Bei jedem dreißigsten kontrollierten Kraftfahrzeug greift die Person am Steuer während der Fahrt oder an einer roten Ampel verbotenerweise zum Mobiltelefon. Das belegt das Ergebnis der bundesweiten Erhebung „Kopf hoch! Handy-Verkehrs-Check“, die der ACE Auto Club Europa zwischen dem 1. April und dem 31. Juli 2026 durchgeführt hat. Insgesamt 352 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sowie 13 hauptamtliche Regionalbeauftragte nahmen an 309 ausgewählten innerörtlichen Kreuzungen in allen 16 Bundesländern das Verkehrsgeschehen unter die Lupe. Bei 83.383 erfassten Fahrzeugen registrierten die Beobachter 2.782 eindeutige Verstöße. Das entspricht einer Gesamtquote von 3,3 Prozent sowie einem Durchschnitt von neun gezählten Handy-Sündern pro halbstündigem Einsatz.
Die Ergebnisse weisen markante regionale Diskrepanzen auf. Während bei 44 Einzelchecks Quoten von über 6,5 Prozent verzeichnet wurden, blieb der Zähler an vier Standorten komplett unberührt. Im Vergleich der Bundesländer führt das Saarland mit einer Quote von 6,8 Prozent das Negativranking an, gefolgt von Hamburg mit 5,6 Prozent und Hessen mit 5,2 Prozent – alle drei Werte liegen deutlich über dem Bundesschnitt. Das saarländische Resultat stützt sich allerdings auf lediglich zwei durchgeführte Checks und besitzt daher nur eine eingeschränkte Aussagekraft. Deutlich aufmerksamer zeigte sich der Verkehr am anderen Ende der Tabelle: In Mecklenburg-Vorpommern betrug die Quote 2,3 Prozent, in Bayern 2,7 Prozent und in Sachsen 2,8 Prozent.
Den bundesweiten Negativrekord an einer einzelnen Kreuzung markierte Stuttgart. An der Ecke Pragstraße und Löwentorstraße zählten die Ehrenamtlichen bei 84 Fahrzeugen insgesamt 15 Verstöße, was einem Spitzenwert von 17,9 Prozent entspricht – dort war fast jede fünfte Person am Steuer unerlaubt mit dem Mobiltelefon beschäftigt. Ähnlich hohe Werte traten in Pforzheim an der Kreuzung Dietlinger Straße/Wildbader Straße mit 11,1 Prozent sowie in Berlin an der Kreuzung Danziger Straße/Greifswalder Straße mit 10,5 Prozent zutage. Erfreuliche Gegenbeispiele lieferten Kontrollen in Braunschweig, Jüterbog in Brandenburg, Oschatz in Sachsen sowie im bayerischen Trostberg, wo in den jeweils 30 Minuten kein einziger Verstoß auffiel.
Der Griff zum Smartphone blieb nicht das einzige Sicherheitsrisiko. An den Messpunkten beobachteten die ACE-Teams zahlreiche brenzlige Situationen im Kreuzungsbereich, darunter Rotlichtverstöße, abrupte Bremsmanöver und akute Gefährdungen von abbiegenden Radfahrenden. Das Spektrum weiterer registrierter Ablenkungen reichte vom Rauchen im Fahrzeug bei anwesenden Kindern über aufgeklappte Laptops auf der Mittelkonsole bis hin zu Hunden, die während der Fahrt auf dem Schoß des Fahrers saßen.
Wie verheerend sich Unachtsamkeit im Straßenverkehr auswirkt, unterstreichen die Daten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2025. In 9.472 Fällen mit Personenschaden wurde Ablenkung als offizielle Unfallursache protokolliert, was einem Zuwachs von rund neun Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Bei 1.108 dieser Unfälle war nachweisbar die Bedienung elektronischer Geräte ausschlaggebend; 15 Menschen verloren dabei ihr Leben, 199 erlitten schwere Verletzungen. Experten betonen regelmäßig, dass die Dunkelziffer weitaus höher ausfallen dürfte, da der Nachweis der Smartphonenutzung bei der Unfallaufnahme oft schwierig zu führen ist. Schon flüchtige Momente haben physikalisch drastische Folgen: Wer innerorts bei Tempo 50 nur zwei Sekunden auf das Display blickt, legt rund 28 Meter im absoluten Blindflug zurück, bei Tempo 30 sind es knapp 17 Meter. Vor allem ungeschützte Verkehrsteilnehmende wie Fußgänger und Radfahrer geraten dadurch in akute Gefahr.
Sven-Peter Rudolph, Vorsitzender des ACE Auto Club Europa, bewertet die Erkenntnisse der Initiative unmissverständlich: „Unsere Ergebnisse sind alarmierend: Bei jedem dreißigsten kontrollierten Fahrzeug haben wir einen Smartphone-Verstoß festgestellt. Dabei kann schon ein kurzer Blick aufs Display Menschenleben gefährden. Aufklärung allein reicht nicht aus. Es braucht ein stärkeres Bewusstsein für die Gefahr, die vom Smartphone am Steuer ausgeht, gezielte Verkehrskontrollen und den Einsatz moderner Technologien. Dabei steht für uns nicht die Verhängung von Bußgeldern im Vordergrund, sondern das Ziel, gefährliches Verhalten zu verhindern, bevor Menschen zu Schaden kommen. Denn jeder vermiedene Unfall kann Leben retten.“
Vor diesem Hintergrund fordert der Club, das Thema Ablenkung verpflichtend in der Fahrausbildung sowie an Schulen zu behandeln. Gezielte Kampagnen und praxisnahe Trainings sollen das Risikobewusstsein schärfen, da viele Fahrende die Gefahr eines kurzen Blicks trotz besseren Wissens unterschätzen. Zudem fordert der ACE personell gestärkte Polizeikräfte für datenbasierte Kontrollen an Unfallschwerpunkten und Gefahrenstellen sowie den gezielten Einsatz von sogenannten Handy-Blitzern. Für diese KI-gestützte Überwachungstechnik verlangt der Club eine bundeseinheitliche Rechtsgrundlage samt strikten Datenschutzstandards, zu denen zwingend die unverzügliche Löschung von Daten regelkonform Fahrender gehört. Das Zusammenspiel aus Aufklärung, Prävention und Überwachung müsse greifen, untermauert durch den zentralen Appell des Verbands: Kopf hoch, Handy weg und den Fokus voll auf die Straße.
Die Kontrollen der Clubinitiative erfolgten nach einheitlichen Maßstäben. Jeder der 309 Checks dauerte exakt eine halbe Stunde und deckte eine ausgewählte Fahrtrichtung ab. Erfasst wurden anhand standardisierter Bögen sowohl fließende Kraftfahrzeuge als auch vorübergehend stehende, etwa an Ampelkreuzungen. Maßstab der Erfassung waren die rechtlichen Bestimmungen des Paragrafen 23 Absätze 1a und 1b der Straßenverkehrsordnung, die das Halten und Nutzen entsprechender Kommunikationsgeräte untersagen. +++





and then
Hinterlasse jetzt einen Kommentar