Fulda. Der Lenkungsausschuss für das interkommunale Gewerbegebiet hat der Verlagerungsansiedlung der Firma Sommerlad zugestimmt. Grundlage für die Zustimmung ist das Gutachten des Stadtforschungsinstituts Junker und Kruse. Demach müssen die zentrenrelevanten Sortimente Glas, Porzellan, Keramik, Haushaltswaren, Heimtextilien, Wohndekorationsartikel, Spielwaren sowie Baby- und Kinderartikel müssen auf 2.050 qm Verkaufsfläche begrenzt bleiben. Eine Verkaufsfläche für Bekleidung wird ausgeschlossen. Die Verkaufsfläche im Bereich Möbel wird auf der Basis des Gutachtens auf 16.800 qm Verkaufsfläche begrenzt. Die Gesamtverkaufsfläche darf eine Fläche von 21.900 qm nicht übersteigen. SPD und die Grünen befürworten Neubau, die Linken werden dem Vorhaben zustimmen, die CWE nicht.
Die Wählergemeinschaft befürchtet das Aussterben der Fuldaer Innenstadt, die bereits jetzt unter starkem Leerstand leidet. Die CWE Fulda sieht durch eine Zustimmung zum Neubau des Möbelhauses an der A7 einen Angriff auf den Einzelhandel in der Stadt Fulda. Gerhard Becker, CWE Fraktionsvorsitzender: „ Wir haben in der Innenstadt einen enormen Leerstand zu verwalten und keiner kann sagen was in der Zukunft mit dem Karstadt Gebäude oder dem Herkulescenter, wo ja auch für Gewerbe gebaut werden soll, passiert und auf die Entwicklung der Fuldaer Innenstadt Einfluss nimmt. Unsere Aufgabe als Stadtverordnete besteht darin Schaden von unserer Stadt Fulda fernzuhalten und nicht ein neues Einkaufsparadies in Petersberg oder Künzell zu unterstützen. Wir wollen den Fuldaer Einzelhandel stärken. Sehen Sie sich mal die Leipziger Str. an, hier gab es vor einigen Jahren noch Fotofachgeschäft – Metzgereien, Blumengeschäft und Bäckereien…die Str. ist faktisch tot, nichts gibt es mehr in der ehemaligen doch so starken Einkaufsstraße und die Fuldaer Altstadt stirbt aus“ so Becker, der Sommerlad auch vorwirft, durch falsche Wirtschaftspolitik, sich verspekuliert zu haben. Die CWE Fulda lässt sich nicht durch falsche Spekulationen von Unternehmen zu faulen Kompromissen überreden. Unterstützt wird Becker von seinem Vize und Vorsitzende des CWE Stadtverbandes Martin Jahn: „Wenn wir einem Neubau von Sommerlad zustimmen würden, kann uns keiner verbindlich sagen, was in 5-7 Jahren auf dem Baugebiet passiert. Wir haben dann einen neuen OB und ev. Einen neuen Landrat und andere Mehrheitsverähltnisse, was zählen dann die heute getroffenen Vereinbarungen noch“? Was ist wenn Sommerlad auf einmal mehr Verkaufsfläche benötigt? Wie weit wird das Baugebiet an der A7 noch wachsen? Sicherlich nicht zur Stärkung der Fuldaer Innenstadt. Wenn die Rhöner aus Dipperz kommend und die Kunden von der A7 alles am Petersberg einkaufen können, wird keiner mehr nach Fulda fahren. Dann geht das Flair einer Einkaufsstadt verloren, dann können wir die Stadt abschaffen“, so Jahn.
Die LINKEN.Offene Liste in Petersberg wird dem Neubau des Möbelhauses Sommerlad an der Ausfahrt Fulda Mitte der A7 zustimmen. Im Vordergrund stehen nun die 125 Beschäftigten bei Sommerlad wieder Perspektiven haben, heißt es in einer Mitteilung. Man hoffe nun, dass die Parlamente und auch die Regionalversammlung zügig dem Projekt zustimmen und so die Arbeitsplätze für die Beschäftigten gesichert sind. Als unerträglich fanden die Linken, dass der in der Öffentlichkeit ausgetragene Streit zwischen den CDU Funktionären in Petersberg und Fulda die Arbeitsplätze von mehr als 120 Beschäftigten in Gefahr gebracht habe. Die von der CDU geführte Stadt und Gemeinden haben es nicht verstanden eine vernünftige Strategie für die Entwicklung in Stadt und Landkreis zu erarbeiten. Stattdessen haben sie sich zum Interessenvertreter für die unterschiedlichen Unternehmen machen lassen. Kritisch sieht die Linken die weitere Bebauung auf der „grünen Wiese“, man fordere ein Konzept, das die ungezügelte Ausdehnung von Gewerbe- und Handelsflächen in die Landschaft einschränkt.“
Auch die Fraktionsvorsitzenden der SPD-Fraktionen in den Vertretungen der Stadtregion haben sich in einer gemeinsamen Erklärung für die Genehmigung des Sommerlad-Neubaus an der Autobahnabfahrt Fulda-Mitte ausgesprochen. „Die Gutachter Junker und Kruse haben klargestellt, dass keine negativen Auswirkungen auf die Fuldaer Innenstadt zu erwarten sind“, argumentiert die Fraktionschefin der Petersberger SPD Susanne Dörr. Die Region stehe bei Sommerlad vor der Alternative Neubau oder Abwanderung. Es gehe nicht zuletzt auch um Arbeitsplätze. „Unabhängig davon, wer für diese Situation verantwortlich ist, brauchen wir zwei große Möbelhäuser in der Region“, findet der Eichenzeller SPD-Fraktionsvorsitzende Günter Strelitz. Der Kauf von Möbeln sei für die meisten Menschen eine erhebliche Investition, sodass sie sich in der Regel ein Vergleichsangebot einholten. „Wenn es aber keinen zweiten Möbelhändler mit Vollsortiment in der Region gibt, werden die Menschen nach Kassel, Gründau oder Würzburg fahren. Im Ergebnis würde die Region an Kaufkraft verlieren.“, pflichtet der Künzeller Genosse Dieter Lachnit bei. Der Neubau müsse sich jedoch an die Beschränkungen halten, die die Gutachter empfohlen haben, um ein Überangebot an Verkaufsflächen im Sortimentsbereich Möbel auszuschließen. Ferner müsse sichergestellt werden, dass zwischen Autobahnabfahrt Fulda-Mitte und Lahneshof kein weiterer Einzelhandel entsteht. „Wir fordern schon länger ein Einzelhandelskonzept für die Stadtregion und sehen durchaus, dass etwas für die Attraktivität der Fuldaer Innenstadt getan werden muss. Die Abwanderung Sommerlads würde dabei aber nicht helfen. Ein wichtiger Ansatz für die Innenstadt muss hingegen lauten: weniger Autoverkehr, mehr Kultur!“, so der Fuldaer Sozialdemokrat Jonathan Wulff.
Die Grünen-Fraktionen in der Stadtregion Fulda haben das Für und Wider der Sommerlad-Neubauplanung kontrovers diskutiert und die Auswirkungen auf die teils widersprüchlichen Interessen der möglichen Alternativen bewertet. Die Interessen der Stadt Fulda und ihr oberzentraler Versorgungsauftrag – manifest in den Befürchtungen des innerstädtischen Einzelhandels, die Sorgen des Handels besonders der kleinen und größeren Möbelhäuser in der Region auf der einen Seite. Immer gepaart um Sorgen um den Verlust von Arbeitsplätzen, damit einhergehend die Zerstörung der Lebensplanung von Familien. Auf der anderen Seite steht der Fortbestand der hiesigen Filiale von Sommerlad mitsamt ihrer Arbeitsplätze auf der Kippe.
„Je mehr wir uns mit der Materie beschäftigen, umso deutlicher wird, dass alle Interessen berechtigt sind und dass die möglichen Szenarien nicht isoliert betrachtet werden können. Wird der Neubau von Sommerlad unterbunden, heißt das nicht unbedingt, dass der Handel in und um Fulda davon profitiert oder unbeeinträchtigt bleibt. Die Gefahr ist groß, dass Kaufkraft abfließt. Die Bürger schätzen eine gewisse Auswahl an Möbeln. Wenn nur noch ein Möbelvollsortimenter in der Region vorhanden ist, wächst die Gefahr des Kaufkraftabflusses. In nur bis zu 40 weiteren Fahrtminuten entfernt gibt es weitere auch sehr große Möbelhäuser. Der Lückenschluss der A 66 durch die Eröffnung des Neuhofer Tunnels hat die Rhein-Main-Region näher gerückt. Schädliche Auswirkungen auf Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze nicht nur von Sommerlad sind auch bei diesem Modell sehr wahrscheinlich“, erläutert Ernst Sporer das Dilemma, „dass in dieser verfahrenen Situation Konflikte programmiert sind und eine in jeder Hinsicht richtige Entscheidung gar nicht mehr möglich ist.“
Der Künzeller Grünen-Fraktionschef Bernd Eckart ergänzt: „Auf dem bisherigen Sommerlad-Areal in Petersberg werden auch künftig Möbel verkauft, nach den geltenden Festsetzungen ist auch gar nichts anderes möglich. Die Filet-Fläche geht an einen Möbel-Discounter, dass in die wenig interessante Restfläche (11.500 qm) ein attraktiver Möbelladen einzieht, ist eher unwahrscheinlich – zumindest solange die Immobilie nicht grundlegend saniert wird. Damit ist auch klar, dass die hier entstehenden Jobs weder qualitativ noch quantitativ die Sommerlad-Arbeitsplätze ausgleichen können.“ Eckart betont, „bereits im November letzten Jahres haben wir unserer Forderung nach einem unabhängigen Gutachten Nachdruck verliehen. Die vorliegende Junker + Kruse-Studie ist dieser Forderung auch gerecht geworden.“ +++ fuldainfo
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