IHK-Herbstumfrage 2026: Osthessens Wirtschaft schöpft verhalten Hoffnung – Krise verharrt auf schmalem Fundament

Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda

Die Stimmung in den Unternehmen der osthessischen Wirtschaft hat sich nach monatelangem Tief erstmals wieder etwas aufgehellt, doch von einem flächendeckenden Aufschwung ist die Region weiterhin ein gutes Stück entfernt. Seit dem Jahr 2022 bremst die anhaltende Schwächephase die regionale Konjunktur nun schon aus. Dies wirkt sich nach wie vor dämpfend auf die Beschäftigung, die Investitionen und damit direkt auf zukünftige Wachstumschancen aus, wie Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda, bei der Vorlage der aktuellen Herbst-Konjunkturumfrage 2026 deutlich macht. Zwar zeige sich ein kleiner Silberstreif am Horizont, die wirtschaftliche Erholung stehe jedoch auf einem denkbar schmalen Fundament.

Bei der Bewertung der gegenwärtigen Geschäftslage überwiegt in den Betrieben Pragmatismus: 65,6 Prozent der befragten Firmen bezeichnen ihre Situation aktuell als befriedigend, was einen spürbaren Zuwachs gegenüber Mai bedeutet, als dieser Wert noch bei 56,2 Prozent lag. Von einer schlechten Lage sprechen derzeit 17,7 Prozent, während 16,7 Prozent der Unternehmen ihre Situation positiv als gut bewerten. Der Blick auf die kommenden Monate bleibt unter dem Strich allerdings verhalten. Zwar sank der Anteil der Betriebe, die eine Verschlechterung erwarten, von 26,4 Prozent im Mai auf nun 17,9 Prozent, und 10,5 Prozent rechnen mit günstigeren Aussichten nach zuvor 5,7 Prozent. Die breite Mehrheit von 71,6 Prozent stellt sich jedoch auf eine gleichbleibende Lage ein, nachdem im Mai 67,9 Prozent dieser Ansicht waren. In der Gesamtschau kletterte der IHK-Geschäftsklimaindex damit zwar spürbar von 86,4 auf 95,7 Punkte, bleibt aber auch im vierten Jahr in Folge unter der Schwelle von 100 Punkten und verharrt damit weiter im rezessiven Bereich.

Besonders in den Industrie- und Handelsbetrieben zeigen sich unterschiedliche Dynamiken. Bei den Industriebetrieben fällt der Saldo der aktuellen Geschäftslage weiterhin negativ aus, auch wenn gegenüber dem Frühjahr leichte Zugewinne zu verzeichnen sind. So berichten 29,7 Prozent der Industrieunternehmen von einer schlechten Lage, während 18,9 Prozent von einer guten Situation sprechen. Mit Blick nach vorn erwarten 19,4 Prozent der Industriebetriebe in den kommenden Monaten eine ungünstigere Entwicklung, wohingegen 16,7 Prozent eine Besserung prognostizieren. Der Geschäftsklimaindex des Industriesektors stieg damit von 81,9 auf 93,1 Zähler. Spürbarer fasste der Handel wieder Tritt: Hier sprang der Klimaindex von zuvor 72 auf nun 95,5 Punkte.

Die Zurückhaltung der Betriebe spiegelt sich unvermindert in den Investitionsabsichten wider. Über die Mehrzahl der Branchen hinweg verharrt die Investitionsbereitschaft per Saldo im negativen Bereich. Mehr als ein Drittel der Firmen, konkret 36,5 Prozent, hat die eigenen Investitionspläne nach unten korrigiert. Lediglich 20,8 Prozent der Betriebe planen, ihre Ausgaben zu steigern. Wenn Mittel fließen, geschieht dies vor allem zum Erhalt des Bestehenden: Für zwei Drittel der Betriebe (66,7 Prozent) bildet reiner Ersatzbedarf das Hauptmotiv. Ein Drittel (33,3 Prozent) investiert in Rationalisierungsmaßnahmen, 26,7 Prozent fließen in Produktinnovationen, während Erweiterungen der Kapazitäten mit 18,9 Prozent und Umweltschutzmaßnahmen mit 13,3 Prozent seltener im Fokus stehen.

Auf dem regionalen Arbeitsmarkt macht sich die anhaltende Flaute ebenfalls bemerkbar. Die Zahl der Arbeitgeber, die von einem Beschäftigungsabbau ausgehen, liegt mit 17,7 Prozent über dem Anteil jener, die zusätzliches Personal einstellen möchten (13,5 Prozent). Deutlich ernster ist die Lage in der Industrie: Hier stellen sich 27 Prozent der befragten Betriebe auf sinkende Beschäftigtenzahlen in den nächsten zwölf Monaten ein, während lediglich 16,2 Prozent der Betriebe zusätzlichen Bedarf melden. Einen positiven Impuls liefert immerhin das Auslandsgeschäft. Bei den Betrieben mit Außenhandelsaktivitäten rechnen 29 Prozent mit steigenden Exporten, 42 Prozent gehen von einem gleichbleibenden Volumen aus und 29 Prozent erwarten Rückgänge. Damit haben sich die außenwirtschaftlichen Erwartungen gegenüber den Vormonaten merklich gebessert.

Belastet wird die Stimmung allerdings von einem dauerhaften Hochrisikoumfeld, das den Unternehmen den Alltag erschwert. Als größte Gefahr für die weitere Entwicklung stufen die Betriebe steigende Energie- und Rohstoffpreise ein, die von 66,3 Prozent der Unternehmen angeführt werden. Unmittelbar dahinter folgen sich verschlechternde wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen mit 64,2 Prozent sowie eine nachlassende Inlandsnachfrage mit 62,1 Prozent. Höhere Arbeitskosten belasten 61,1 Prozent der Firmen, während 44,2 Prozent den Fachkräftemangel als wesentliches Wachstumshemmnis nennen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow sieht angesichts dieser Gemengelage klaren Handlungsbedarf bei den politischen Entscheidungsträgern. Auch wenn die Zahlen wieder in die richtige Richtung weisen, bleibe die Aufwärtsbewegung auf einem schmalen Fundament. Die Umfrage mache deutlich, dass die Wirtschaft tiefgreifende Reformen des Arbeitsmarktes und der sozialen Sicherungssysteme verlange. Überall dort, wo der Staat entlasten und Abläufe flexibilisieren könne, sollte er dies auch zügig tun, da man auf Risiken wie die Energie- und Rohstoffpreise von Unternehmensseite nur wenig Einfluss habe und diese unverändert hoch blieben. +++


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