Bonn. Der Bundesrechnungshof hat den Arbeitsagenturen einen systematisch falschen Umgang und Geldverschwendung bei Maßnahmen für die Qualifizierung von Arbeitslosen vorgeworfen. Das berichtet der „Tagesspiegel“ unter Berufung auf eine Mitteilung der Rechnungsprüfer an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Hochgerechnet auf alle Jobcenter dürfte demnach ein jährlicher Schaden von rund 190 Millionen Euro entstehen.
Jobcenter organisieren und bezahlen bei privaten Bildungsträgern Kurse, in denen in der Regel Langzeitarbeitslose für den Arbeitsmarkt qualifiziert werden sollen. Der Rechnungshof hatte stichprobenartig die Vergabe und den Einkauf von 617 Plätzen in 35 Kursen untersucht und kam zu dem Urteil: In 182 Fällen war der Kurs „nicht Bestandteil einer auf den Einzelfall bezogenen Eingliederungsstrategie“. In 212 Fällen hatten die Mitarbeiter die Arbeitslosen vor Beginn „nicht hinreichend über den mit der Zuweisung verfolgten Zweck“ informiert. 30 Prozent der Teilnehmer hatten „bereits eine oder mehrere vergleichbare Maßnahmen absolviert“.
Die Prüfer kamen zu dem Schluss, dass Jobcenter „planlos“ Kurse verteilen: „Durch ihr nicht zielgerichtetes Vorgehen und die mangelnde Rücksichtnahme auf die Belange der Leistungsberechtigten haben die Jobcenter in einem erheblichen Teil der geprüften Fälle deren unverzügliche Eingliederung nicht gefördert, sondern sogar gefährdet“, heißt es in dem Bericht. +++

Zitat:
„haben die Jobcenter in einem erheblichen Teil der geprüften Fälle deren unverzügliche Eingliederung nicht gefördert, sondern sogar gefährdet“
Da irren die Prüfer! Denn diese „Maßnahmen“ haben – sinnfrei – nur einen Zweck: die Beschönung der Statistik! Wer nämlich in einem solchen Kurs steckt ist aktuell für den Arbeitsmarkt nicht verfügbar, also nicht arbeitslos.
Und das ist der eigentliche Grund für die mangelhafte Prüfung vieler zweifelhafter Kurse und Schulungen (Häkeln, Selbstfindung, u.a. Quatsch): Verbesserung des Benchmarking, also der internen Leistungsbewertung der jeweiligen Arge. Und da spielt es eben keine Rolle, was in den Kursen angeboten wird sondern nur, DASS die Leute in den Kursen sitzen. Und was sie dort machen ist daher auch völlig egal.
Wiederspiegeln tut sich das Ganze dann allerdings auch in der Vermittlungsstatistik: 3-5 Prozent der Langzeitarbeitslosen werden überhaupt vermittelt oder finden selber einen Job. Der Rest absolviert erst solche Schwachsinnskurse (war übrigens schon vor 20 Jahren so), absolviert dann 1 EUR Jobs und endet zuletzt irgendwann nach 10-15 Jahren in der Frühverrentung.
Am Schwersten übrigens haben es im Hartz IV System die ehemaligen Selbständigen, also Leute, die schon mal selbst eine Firma hatten. Von denen verzweifeln manche schon recht früh an diesem Irrsinn.
Schade dass erst der Bundesrechnungshof die Misere in den „Jobcentern“ aufgreifen muss, während die verantwortlichen Politiker und das zuständige SPD-geführte Ministerium so tun, als ob alles in Ordnung wäre. Man könnte den Eindruck bekommen, dass halt immer wieder mal eine „Maßnahme“ erfolgt, damit die Leute aus der Arbeitslosenstatistik herausgerechnet werden können. Schröder und Fischer haben seinerzeit bei der Agenda 2010 verkündet, es ginge bei den Arbeitslosen um „fördern und fordern“. Offenbar ist nur noch das Fordern übrig geblieben und das auch nur noch mit immer häufiger werdenden Sanktionen. Wann wehren sich die Betroffenen endlich mal?