Erste kommerzielle Agri-PV-Anlage Hessens entsteht in Fulda-Maberzell

Gaben den Startschuss für die Montage (von links): Stadtbaurat Daniel Schreiner, Landwirt Philipp Hütsch, RhönEnergie-Erneuerbare-Geschäftsführer Stefan Fella, RhönEnergie Fulda-Geschäftsführer Martin Heun, Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld und Ralf-Stefan Stöppler, Geschäftsführer der RhönEnergie Effizienz + Service GmbH. Foto: RhönEnergie

In Fulda-Maberzell entsteht Hessens erste kommerzielle Agri-Photovoltaik-Anlage (Agri-PV). Auf einer Fläche von rund 14 Hektar errichten die RhönEnergie Gruppe und der Landwirt Philipp Hütsch ein Vorhaben, das die Stromerzeugung aus Sonnenenergie direkt mit landwirtschaftlicher Nutzung verbindet: Während schwenkbare Photovoltaikmodule künftig erneuerbaren Strom produzieren, werden unter ihnen schwarze Johannisbeeren in Bioqualität angebaut. Rund sechs Millionen Euro investieren die RhönEnergie und der Biohof Hütsch gemeinsam in das Projekt. Vertreter des Energieversorgers, der Stadt Fulda und Landwirt Hütsch gaben vor Ort den Startschuss für die Montage der Module.

Martin Heun, Sprecher der Geschäftsführung der RhönEnergie Fulda, ordnete die Bedeutung der Maßnahme ein: „Heute schreiben wir ein kleines Stück hessische Energiegeschichte. Wir verbinden erneuerbare Energieerzeugung und Landwirtschaft auf derselben Fläche – und zeigen damit ganz konkret, dass die Energiewende und die landwirtschaftliche Nutzung keine Gegensätze sein müssen. Dieses Vorhaben ist ein Beispiel dafür, wie wir die Energiewende gemeinsam mit regionalen Partnern voranbringen.“

Auf dem Gelände werden 15.600 Photovoltaikmodule installiert, die jährlich rund 13 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen sollen. Das deckt rechnerisch den Strombedarf von etwa 4.100 Haushalten ab. Im Unterschied zu konventionellen Solarparks mit Südausrichtung sind die Module in Maberzell ost-west-ausgerichtet und beweglich gelagert. Dadurch speisen sie vor allem in den Morgen- und Abendstunden Strom ein und halten das Areal für die Bewirtschaftung nutzbar. Philipp Hütsch, dessen Familie Eigentümerin des Areals ist, pflanzt und pflegt die Beerensträucher in Reihen zwischen den Modulträgern. Noch in diesem Jahr ist das Setzen von rund 55.000 Johannisbeerpflanzen vorgesehen. Die erste Ernte ist für den Sommer 2028 geplant, wobei Hütsch mit einem Ertrag von bis zu 15 Tonnen rechnet. Experten des Fraunhofer-Instituts haben im Vorfeld berechnet, dass dieser Ertrag über dem einer gewöhnlichen Ackerfläche liegen dürfte, da die Schattenwirkung der Module den Feuchtigkeitshaushalt des Bodens schont und das Wachstum begünstigt.

Landwirt Philipp Hütsch beschreibt die Entstehung des Projekts aus seiner Sicht: „Die ersten Ideen für dieses Vorhaben hatte ich vor vier Jahren. Die Verbindung mit Photovoltaik hilft mir, meinen Betrieb für die Zukunft aufzustellen. Mir war wichtig, das Projekt gemeinsam mit einem regionalen Partner umzusetzen. Mit der RhönEnergie haben wir einen Partner gefunden, mit dem wir diese Idee verwirklichen können. Ich werde hier weiterhin Beerenobst in Bioqualität anbauen. So verbinden wir eine zukunftsfähige Landwirtschaft mit der Erzeugung erneuerbarer Energie.“

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld begrüßte die Investition namens der Stadt Fulda als gelungene Verbindung von Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und lokaler Verantwortung: „Es ist großartig, dass ein alteingesessener landwirtschaftlicher Familienbetrieb ein solches Zukunftsprojekt anpackt. Energiegewinnung und Landwirtschaft stehen häufig in Konkurrenz zueinander. In Maberzell bringen wir beides in Einklang.“ Gleichzeitig betonte Wingenfeld die Flächeneffizienz: „Die Anlage ist ein konkretes Beispiel dafür, wie wir erneuerbare Energien ausbauen und zugleich wertvolle landwirtschaftliche Flächen schonen können.“

Über die reine Netzeinspeisung hinaus ist eine Einbindung in die lokale Wärmeversorgung vorgesehen. Zu Beginn leitet die RhönEnergie-Netzgesellschaft OsthessenNetz (ON) den Strom in das regionale Netz ein. Hierfür montierte die ON in rund einem Kilometer Entfernung auf dem Gelände des Fernheizwerks Münsterfeld eine 22 Tonnen schwere Übergabestation. Auf lange Sicht soll der in Maberzell erzeugte Strom direkt im Heizwerk Münsterfeld genutzt werden, um eine geplante Großwärmepumpe zu betreiben und das angeschlossene Nahwärmenetz klimafreundlich zu versorgen.

Martin Heun erläuterte die Zielsetzung: „Wir denken bei diesem Projekt über die reine Stromerzeugung hinaus. Unser Ziel ist es, die vor Ort erzeugte Energie künftig sinnvoll in unser regionales Energiesystem einzubinden. Wenn wir den Strom perspektivisch für eine Großwärmepumpe im Münsterfeld nutzen, schlagen wir eine Brücke zwischen erneuerbarer Stromerzeugung und klimafreundlicher Wärmeversorgung. Genau solche intelligenten Verbindungen brauchen wir für die Energiewende.“

Geplant und gesteuert wird das Gesamtprojekt von der RhönEnergie Erneuerbare GmbH (REE), während die RhönEnergie Effizienz + Service GmbH (RES) die bauliche Umsetzung übernimmt. Die jeweiligen Geschäftsführer Stefan Fella (REE) und Ralf-Stefan Stöppler (RES) sehen in der Umsetzung einen wichtigen Schritt für moderne Energielösungen in der Region.

Die Anlage in Maberzell ist die erste kommerziell betriebene Agri-PV-Anlage in Hessen; bisher existierte im Bundesland lediglich eine Forschungsanlage der Hochschule Geisenheim im Rheingau-Taunus-Kreis. Bundesweit gehört das Vorhaben zu den zehn größten Anlagen dieser Bauart. Bezogen auf Flächen mit alleinigem Beerenanbau rangiert das Maberzeller Projekt hinter einer Anlage im westfälischen Wadersloh auf Platz zwei in ganz Europa. +++


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