Wo Main und Kinzig zusammenfließen, ist am Sonntag in Hanau die neue katholische Pfarrei St. Klara und Franziskus am Main gegründet worden. Bischof Dr. Michael Gerber kam auf einem Schiff zu den Mainwiesen am Schloss Philippsruhe und feierte dort mit zahlreichen Gläubigen aus den bisherigen Pfarreien und Kirchorten den Gründungsgottesdienst. Der Zusammenfluss der beiden Flüsse wurde dabei zum Leitbild für den neuen kirchlichen Verbund: Aus unterschiedlichen Strömungen könne etwas Neues entstehen, ohne dass die jeweiligen Prägungen aufgegeben werden müssten.
„Der große Strom wird von vielen Flüssen genährt. Für mich ist dies ein ausdruckstarkes Bild für das, was wir mit dem Gründungsgottesdienst feiern“, sagte Gerber in seiner Festpredigt. Auch die neue Pfarrei werde von unterschiedlichen Kirchorten, Traditionen und in Hanau insbesondere von muttersprachlichen Gemeinden getragen. Dass dieses Zusammenwachsen nicht immer einfach sei, gehöre zum Prozess. „Im Zusammenfließen entsteht etwas Neues“, betonte der Bischof. Entscheidend sei, die unterschiedlichen Prägungen miteinander zu verbinden und daraus ein gemeinsames Miteinander entstehen zu lassen.
Gerber sieht darin zugleich eine besondere Aufgabe für die neue Pfarrei, die sich zwischen Bergen-Enkheim und Großkrotzenburg erstreckt. „Nirgendwo in unserem Bistum haben wir einen so hohen Anteil an muttersprachlichen Katholikinnen und Katholiken. Wie fließt das zusammen und wie findet das zugleich die richtige Balance zwischen der Wahrung eigener Traditionen und dem großen Miteinander?“, fragte der Bischof.
Die neue Pfarrei könne damit beispielhaft zeigen, was es bedeutet, Kirche ihrem Auftrag entsprechend als „Volk aus allen Völkern“ zu leben. Unterschiedliche kulturelle und sprachliche Traditionen sollten ihren Platz behalten und zugleich Teil einer gemeinsamen Gemeinschaft werden. Was innerhalb der Pfarrei gelinge, könne nach Gerbers Worten auch über die Kirche hinaus in die Gesellschaft ausstrahlen.
Mit der Gründung verband der Bischof zugleich die Aufforderung, die Entwicklungen im unmittelbaren Umfeld aufmerksam wahrzunehmen. „Welche Strömungen beobachten wir konkret in der Gesellschaft hier am Main?“, fragte Gerber. Besonders müsse die Kirche jene Menschen im Blick behalten, die Gefahr liefen, „vom Strom erfasst und weggerissen“ zu werden. Er nannte unter anderem Kranke, Arme und Angehörige von Minderheiten. Kirche müsse deshalb nicht nur „am Fluss“, sondern auch „als Fluss“ verstanden werden: als eine Gemeinschaft, die sich bewegt, Menschen wahrnimmt und auf sie zugeht.
Auch das Bild des Bootes spielte in der Predigt eine zentrale Rolle. Die neue Pfarrei befinde sich „im Fluss“, sagte Gerber. Der gemeinsame Weg sei nicht immer leicht zu steuern, und der „Kahn“ könne ins Schwanken geraten. Entscheidend sei jedoch die christliche Zusage: „Er, Jesus, sitzt mit uns im Boot.“ Wie das Lebensboot der Jünger zum Hoffnungszeichen geworden sei, könne auch das Kirchenboot der neuen Pfarrei zu einem solchen Zeichen werden – gerade für Menschen, die selbst nicht zur Kirche gehören. „Mag der Sturm auch noch so heftig sein, er, Jesus, sitzt im Boot“, sagte der Bischof.
Das Bild des Bootes war auch ganz praktisch Teil des Gründungsgottesdienstes. Zu den Mainwiesen am Schloss Philippsruhe kam Gerber mit einem Schiff des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Hanau. Auf dem Schiff war eigens für den Gottesdienst ein Altar aufgebaut und festlich geschmückt worden. Nach dem Anlegen feierte Gerber vom Schiff aus gemeinsam mit den Konzelebranten die Eucharistie mit den Gläubigen am Mainufer.
Die musikalische Gestaltung machte die Vielfalt der neuen Pfarrei ebenfalls hörbar. Ein eigens zusammengestellter Projektchor mit Sängerinnen und Sängern aus den verschiedenen Kirchorten gestaltete die Eucharistiefeier unter der Leitung des Hanauer Kirchenmusikers und Regionalkantors Vittorio Vanini. Unterstützt wurde der Chor vom Blasorchester Wachenbuchen. Im Anschluss an den Gottesdienst luden der neu gewählte Pfarreirat und der Verwaltungsrat zu einem Begegnungsfest auf den Mainwiesen ein.
Die Pfarrei St. Klara und Franziskus am Main erstreckt sich vom Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim bis Hanau-Großauheim. Zu ihr gehören insgesamt acht Kirchorte: Heilig Kreuz in Bergen-Enkheim, Sankt Maria in Niederdorfelden, Sankt Theresia in Maintal-Bischofsheim, Sankt Edith Stein in Dörnigheim, Sankt Elisabeth in Kesselstadt, Mariae Namen in der Hanauer Innenstadt, Sankt Jakobus in Großauheim und Sankt Laurentius in Großkrotzenburg. Mit ihrer Gründung entsteht damit ein großer katholischer Verbund, dessen unterschiedliche Gemeinden und Traditionen künftig unter einem gemeinsamen Dach zusammenfinden sollen. +++

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