„Goldener Löwe“-Preisträger Franz Erhard Walther in Fulda empfangen

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Fulda. Anlässlich der Verleihung des „Goldenen Löwen“ im Rahmen der unter dem Motto „Viva Arte Viva“-stehenden 57. Kunstbiennale in Venedig (Leone d’oro per il miglior artista dell’Esposizione Internazionale Viva Arte Viva), an Herrn Professor Franz Erhard Walther – als bester Künstler auf der diesjährigen Biennale (13. Mai bis 26 November 2017), hat gestern zu Ehren des Künstlers, dessen künstlerisches Schaffen im osthessischen Fulda im gleichnamigen Landkreis eine bedeutende Entwicklung genommen hat, im Fürstensaal des Stadtschlosses ein Empfang stattgefunden. Mit dem Empfang hat man den Mitbegründer des 1958 in Fulda gruppierten „Jungen Kunstkreis“ gestern Nachmittag gewürdigt. Als mit das bedeutendste und an Fulda erinnernde Werk, an diesem sich, nach dem Kunstverständnis des Künstlers, Kunst für seinen Rezipienten nicht nur „spür-, begreif- oder erlebbar werde“, sondern dieser auch „gleichsam zum Bestandteil seiner Kunst“, Walthers Kunstschaffen am deutlichsten abzeichnet, ist der „Worttisch“.

Der massive, aus Ahornholz bestehende, 1995 geschaffene Worttisch, trägt in der Tischplatte, als Intarsien, die aus Kirschholz eingearbeiteten, sechs – wie sie der Künstler selbst nennt – „Fünf Raumformen für Fulda“: „Herkunft“, „Antwort“, „Gebrauch“, „Materialwechsel“, „Gegenwart“ und „Erinnerung“. Diese Begrifflichkeiten sind es auch, die sich „auf den Stahlplatten“, vor dem Fuldaer Stadtschloss, Dom sowie Paulustor abzeichnen.

In Venedig zeigt Walther ein großformatiges Werk aus Textil und Stahlplatten. Seine Arbeiten hätten nach der Jury – wie die Welt mitteilte – einen „radikalen und komplexen Charakter“. Walther ist bekannt für seine Kunst, bei der der Betrachter teilhaben kann – sogar zum Bestandteil ihrer werden könne, sofern sich ihr Rezipient auf sie einlässt. „Wenn sie nun in die Ausstellung gehen, können sie (in dem Werk) aktiv werden. Es ist also für sie alle möglich, ein Kunstwerk zu werden“, so Walther in seiner Rede.

„Wenigen ist es vergönnt, einen Goldenen Löwen zu erringen“, sagte Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld anfänglich seiner Rede und unterstrich damit die Bedeutung der Biennale. In diesem Kontext erinnerte er an die Verleihung des „Kulturpreises der Stadt Fulda“ an Walther in 2014 durch Gerhard Möller, den damaligen Oberbürgermeister der Stadt Fulda.

Wie Franz Erhard Walther gestern in seiner Erwiderung mitteilte, genieße er es, zurzeit von Vielen auf der Straße auf seine vor kurzem errungene Auszeichnung angesprochen und gefeiert zu werden. Doch diese besondere Wertschätzung habe Franz Erhard Walther nicht immer erfahren. Oft wurde er kritisiert, seine Kunst – aufgrund der orthographischen Unterschiede – auch oft missverstanden und fehlinterpretiert. So viel Walthers Werke – von Einigen belächelt, von Wenigen verspottet, von Vielen aber anerkannt und wertgeschätzt – seinem Betrachter über die Sicht des Künstlers auf die Dinge, auf die Historizität der Zeitgeschichte, mitteilen- fragmentarisch wiedergeben und zu offenbaren zu versuchen, hat der Künstler auf sein individuelles künstlerisches Wirken und die Art und Weise, wie er dabei künstlerisch tätig wird und dieses er selbst vorwiegend als „experimentelle Arbeit“ sieht und einzuordnen weiß, nur eine Antwort: das Kriegserleben. „Die Art und Weise meiner Kunst, Dinge unvollständig, fragmentarisch wiederzugeben, – ich habe selbst keine andere Erklärung dafür – kann ich selbst nur auf diese zurückzuführen“, so Walther über seine Kunst. So ambivalent die Freude beim Empfinden bei der eigenen Widergabe des Erlebten, bei der Abbildung der einst erlebten Wirklichkeit beim Künstler auch sein möge, umso mehr hält Walther uns den Spiegel vor und lädt uns ein, mit ihm durch diese Zeit zu gehen und auch eins mit ihm zu werden…So begreifen wir für uns nicht nur Walthers Kunst, als für uns erlebbar, sondern auch ihn, als Künstler, als Inkarnation unserer Zeitgeschichte. +++ Jessica Auth


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1 Kommentar

  1. Danke für den Bericht. Wie immer, eine Freude. Die Stadt kann Stolz auf so einen Künstler sein. Es wäre schön, wenn man auch sonst das Kulturelle in der Stadt im Blick hätte, und ich meine jetzt nicht dieses Musical! Die Region hat mehr anzubieten.

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