Kalbacher Kommunalpolitiker werben für einen naturnahen Umgang mit Regenwasser

Wasser ist eine der Lebensgrundlagen, deren Verfügbarkeit nicht als selbstverständlich betrachtet werden kann. Unter dem Motto „Wasser zu sparen ist unsere Pflicht“ haben sich Kalbachs Bürgermeister Mark Bagus, der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Gemeindevertretung, Daniel Föller, und Gerhard Müller, Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss, mit der Frage beschäftigt, wie Regenwasser möglichst sinnvoll im natürlichen Wasserkreislauf gehalten werden kann. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand dabei der Gedanke, das natürliche Gleichgewicht so wenig wie möglich zu beeinträchtigen und mit Niederschlagswasser möglichst naturnah umzugehen.

Gerade in längeren Trockenperioden wird sichtbar, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit der Ressource Wasser ist. In Hessen entfallen nach den Angaben aus dem Gespräch etwa 23 Prozent der verfügbaren Trinkwassermenge auf private Haushalte. Industrie und Gewerbe sowie die Landwirtschaft beanspruchen den überwiegenden Teil der verbleibenden Verfügbarkeit. Wasser einzusparen, bedeutet deshalb nicht allein, den Verbrauch in den eigenen vier Wänden zu reduzieren. Auch die Frage, was mit Regenwasser geschieht, wenn es auf Dächer, Straßen, Höfe und andere befestigte Flächen trifft, gewinnt an Bedeutung.

Ziel eines naturnahen Umgangs mit Regenwasser ist es, die Verdunstung zu fördern, die Versickerung zu erhöhen und den Oberflächenabfluss zu verringern. Gleichzeitig muss eine gesicherte Entwässerung der Siedlungsflächen gewährleistet bleiben. Nachteilige Auswirkungen auf das Grundwasser und oberirdische Gewässer sollen vermieden werden. Regenwasser soll nach Möglichkeit dort gehalten werden, wo es anfällt, und wieder Teil des natürlichen Kreislaufs werden, anstatt möglichst schnell über Kanäle abgeleitet zu werden.

Je nach örtlichen Gegebenheiten kann es sinnvoll sein, Regenwasser vor einer Einleitung in ein Gewässer oder einer Versickerung in den Untergrund zunächst zurückzuhalten oder verzögert einzuleiten. Das gilt insbesondere dann, wenn ein Gewässer nur über eine begrenzte Leistungsfähigkeit verfügt oder der Untergrund nur eine geringe Durchlässigkeit aufweist. Grundsätzlich sollte nach den Überlegungen eine breitflächige Versickerung bevorzugt werden. Wenn Regenwasser durch eine mindestens 20 bis 30 Zentimeter starke, bewachsene Oberbodenschicht versickert, wird es in der Regel ausreichend gereinigt, um das Grundwasser vor schädlichen Verunreinigungen zu schützen. Zugleich unterstützt diese Form der Versickerung die Verdunstung.

Unterirdische Versickerungsanlagen sollten dagegen nur in begründeten Ausnahmefällen zum Einsatz kommen. Wo sie notwendig werden, ist zum Schutz des Grundwassers in jedem Fall eine angemessene Vorreinigung des Regenwassers erforderlich. Entscheidend ist dabei, dass nur weitgehend unbelastetes Oberflächenwasser versickert wird. Nicht jede Fläche eignet sich gleichermaßen dafür.

Ein wesentlicher Ansatzpunkt liegt deshalb bereits bei der Gestaltung von Grundstücken. Versiegelte Flächen sollten auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden. Wo eine Befestigung erforderlich ist, können durchlässige Lösungen eingesetzt werden. Als Beispiele wurden Rasengittersteine für Einfahrten oder Holzroste für Terrassen genannt. Auch bei bereits versiegelten Flächen sollte geprüft werden, ob eine Entsiegelung oder eine durchlässigere Gestaltung möglich ist.

Wo eine vollständige Entsiegelung nicht infrage kommt, können Grünflächen einen wichtigen Beitrag leisten. Unvermeidbar versiegelte Bereiche lassen sich so begrenzen, dass ablaufendes Regenwasser auf angrenzenden Grünflächen aufgenommen werden kann. Dort kann es versickern oder verdunsten, anstatt unmittelbar über die Kanalisation abgeführt zu werden.

Auch die oberirdische Sammlung und Ableitung von Regenwasser kann dabei eine Rolle spielen. Offene Mulden, bewachsene Gräben oder Gerinne können dazu beitragen, Wasser länger in der Fläche zu halten. Gleichzeitig wird die Verdunstung gefördert und das Anlegen geeigneter Versickerungsanlagen erleichtert. Voraussetzung bleibt, dass eine Gefährdung des Grundwassers ausgeschlossen wird und nur entsprechend wenig verschmutztes Oberflächenwasser zur Versickerung gelangt.

Für die Gemeinde ergibt sich daraus nach Auffassung der Gesprächsteilnehmer auch eine konkrete Aufgabe. Der Gemeindevorstand müsse prüfen, welche gemeindeeigenen Grundstücke sich für entsprechende Maßnahmen eignen und für diese Zwecke genutzt werden könnten, betonte Bürgermeister Mark Bagus bei dem Gespräch. Dabei geht es nicht allein um technische Lösungen, sondern auch um die Frage, wie Flächen innerhalb der Gemeinde so gestaltet werden können, dass Regenwasser wieder stärker seinen natürlichen Weg nehmen kann.

Zwischen befestigten Flächen, offenen Mulden, Grünbereichen und dem Untergrund entsteht dabei ein Kreislauf, der vielerorts aus dem Blick geraten ist. Regen fällt auf eine Fläche, sucht sich seinen Weg und kann – wenn die Voraussetzungen stimmen – wieder in den Boden gelangen oder verdunsten. Wo Flächen dagegen vollständig versiegelt sind, wird dieser natürliche Prozess unterbrochen. Das Wasser wird abgeführt und steht der unmittelbaren Umgebung nicht mehr zur Verfügung.

Für Bagus, Föller und Müller steht deshalb die Frage im Raum, wie sich die vorhandenen Möglichkeiten vor Ort besser nutzen lassen. Der sparsame Umgang mit Wasser beginnt für sie nicht erst am Wasserhahn, sondern bereits bei der Gestaltung von Flächen und beim Umgang mit Niederschlag. Die Gemeinde könnte dabei mit ihren eigenen Grundstücken eine Vorbildfunktion übernehmen und zugleich prüfen, an welchen Stellen sich Maßnahmen zur Versickerung, Rückhaltung und Verdunstung sinnvoll umsetzen lassen.

Wasser zu sparen bedeutet damit auch, Regenwasser nicht vorschnell als etwas zu betrachten, das möglichst schnell verschwinden muss. Wo es möglich ist, soll es gehalten, zurückgeführt und Teil des natürlichen Wasserkreislaufs bleiben. Gerade angesichts zunehmender Trockenperioden gewinnt dieser Ansatz für die Kommunen an Gewicht. +++


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1 Kommentar

  1. Antrag zur Förderung des Baus von Regenwasserzisternen zur Sicherung der Trinkwasserversorgung im Zuge des Klimawandels

    Beschlussvorschlag

    Der Gemeindevorstand wird beauftragt, ein Förderprogramm für den Bau von Regenwasserzisternen bei Wohngebäuden sowie Gewerbe- und Industriebauten zu erarbeiten und der Gemeindevertretung zur Beschlussfassung vorzulegen.

    Dabei sollen insbesondere die Fördervoraussetzungen, die Höhe der Zuschüsse sowie mögliche Finanzierungs- und Förderquellen geprüft werden.

    Begründung

    Der Klimawandel führt zunehmend zu längeren Trocken- und Hitzeperioden sowie zu einer steigenden Belastung der öffentlichen Trinkwasserversorgung. Gleichzeitig nehmen Starkregenereignisse zu, bei denen große Mengen wertvollen Regenwassers ungenutzt über die Kanalisation abgeleitet werden.

    Regenwasserzisternen ermöglichen es, Niederschlagswasser auf den Grundstücken zu speichern und für die Gartenbewässerung, die Toilettenspülung sowie – je nach Nutzung – für betriebliche Zwecke einzusetzen. Dadurch wird hochwertiges Trinkwasser geschont und die öffentliche Wasserversorgung nachhaltig entlastet.

    Darüber hinaus tragen Regenwasserzisternen zur Rückhaltung von Niederschlagswasser bei, entlasten die Kanalisation bei Starkregen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung sowie zum Schutz der natürlichen Wasserressourcen.

    Mit einem kommunalen Förderprogramm setzt die Gemeinde ein deutliches Zeichen für eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung, stärkt die Vorsorge gegenüber den Folgen des Klimawandels und unterstützt Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen bei Investitionen in eine zukunftsfähige Infrastruktur.

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