Osthessen steht angesichts der anhaltenden Hitze vor einer angespannten Situation bei der Wasserversorgung. Temperaturen deutlich über 30 Grad treffen auf ausbleibende Niederschläge, während gleichzeitig der Wasserverbrauch erheblich gestiegen ist. Die verfügbaren Wasserressourcen werden knapper, die Förderanlagen laufen bereits rund um die Uhr. Die Stadt Fulda, die Gemeinden Petersberg, Eichenzell und Ebersburg sowie die RhönEnergie richten deshalb einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung und an Gewerbebetriebe, den Verbrauch umgehend und spürbar zu reduzieren.
„Bitte sparen Sie Wasser – und verzichten Sie konsequent auf jeden vermeidbaren Wasserverbrauch“, lautet der gemeinsame Aufruf. Aktuell fördern die RhönEnergie Gruppe und die Gemeindewerke Petersberg gemeinsam rund 20,5 Millionen Liter Wasser am Tag. Das entspricht einem Verbrauch, der 40 Prozent über dem Durchschnitt liegt. Zusätzliche Spannung erwarten die Verantwortlichen durch das Ende der Sommerferien an diesem Wochenende. Wenn viele Familien aus dem Urlaub zurückkehren und gleichzeitig Betriebe ihre Produktion wieder hochfahren, könnte der Wasserverbrauch nochmals deutlich zunehmen.
Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, Fuldas Bürgermeister Dag Wehner sowie die RhönEnergie-Geschäftsführer Martin Heun und Dr. Arnt Meyer appellieren gemeinsam mit Bürgermeisterin Claudia Brandes aus Petersberg sowie den Bürgermeistern Johannes Rothmund aus Eichenzell und Benjamin Reinhart aus Ebersburg an die Verbraucher. „Bitte verzichten Sie auf jeden unnötigen Wasserverbrauch. Jeder Einzelne kann mit einfachen Maßnahmen einen wichtigen Beitrag leisten“, erklären sie. Die Bürgermeister und die Verantwortlichen der RhönEnergie betonen zugleich die Dringlichkeit: „Wassersparen ist jetzt dringend erforderlich. Nur wenn alle mithelfen, können wir die Versorgung auch in den kommenden Wochen zuverlässig sicherstellen.“
Die Ursachen für die angespannte Lage liegen nicht allein im derzeit hohen Verbrauch. Die lang anhaltende Trockenheit und die außergewöhnlich geringen Niederschläge haben die natürlichen Wasserressourcen deutlich geschwächt. Die Quellen führen erheblich weniger Wasser als üblich. Auffällig ist dabei, dass der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr bereits wesentlich früher eingesetzt hat. Gleichzeitig sinken die Wasserstände in den Tiefbrunnen kontinuierlich. Um den derzeitigen Bedarf dennoch zu decken, laufen die Förderanlagen inzwischen rund um die Uhr.
Noch ist das Ziel der Verantwortlichen, die Trinkwasserversorgung auch während der anhaltenden Hitze ohne Einschränkungen aufrechtzuerhalten. Dafür müsse sich die Situation beim Verbrauch allerdings möglichst schnell entspannen. „Unser Ziel ist es, die Trinkwasserversorgung auch während der anhaltenden Hitze ohne Einschränkungen aufrechtzuerhalten. Dafür muss der Wasserverbrauch jetzt jedoch spürbar sinken“, erklären die Verantwortlichen der Kommunen und der RhönEnergie. Je konsequenter Wasser eingespart werde, desto besser könnten die Versorgungsspitzen abgefangen werden.
Die Kommunen haben ihrerseits bereits Maßnahmen ergriffen, um den Verbrauch zu reduzieren. Sportplätze werden derzeit gar nicht oder nur noch in Ausnahmefällen bewässert. Die Stadt Fulda greift für die Bewässerung von Bäumen auf nicht mehr benötigtes Wasser aus dem Wasserwerk in der Frankfurter Straße zurück. Mehrere Springbrunnen in Fulda und Petersberg wurden bereits außer Betrieb genommen. Auch die Bauhöfe haben ihre Vorgehensweise angepasst. In Fulda und Petersberg wird zur Bewässerung von Pflanzen ausschließlich Wasser aus einer Zisterne verwendet. Die Feuerwehr verzichtet bei Löschübungen nach Möglichkeit ebenfalls auf Trinkwasser.
Die Kommunen und die RhönEnergie richten ihren Appell zugleich an die privaten Haushalte und Gewerbebetriebe. Gerade bei Hitze können scheinbar alltägliche Tätigkeiten den Wasserverbrauch erheblich nach oben treiben. Das Befüllen eines Pools, die Bewässerung des Gartens oder das Waschen eines Autos gehören zu den Verwendungen, auf die nach Auffassung der Verantwortlichen derzeit vollständig verzichtet werden sollte.
Auch im Haushalt lässt sich Wasser sparen. Statt eines Vollbades empfiehlt sich eine kurze Dusche. Für die Befüllung einer Badewanne werden nach Angaben der Kommunen 150 bis 170 Liter Wasser benötigt, während eine fünfminütige Dusche mit rund 70 Litern auskommt. Zugleich sollte möglichst nicht lange und nicht mehrmals am Tag geduscht werden. Waschmaschine und Geschirrspüler sollten erst eingeschaltet werden, wenn sie vollständig beladen sind.
Besonders deutlich wird der Wasserverbrauch beim Befüllen von Pools. Auf das Autowaschen und das Befüllen von Pools sollte derzeit komplett verzichtet werden. Ein durchschnittlicher Aufstellpool mit einem Durchmesser von 3,66 Metern fasst rund 6500 Liter Wasser. Das entspricht dem 54-Fachen des Tagesbedarfs einer Person.
Auch im Garten kommt es auf den Zeitpunkt und die Art der Bewässerung an. Pflanzen sollten möglichst morgens vor Sonnenaufgang oder abends nach Sonnenuntergang gegossen werden. Dadurch lässt sich eine starke Verdunstung durch die Sonneneinstrahlung vermeiden. Sprinkleranlagen sollten nicht eingesetzt werden. Stattdessen empfehlen die Kommunen Gartenschläuche, die möglichst nahe an den Pflanzen liegen, beispielsweise bei einer Tröpfchenbewässerung.
Beim Rasen kann auf das Gießen vollständig verzichtet werden. Auch ein weniger häufiger und nicht zu kurzer Schnitt hilft dabei, die Feuchtigkeit im Boden länger zu halten und damit den Bewässerungsbedarf zu verringern. Gerade in der derzeitigen Wetterlage müsse nicht jeder grüne Rasen erhalten werden, während gleichzeitig die Trinkwasserversorgung unter zunehmendem Druck steht.
Die Situation ist damit auch eine Frage des Zeitpunkts. Noch kann die Versorgung nach Angaben der Verantwortlichen aufrechterhalten werden, doch die Kombination aus außergewöhnlicher Trockenheit, sinkenden Wasserständen und einem um 40 Prozent erhöhten Verbrauch lässt wenig Spielraum. Mit dem Ende der Sommerferien könnte sich die Belastung weiter verschärfen. Wenn die Nachfrage nun wieder steigt, wird es darauf ankommen, wie viel Wasser an anderer Stelle eingespart werden kann.
Die Verantwortlichen von Stadt und Gemeinden sowie der RhönEnergie setzen deshalb darauf, dass sich der Appell schnell in konkretem Verhalten niederschlägt. Jeder nicht benötigte Liter Wasser entlastet die Versorgung. Je stärker der Verbrauch während der Hitze reduziert werden kann, desto größer bleibt der Spielraum, um die Versorgungsspitzen abzufangen und die Trinkwasserversorgung in Osthessen auch in den kommenden Wochen zuverlässig sicherzustellen. +++
Das könnte Sie auch interessieren
SPD-Kreistagsfraktion sieht in Tante Enso Modell für die Nahversorgung im ländlichen Raum
Kommunen wollen nationalen Kraftakt für Wasserversorgung
Hessen stellt Verfassungsschutz neu auf: Eigene Spionage-Abteilung soll hybride Angriffe abwehren
Fuldaer Caritas gratuliert Sr. Dr. Katharina Ganz zur Wahl an die Spitze des Deutschen Caritasverban...

Hinterlasse jetzt einen Kommentar