Fulder Festjahr: Eine Stadt säuft sich durchs Jahr

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Ich bin in Fulda verliebt. Das behaupten offensichtlich nicht nur die Fulder selbst. Auch die Nachbarn vom „Duurf“ scheinen ihr Herz an die Barockstadt verloren zu haben. Oder liegt es am Essen und Trinken? Denn was ihr euch in diesem Festjahr alles auftischt und einschenkt, könnt ihr allein doch gar nicht verputzen. Werdet ihr denn nie satt?

Richtig los ging es mit einem grandiosen Hessentag. Vom beeindruckenden ökumenischen Gottesdienst auf dem Domplatz bis zum fröhlichen Festzug wurde gefeiert, was das Zeug hält. Und weil die Sonne ordentlich vom Himmel brannte, war natürlich auch für die durstigen Kehlen gesorgt. Wasser, versteht sich – aber selbstverständlich auch Bier. In Fulda darf man schließlich nicht vergessen, dass das heimische Bier einst nach dem fürstbischöflichen Stift benannt wurde: Hochstift.

Doch zehn Tage Hessentag? Das kann einem echten Fulder offenbar noch lange nicht reichen. Essen und Trinken halten schließlich Leib und Seele zusammen. Also wurde gleich die nächste Runde eingeläutet: Genussmeile auf der Pauluspromenade, im Schatten des Doms, mit dem Feinsten aus Küche und Keller.

Da passt eigentlich nur noch das alte Lied: Trinken ist keine Schand, Bacchus trank auch.

Zielwasser für die Schützen

Kaum ist die Genussmeile vorbei, stehen auch schon die Schützen bereit. Und Schützenfest ohne Zielwasser? Undenkbar.

Oberbürgermeister Heiko zapft das Hochstift an – zum Neid mancher Münchner Oktoberfestfassbieranzapfer offenbar mit nur einem Schlag. Prost! Oans, zwoa, gsuffa! Und während man auf Hawaii vergeblich nach Bier sucht, gilt in Fulda: Hier gibt es welches.

Doch auch damit ist der Durst noch längst nicht gestillt. Das Stadtfest folgt. Und wer jetzt noch glaubt, in Fulda werde nur gegessen, der hat die Rechnung ohne die Sänger gemacht. Trink, trink, Brüderlein, trink – schließlich regiert das Trinken, wie das alte Lied schon weiß, die Welt.

Nur eines sollte man dabei nicht vergessen: Champagner kann man trinken. Bezahlen muss man ihn allerdings auch.

Vom Bier zum Wein

Kaum ist das Stadtfest verklungen, wartet schon die nächste Versuchung: das Weinfest. Nach dem Motto: Jetzt trink mer noch a Flascherl Wein, hollariaho.

Das bringt nicht nur die Weinfreunde auf Touren, sondern offenbar auch die Narren. Mit „In Foll müsst immer Foast sei“ beginnt die närrische Vorfreude diesmal schon deutlich vor dem 11.11. Die Narrenkappe kann noch im Schrank bleiben – gefeiert wird trotzdem. Ramba Zamba in Fulda, da wackelt notfalls auch der Dom.

Und wenn man glaubt, danach müsse doch irgendwann Schluss sein, kommt der Weihnachtsmarkt.

Glühwein statt Glögg

Erbsensuppe, Bratwurst und natürlich Glühwein. Dazu der Coca-Cola-Weihnachtsmann, den es eigentlich gar nicht gibt und der trotzdem jedes Jahr zuverlässig auftaucht. Dazu Lichter, Budenzauber und weihnachtliche Stimmung.

Aber halt!

Bevor das Jahr endgültig zu Ende geht, darf eine Institution keinesfalls vergessen werden: der akademische Frühschoppen.

Gaudeamus igitur, iuvenes dum sumus. Lasst uns, weil wir jung sind, des Lebens freuen. So klingt es aus den Kehlen der Jungfüchse und Alten Herren. Und auch die weniger akademische Wahrheit wird besungen: „Gebt uns Wein für Wasser.“

Damit wäre der Jahreskreis eigentlich geschlossen.

Eigentlich.

Denn wenn im nächsten Jahr am Aschermittwoch die Foaset in Foll endgültig zu Ende geht, erklingt die letzte, ernüchternde Zeile von „Brüderlein, trink“:

„Keinen Tropfen im Becher mehr und der Beutel schlaff und leer …“

Dann ist sie da, die große Stunde der Wahrheit.

Und doch wird mancher Fulder am Ende vermutlich zufrieden zurückblicken und sagen:

„Gut, dass mer’s gemacht honn.“

Meint der vom „Duurf“. +++


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