Die Situation bei den Tafeln in Hessen bleibt angespannt. Rund 30 Prozent der hessischen Tafeln nehmen derzeit keine neuen Menschen mehr auf. In etwa der Hälfte der Einrichtungen werden Wartelisten für Neuaufnahmen geführt. Das teilte die Vorständin der Tafeln Hessen, Bernhard, mit. „Die Situation ist angespannt“, sagte sie mit Blick auf die wachsenden Herausforderungen für die Einrichtungen.
Insgesamt versorgten die hessischen Tafeln im Jahr 2025 rund 110.000 Menschen. Das sind knapp 2.000 mehr als im Jahr 2024. Unter den Kundinnen und Kunden befinden sich etwa 20.000 Kinder unter 14 Jahren. Die steigenden Zahlen verdeutlichen den anhaltend hohen Bedarf an Unterstützung, den die Tafeln trotz begrenzter Ressourcen kaum noch bewältigen können.
Ein wesentlicher Grund für die Aufnahmestopps ist der deutliche Rückgang der verfügbaren Lebensmittel. Das Volumen der gespendeten oder geretteten Lebensmittel ist nach Angaben der Tafeln um rund 30 Prozent gesunken. Ursachen dafür sind unter anderem effizientere Warenplanung im Handel sowie veränderte Vermarktungsstrategien, die dazu führen, dass weniger überschüssige Lebensmittel an die Tafeln abgegeben werden.
Gleichzeitig ist die Nachfrage in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Seit Beginn des Ukrainekriegs im Jahr 2022 hat sich die Zahl der Tafel-Kundinnen und -Kunden in Hessen nahezu verdoppelt. Zu den Hilfesuchenden zählen unter anderem Geflüchtete, Menschen mit geringen Einkommen, Erwerbslose sowie Personen, die trotz staatlicher Transferleistungen wie dem Bürgergeld nicht ausreichend über die Runden kommen. Die steigenden Lebenshaltungskosten haben die Situation zusätzlich verschärft.
Auch personell stehen die Tafeln vor Herausforderungen. Zwar engagieren sich 2025 rund 6.500 Ehrenamtliche in Hessen, etwa 1.000 mehr als im Vorjahr. Dennoch stoßen viele Einrichtungen an ihre Belastungsgrenzen. Begrenzte Zeitressourcen der Helferinnen und Helfer, steigende Betriebskosten sowie der organisatorische Aufwand für Logistik, Lagerung und Verteilung der Lebensmittel erschweren den Betrieb zusätzlich.
Um die Versorgung aufrechtzuerhalten, setzen die Tafeln weiterhin auf Kooperationen mit dem Lebensmittelhandel sowie auf zeitlich begrenzte Spendenaktionen. Zudem unterstützt das Land Hessen die Tafeln mit verschiedenen Förderprogrammen, etwa für Energie-, Hygiene- oder Sachkosten. Trotz dieser Hilfen bleiben die strukturellen Probleme bestehen.
Nach Einschätzung der Tafeln sind Aufnahmestopps und Wartelisten derzeit ein notwendiges Mittel, um eine Überlastung der einzelnen Einrichtungen zu verhindern. Gleichzeitig bedeuten sie jedoch, dass immer mehr bedürftige Menschen nicht oder nur eingeschränkt unterstützt werden können. Die Tafeln warnen daher, dass sich die angespannte Lage ohne zusätzliche Lebensmittelspenden und nachhaltige Entlastungen weiter zuspitzen könnte. +++

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