Berlin. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner übt heftige Kritik an den Regierungschefs von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg für ihre Weigerung, mit AfD-Vertretern im Fernsehen zu debattieren: Diese Haltung der Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und ihres Amtskollegen Winfried Kretschmann (Grüne) sei „feige und falsch“, sagte Linder im Interview der „Welt“.
Der FDP-Vorsitzende begründete dies mit Blick auf die AfD-Politiker: „Man sollte diese Leute im Gegenteil mit ihren Positionen konfrontieren, man muss sie argumentativ stellen, dann zeigt sich, dass die keine Konzepte haben.“ Mit der AfD müsse man, so betonte Lindner, über Sachfragen sprechen. „Dann kann man entlarven, dass die die Krise nicht lösen können und auch gar nicht wollen. Denn die Flüchtlingskrise begreifen die ja als Geschenk, wie Herr Gauland gesagt hat“, sagte der FDP-Chef und fügte hinzu: „Eine Partei, die Krisen herbeisehnt, um durch sie zu wachsen, übertrifft alles an Zynismus und Egoismus, was ich in der Politik erlebt habe.“
Lindner kritisierte zudem, dass Sozialdemokraten und Grüne die Verleihung des Aachener Karnevalsordens „Wider den tierischen Ernst“ an Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) boykottieren wollten. „Noch ein Jahr zuvor haben sie Sahra Wagenknecht bei ihrem Auftritt begeistert applaudiert. Da stimmen die Verhältnisse nicht, wenn ein Toni Hofreiter wegen Markus Söder absagt“, sagte Lindner der Zeitung. +++ fuldainfo
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Ich staune, dass ich einmal einem Herrn Lindner zu 100% Recht gebe. Die AfD ist – nach dem sehr strengen deutschen Parteiengesetz – eine ganz normal legitimierte Partei mit demokratisch gewählten Strukturen. Die anderen Parteien müssten sich dringend mit einer Partei beschäftigen, die mittlerweile in Gegenden Zustimmung im zweistelligen Prozentbereich erhält. Sehe ich genau wie Herr Lindner: Die Augen davor zu verschließen und nicht mit AfD-Vertretern zu sprechen, ist tatsächlich borniert, dumm und feige. Was wäre denn, wenn die AfD tatsächlich gute Argumente in einer Talkshow vorbringt? Oder, was wäre, wenn die AfD Leute in der Talkshow nur dummes Zeug erzählen und sich selbst bloßstellen.
Gemeinsame Auftritte mit Parteien zu boykottieren, die andere Auffassungen haben, als man selbst oder der Versuch, Druck auf eine unabhängige Organisation wie die Aachener Karnevalsvereinigung ausüben zu wollen, fällt bei mir in die Kategorien „Kindergarten“ oder „Wichtigtuerei“. Ich habe gestern die Talkshow mit Maybritt Illner gesehen (wo Markus Söder als Gast war) und finde seine Nominierung für den „Orden wider den tierischen Ernst“ goldrichtig. So unterschiedlicher Meinung kann man sein.