Fuldaer Caritas begrüßt Landesstrategie zur Prävention und Bekämpfung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit

Auf dem Fuldaer Bahnhofsvorplatz hat die AG Wohnungsnotfallhilfe am Tag der wohnungslosen Menschen auf die Situation Betroffener aufmerksam gemacht (v.l.): Daniela Drilling (Stadt Fulda), Susanne Maul (Aidshilfe), Janina Wübbelsmann (Caritas), Annika Ettrich (Caritas und Bahnhofsmission), Maike Knorn (Landkreis Fulda) und Stefan Mölleney (Stadt Fulda) Foto: A.-K. Jehn

Pünktlich zum Tag der wohnungslosen Menschen hat die hessische Landesregierung die in ihrem Koalitionsvertrag angekündigte Landesstrategie gegen Wohnungs- und Obdachlosigkeit vorgelegt. Die Caritas im Bistum Fulda als Mitglied der Liga der Freien Wohlfahrtspflege begrüßt die neue „Landesstrategie Hessen zur Prävention und Bekämpfung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit“. Aus Sicht von Caritas und Liga fehlen aber konkrete Aussagen zu bezahlbarem Wohnraum und Mindeststandards für Notunterkünfte, wie es einer Mitteilung hervorgeht.

„Rund 32.500 Menschen in Hessen und etwa eine halbe Million in ganz Deutschland sind ohne festen Wohnsitz. Für die Wohnungslosen ist es täglich ein neuer Kampf, einen geeigneten Schlafplatz zu finden – sei es in Unterkünften der Freien Wohlfahrtspflege oder privat“, lässt sich der Fuldaer Diözesan-Caritasdirektor und Vorsitzende der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Hessen, Dr. Markus Juch, in einer Mitteilung zitieren.

Der aktuelle Statistikbericht der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) zeige zudem, dass die Wohnungsnot im Alter dramatisch zunehme. Immer mehr Menschen über 50 Jahre seien auf Hilfen in Wohnungsnotfällen angewiesen, bleiben länger wohnungslos und litten besonders unter gesundheitlichen Belastungen sowie sozialer Isolation. Die Caritas im Bistum Fulda bietet mit ihren Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe in Fulda und Hanau sowie den Bahnhofsmissionen in Fulda und Kassel Entlastung für die Betroffenen. Aber diese Angebote allein lösten das Problem nicht grundlegend.

Am Tag der wohnungslosen Menschen hat die AG Wohnungsnotfallhilfe Fulda auf dem Fuldaer Bahnhofsvorplatz auf die Situation der Wohnungslosen aufmerksam gemacht – unter anderen mit Akteuren der Caritas. Auch hierbei wurde deutlich: Es braucht verlässliche Strukturen, um Menschen in Not nachhaltig helfen zu können.

Im Papier der Landesregierung fehle daher aus Sicht der Wohlfahrtsverbände vor allem die Verbindlichkeit. Die Strategie ist bewusst landesweit angelegt: Eine Sonderstrategie für Frankfurt lehnt sie ausdrücklich ab und nimmt auch Dörfer und Kleinstädte in den Blick, in denen Wohnungslosigkeit weniger sichtbar ist. Sie bündelt die Arbeit mehrerer Ressorts. Sechs Modellprojekte nach dem Prinzip „Housing First“ stellen Betroffenen zuerst eine eigene Wohnung zur Verfügung und bauen die weitere Unterstützung darauf auf.

Die Wohlfahrtsverbände in der Liga Hessen vermissen eine klare Zielsetzung. Die Strategie führe den Mangel an günstigem Wohnraum selbst als Hauptursache an, benenne aber nicht, wie viele Sozialwohnungen Hessen benötigt und bis wann sie zur Verfügung stehen sollen. „Sie berichtet lediglich, was bisher gefördert wurde. Offen bleibt zudem, wer die Wirkung der Maßnahmen überprüft und wann darüber öffentlich berichtet wird“, heißt es in der Mitteilung der Caritas in der Diözese Fulda weiter.

Ein weiterer Kritikpunkt betreffe die Notunterkünfte. „Es ist zwar klar geregelt, dass Menschen, die wohnungslos werden, Anspruch auf eine Unterbringung in der Kommune haben. Die Ausgestaltung obliegt jedoch den Städten und Kommunen, was zu großen regionalen Unterschieden führt“, ergänzt Nadine Schupp, Referentin für Wohnungslosenhilfe bei der Caritas im Bistum Fulda.

Die Liga Hessen hält deshalb drei Ergänzungen für erforderlich: Nötig sind überprüfbare Ziele für bezahlbaren Wohnraum mit klaren Zeitmarken, landesweite Mindeststandards für die Notunterbringung und eine regelmäßige öffentliche Statistik, die auch die Menschen auf der Straße und in verdeckter Wohnungslosigkeit erfasse. +++


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