Kreiserntedankfest auf Gut Weihershof: Landwirtschaft zwischen Trockenheit, Dankbarkeit und Zusammenhalt

Foto: Benedikt Klüber

Rund 600 Menschen haben am Sonntag, 20. September 2026, auf dem Gut Weihershof der Familie Kirchhoff in Hofbieber das Kreiserntedankfest gefeiert. Eingeladen hatten der Kreisbauernverband Fulda-Hünfeld e. V. und die Kirchengemeinde Bieberstein-Dipperz. Im Mittelpunkt standen ein ökumenischer Gottesdienst, der Dank für die eingebrachte Ernte und die Wertschätzung der regionalen Landwirtschaft. Doch angesichts eines trockenen und für viele landwirtschaftliche Betriebe schwierigen Jahres ging es auch um die Frage, was eine Gesellschaft ihrer Landwirtschaft entgegenbringen kann, wenn die Bedingungen für die tägliche Arbeit zunehmend anspruchsvoller werden.

Der Gottesdienst begann um 10.15 Uhr. Der Zeitpunkt war bewusst gewählt worden: Nach der morgendlichen Stallarbeit sollten möglichst viele landwirtschaftliche Familien die Möglichkeit haben, am Erntedankfest teilzunehmen. Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb richtet sich der Tagesablauf nicht nach dem Veranstaltungskalender. Tiere müssen versorgt, Ställe bewirtschaftet und Arbeitsabläufe eingehalten werden. Dass der Gottesdienst daran anknüpfte, gab dem Fest einen praktischen Bezug zur Lebenswirklichkeit der Menschen, deren Arbeit an diesem Tag im Mittelpunkt stand.

Gestaltet wurde der ökumenische Gottesdienst von Pfarrer Johannes Trepte aus der Kirchengemeinde Bieberstein-Dipperz, Dekan Thorsten Waap aus Fulda und Diakon Manfred Oeste. Für die musikalische Begleitung sorgte die Trachtenkapelle Elters. Die Beteiligung der evangelischen und katholischen Kirche sowie der weiteren Mitwirkenden verlieh der Veranstaltung einen gemeinschaftlichen Charakter, der über die Grenzen einzelner Einrichtungen und Gruppen hinausging.

Pfarrer Johannes Trepte hob die Bedeutung des Erntedankfestes insbesondere vor dem Hintergrund des schwierigen Jahres für die Landwirtschaft hervor. Für ihn zeigte die Veranstaltung, was durch gemeinsames Handeln erreicht werden kann. „Für mich hat das heutige Erntedankfest auf beeindruckende Weise gezeigt, was wir in Gemeinschaft erreichen können. Das Miteinander von Kreisbauernverband Fulda-Hünfeld e.V., dem Bezirkslandfrauenverein Fulda, der Trachtenkapelle Elters, der evangelischen und katholischen Kirche sowie den vielen weiteren Beteiligten und helfenden Händen ist für mich ein starkes Zeichen“, erklärte Trepte.

Zugleich verband der Pfarrer seinen Dank mit einem Appell an die Gesellschaft. Angesichts der schwieriger werdenden Bedingungen in der Landwirtschaft ermutigte er die Besucherinnen und Besucher zu Zusammenhalt und einem wertschätzenden Miteinander mit den Landwirtinnen und Landwirten sowie den Vereinen vor Ort. Entscheidend sei dabei nicht allein die Anerkennung in Worten, sondern auch die Bereitschaft, sich aktiv einzubringen und tatkräftig zu unterstützen. Damit rückte Trepte eine Frage in den Mittelpunkt, die über den Festtag hinausreicht: Wie kann die Verbundenheit mit der regionalen Landwirtschaft im Alltag sichtbar werden?

Die festlich geschmückte Erntekrone und die zahlreichen Früchte aus der Landwirtschaft machten anschaulich, wofür an diesem Tag gedankt wurde. Sie standen für die Erzeugnisse, die durch die Arbeit auf den Feldern und in den landwirtschaftlichen Betrieben hervorgebracht werden. Zugleich erinnerte der Gottesdienst daran, dass eine gute Ernte trotz moderner Technik, großer Erfahrung und täglicher Anstrengung nicht selbstverständlich ist. Witterung, Bodenverhältnisse und zahlreiche weitere Faktoren beeinflussen, was am Ende eines Jahres tatsächlich eingebracht werden kann.

Gerade das Erntejahr 2026 verdeutlichte diese Abhängigkeiten. Die landwirtschaftlichen Betriebe in der Region waren mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Vor allem die anhaltende Trockenheit wirkte sich auf Felder, Wiesen und die Futterversorgung vieler Betriebe aus. Wie stark die Folgen ausfielen, hing von den jeweiligen Standorten, den Bodenverhältnissen und den Niederschlagsmengen ab. Die Auswirkungen waren daher nicht überall gleich. Dennoch zeigte sich, wie eng die landwirtschaftliche Produktion an natürliche Bedingungen gebunden bleibt, die sich nur begrenzt beeinflussen lassen.

Die moderne Landwirtschaft verfügt über technische Möglichkeiten und umfangreiches Fachwissen. Sie kann Boden bearbeiten, Produktionsabläufe optimieren und auf veränderte Bedingungen reagieren. Eine Garantie für eine ausreichende Ernte lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Trockenperioden und andere Witterungseinflüsse machen deutlich, dass die tägliche Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte innerhalb von Rahmenbedingungen stattfindet, die nicht vollständig in ihrer Hand liegen. Erntedank erhält unter diesen Umständen eine zusätzliche Bedeutung: Es geht nicht nur um das Ergebnis der Arbeit, sondern auch um die Anerkennung der Unsicherheiten, mit denen sie verbunden ist.

Umso wichtiger war es den Landwirtinnen und Landwirten, gemeinsam innezuhalten und den Blick auf das zu richten, was trotz der Schwierigkeiten gewachsen ist. Dankbarkeit und die nüchterne Wahrnehmung der Herausforderungen standen dabei nicht im Widerspruch. Vielmehr bot das Fest die Gelegenheit, die Belastungen des vergangenen Jahres anzusprechen, ohne den Wert der geleisteten Arbeit aus dem Blick zu verlieren.

Auch Stefan Schneider, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Fulda-Hünfeld e. V., verwies auf die schwierigen Bedingungen des Jahres. „Hinter uns liegt ein trockenes und für viele Betriebe herausforderndes Jahr. Gerade deshalb war es schön und wichtig, gemeinsam Erntedank zu feiern, für das Erreichte dankbar zu sein und neue Zuversicht zu schöpfen“, erklärte Schneider. Für ihn war das Fest zugleich ein Zeichen der Verbundenheit zwischen der Landwirtschaft und der Bevölkerung in der Region. „Das große Interesse zeigt zugleich, wie eng die Menschen in unserer Region mit der Landwirtschaft verbunden sind“, fügte er hinzu.

Mit rund 600 Besucherinnen und Besuchern war das Interesse am Kreiserntedankfest deutlich sichtbar. Die Zahl allein beantwortet zwar nicht die Frage, wie intensiv sich die Menschen im Alltag mit den Anliegen der Landwirtschaft auseinandersetzen. Sie zeigt jedoch, dass ein gemeinsamer Anlass, bei dem landwirtschaftliche Arbeit, Kirche und regionales Miteinander zusammenkommen, auf Resonanz stößt. Die Wertschätzung für die Landwirtschaft wird dabei nicht allein in festlichen Reden ausgedrückt, sondern auch darin, ob der Austausch zwischen den unterschiedlichen Teilen der Gesellschaft gepflegt wird.

Nach dem Gottesdienst wurden die Feierlichkeiten auf dem Gut Weihershof in geselliger Atmosphäre fortgesetzt. Beim Mittagstisch sowie bei Kaffee und Kuchen nutzten zahlreiche Gäste die Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Das gemeinsame Essen und die Gespräche gaben dem Fest einen Rahmen, in dem neben den offiziellen Programmpunkten auch Begegnungen zwischen landwirtschaftlichen Familien, Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie weiteren Gästen möglich waren.

Für die jüngeren Besucherinnen und Besucher bot der Infoanhänger des Kreisbauernverbands ein ergänzendes Mitmachprogramm. Tret-Trecker und eine Kornmühle sorgten für Abwechslung und stießen besonders bei den Kindern auf großes Interesse. Auf diese Weise wurde Landwirtschaft nicht nur im Gottesdienst thematisiert, sondern auch praktisch und anschaulich vermittelt. Der Zugang über das Erleben kann dabei helfen, Zusammenhänge zwischen landwirtschaftlicher Arbeit und den Lebensmitteln, die später auf den Tischen stehen, verständlich zu machen.

Das Kreiserntedankfest führte Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Landwirtschaftliche Familien trafen auf Verbraucherinnen und Verbraucher, Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen auf weitere Beteiligte aus dem regionalen Umfeld. Die Veranstaltung machte deutlich, dass Erntedank über den Dank für Lebensmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse hinausgeht. Es geht ebenso um Gemeinschaft, gegenseitige Wertschätzung und einen verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen.

Gerade in einem Jahr, das von Trockenheit und Herausforderungen für die Betriebe geprägt war, gewinnt dieser Gedanke an Gewicht. Die Landwirtschaft ist auf Boden, Wasser und geeignete Witterungsbedingungen angewiesen. Gleichzeitig ist sie Teil einer Gesellschaft, die auf die Erzeugung von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Produkten angewiesen ist. Daraus ergibt sich eine Verbindung, die nicht erst bei einem Erntedankfest sichtbar werden sollte. Die Frage, wie Landwirtschaft unter schwierigen Bedingungen zukunftsfähig bleiben kann und welchen Beitrag die Gesellschaft dazu leistet, reicht weit über den einzelnen Festtag hinaus.

Ein solcher Ausblick setzt allerdings voraus, dass die Herausforderungen der Betriebe nicht bei allgemeinen Bekundungen stehen bleiben. Wertschätzung kann sich im persönlichen Austausch, in der Unterstützung örtlicher Vereine und in einem bewussten Umgang mit regionalen Erzeugnissen zeigen. Zugleich benötigen landwirtschaftliche Betriebe verlässliche Rahmenbedingungen, um auf Veränderungen reagieren und ihre Arbeit langfristig fortführen zu können. Das Erntedankfest selbst lieferte keine politischen oder wirtschaftlichen Lösungen für diese Fragen. Es schuf jedoch einen Raum, in dem die Bedeutung von Zusammenhalt und gegenseitiger Anerkennung sichtbar wurde.

Der Kreisbauernverband Fulda-Hünfeld e. V. dankte der Familie Kirchhoff für die Gastfreundschaft auf dem Gut Weihershof. Ebenso galt der Dank allen Mitwirkenden sowie den Helferinnen und Helfern, die zum Gelingen des Kreiserntedankfestes beigetragen hatten. Ohne die Beteiligung zahlreicher Menschen wäre eine Veranstaltung dieser Art nicht möglich. Das Fest auf dem Gut Weihershof verband damit den Dank für die Ernte mit der Anerkennung jener Gemeinschaft, die den Tag durch ihre Arbeit, ihre Unterstützung und ihre Teilnahme getragen hat. +++


Popup-Fenster

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*