INSA-Umfrage: Große Mehrheit beklagt schwindenden Anstand und schlechte Stimmung

Anstand besitzt in der deutschen Bevölkerung unverändert einen hohen Stellenwert, doch im Alltag registriert eine breite Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger ein spürbares Nachlassen guter Umgangsformen. Dies geht aus einer aktuellen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag des Nachrichtenportals T-Online hervor. Insgesamt halten 88 Prozent der Befragten Anstand für wichtig, wobei 55 Prozent das Thema sogar als „sehr wichtig“ einstufen. Gleichzeitig vertreten 82 Prozent der Menschen im Land die Ansicht, dass anständiges Verhalten im gesellschaftlichen Zusammenleben schwindet. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden, konkret 52 Prozent, diagnostiziert hierbei sogar einen deutlichen Rückgang.

Mit Blick auf die verschiedenen Generationen treten merkliche Unterschiede zutage. Der empfundene Verlust von Umgangsformen prägt vor allem das Empfinden älterer Menschen: Während in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen 67 Prozent ein Nachlassen des Anstands beklagen, teilen bei den über 70-Jährigen ganze 95 Prozent diese Beobachtung. Parallel dazu steigt auch die persönliche Wertschätzung für anständiges Verhalten mit zunehmendem Alter kontinuierlich an. Liegt der Anteil jener, die Anstand im täglichen Leben eine hohe Bedeutung beimessen, bei den jüngsten Erwachsenen bei 72 Prozent, erreicht dieser Wert bei den Befragten ab 70 Jahren nahezu eine geschlossene Einmütigkeit von 99 Prozent.

Der schärfste Kontrast in der Umfrage offenbart sich jedoch entlang der sozialen Schichten. Unter den Einkommensschwachen sind 88 Prozent davon überzeugt, dass anständiges Verhalten in der Gesellschaft abnimmt; in der Mittelschicht fällt dieser Wert mit 86 Prozent kaum geringer aus. In der Oberschicht hingegen vertritt lediglich die Hälfte der Befragten diese Auffassung. Zugleich wird in dieser Gruppe eine gänzlich andere Tendenz sichtbar: 44 Prozent der Angehörigen der Oberschicht beobachten sogar eine Zunahme anständigen Verhaltens, während dem aufseiten der Einkommensschwachen gerade einmal sechs Prozent zustimmen.

Ein ähnlich tiefes soziales Gefälle prägt die Bewertung der allgemeinen gesellschaftlichen Verfassung. Lediglich sieben Prozent der einkommensschwachen Bürgerinnen und Bürger beurteilen das gesellschaftliche Klima derzeit positiv, wohingegen in der Oberschicht 44 Prozent zu einer positiven Einschätzung gelangen. Über die gesamte Bevölkerung hinweg überwiegt jedoch ein deutlich pessimistisches Stimmungsbild: 83 Prozent der Deutschen bewerten die allgemeine Stimmung negativ. Damit hat sich die Wahrnehmung gegenüber der Vorjahreserhebung im Juni 2025, als dieser Wert noch bei 69 Prozent lag, nochmals spürbar eingetrübt. Besonders markant fiel der Stimmungsumschwung in der Mittelschicht aus, in der der Anteil positiver Urteile von zuvor 21 Prozent auf nunmehr zehn Prozent gesunken ist.

Die zugrunde liegende Befragung führte das Institut INSA vom 1. bis zum 2. Oktober 2026 durch. Dabei gaben bundesweit 1.001 volljährige Personen im Rahmen einer Online-Erhebung ihre Einschätzungen ab. +++


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