Mariä Himmelfahrt in Fulda: Bischof Gerber ruft zu Verbundenheit in Krisenzeiten auf

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Beim Pontifikalamt zu Mariä Himmelfahrt im Fuldaer Dom hat Bischof Dr. Michael Gerber dazu aufgerufen, auch in schwierigen und belastenden Situationen auf Gottes Wirken zu vertrauen. Maria könne beispielhaft dafür stehen, dass Krisen und Herausforderungen nicht das Ende einer Entwicklung bedeuten müssen, sondern Menschen durch diese Erfahrungen hindurch in eine neue Wirklichkeit geführt werden können.

Im Mittelpunkt der Predigt stand die Frage, wie Menschen mit Erfahrungen umgehen, die sich nicht einfach auflösen lassen. Gerber verwies dabei auf das Lukasevangelium und die wiederholte Schilderung, dass Maria die Ereignisse ihres Lebens in ihrem Herzen bewahrte. Auch die schwierigen und existenziell belastenden Erfahrungen rund um die Geburt Jesu und die Suche nach dem zwölfjährigen Jesus habe sie nicht verdrängt.

„Was in Bethlehem und was zwölf Jahre später auf der Wallfahrt geschehen ist, mit all seiner Dramatik, wird nicht ausgeblendet oder gar abgespalten, sondern es wird wie ein kostbarer Schatz im Herzen gehütet“, sagte der Bischof.

Gerade darin sah Gerber eine Haltung, die auch für Menschen der Gegenwart Bedeutung haben könne. Maria habe bereits bei der Verkündigung Ja zu Gottes Wort gesagt, obwohl dieses mit ihrer konkreten Lebenssituation in Spannung gestanden habe. Entscheidend sei dabei nicht gewesen, dass alle Widersprüche beseitigt wurden.

„Nicht trotz der spannungsreichen Umstände, sondern durch das, was Maria als Spannung und Herausforderung erlebt, wird sie in eine neue Wirklichkeit geführt“, sagte Gerber.

Der Gedanke lässt sich auch auf persönliche Krisen übertragen. Krankheit, Verlust oder andere schwere Erfahrungen können das eigene Leben grundlegend verändern. Gerber warb dafür, solche Erfahrungen nicht einfach aus dem eigenen Leben auszublenden. Gerade die Auseinandersetzung mit dem eigenen Leid könne einen neuen Blick auf andere Menschen ermöglichen.

„Wo auch die unangenehmen Erfahrungen in meinem Herzen einen Platz gefunden haben, dort kann es mir leichter fallen, mich zu öffnen für Menschen, die ebenfalls leidvolle Erfahrungen mitbringen“, sagte der Bischof. „Ich erkenne im Anderen Verwandtes, das schafft eine Brücke und fördert Einfühlungsvermögen.“

Damit verband Gerber seine religiöse Botschaft zugleich mit einer gesellschaftlichen Perspektive. Wo Menschen unterschiedliche Erfahrungen machen und Leid sie voneinander entfernen kann, braucht es Orte und Gemeinschaften, die Verbundenheit ermöglichen. Eine wichtige Aufgabe der Kirche bestehe deshalb darin, Menschen in schwierigen Situationen nicht allein zu lassen.

Das beim Hessentag in Fulda verwendete ökumenische Motto „Im Herzen eins“ könne nach Gerbers Worten über das Großereignis hinausweisen. Maria stehe für eine Haltung, in der Menschen trotz unterschiedlicher Erfahrungen füreinander offenbleiben.

„Maria, die Dienerin der Einheit damals wie heute, sie möge uns auf unserem Weg begleiten, dass wir mehr und mehr im Herzen eins werden“, sagte Gerber.

Das Pontifikalamt im Fuldaer Dom wurde mit Marienverehrung und der traditionellen Segnung der mitgebrachten Kräuter und Blumen gefeiert. Neben Bischof Dr. Michael Gerber standen Weihbischof und Domdechant Prof. Dr. Karlheinz Diez sowie Domkapitular Prof. Dr. Cornelius Roth am Altar.

Für die musikalische Gestaltung sorgten Domorganist Max Deisenroth und Kantor Marius Hübner.

Nach der Messfeier folgte die traditionelle Lichterprozession. Dabei wurde die silberne Strahlenmadonna ausgesetzt und vom Dom aus durch den Fuldaer Schlossgarten getragen. Der Prozessionsweg führte durch das Schlossgartenareal bis zum Parterre, wo die Feier ihren Abschluss fand.

Mariä Himmelfahrt wurde damit in Fulda nicht allein als religiöse Tradition begangen. Die Botschaft des Bischofs zielte zugleich auf einen Umgang mit Erfahrungen, die Menschen trennen können: Krisen nicht zu verdrängen, das eigene Erlebte anzunehmen und daraus Verständnis für andere zu entwickeln. Gerade darin könne Verbundenheit entstehen – nicht weil alle Menschen dasselbe erlebt haben, sondern weil sie einander in ihren unterschiedlichen Erfahrungen begegnen. +++


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