit dem Wunsch des ersten Heimsieges. Und mit der Hoffnung auf drei Punkte. +++ rl

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