In der Gemeinde Petersberg sorgt die künftige Energieversorgung des zu renovierenden Freibads Waidesgrund für politische Diskussionen. Die Gemeindevertretung entschied in ihrer Sitzung am 23. September 2026 mehrheitlich, bei der Beheizung des Bades auf eine Kombination aus Gaskessel, Solarthermie und Photovoltaik zu setzen, statt eine reine Wärmepumpe zu installieren. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen kritisierte diesen Beschluss umgehend als klimapolitischen Rückschritt und warnt vor langfristigen Kostensteigerungen. Dem tritt die Fraktion FDP-Bündnis-C entgegen und verteidigt die Mehrheitsentscheidung mit Verweis auf die wirtschaftliche Realität und die angespannte Haushaltslage der Gemeinde.
Nach den vorliegenden Zahlen und Berechnungen unterscheidet sich die wirtschaftliche und ökologische Bewertung der Systemvarianten deutlich. Laut einer Untersuchung des Ingenieurbüros Möller + Meyer lägen die jährlichen Energiekosten bei einer Wärmepumpenlösung mit etwa 16.440 Euro zwar am niedrigsten. Dem stehen jedoch Anfangsinvestitionen von rund 470.000 Euro gegenüber, wovon allein 150.000 Euro für eine neue Transformatorenanlage aufgewendet werden müssten. Die gewählte Variante mit Gaskessel, Solarthermie und PV-Anlage soll sich hingegen bereits nach knapp sieben Jahren amortisieren. Aus Sicht der Grünen, unter Verweis auf Berechnungen der CWE-Fraktion, hätte eine Wärmepumpenlösung jedoch jährlich zwischen 64 und 75 Tonnen CO2 einsparen können.
Die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Kira Klüber bezeichnete den Beschluss als Enttäuschung für Bürger, die sich für Klimaschutz einsetzen, und kritisierte, dass Petersberg als selbsternannte Klimakommune auf die Technik von gestern setze. Die zugrundeliegende Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Ingenieurbüros bewertete sie als unzureichende überschlägige Voruntersuchung. Katrin Wczasek, Gemeindevertreterin der Grünen und Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz und Landwirtschaft (UKL), verwies zudem auf Risiken durch künftige Preissteigerungen beim Gas, den ab 2028 greifenden CO2-Zertifikatehandel sowie die absehbare Beimischung von teurem Bio-Erdgas, die die Gasvariante zur Kostenfalle für Steuerzahler machen könnten.
Über die reine Beheizung hinaus lehnten die Gemeindevertreter mehrheitlich einen weiteren Antrag der Grünen ab. Dieser sah vor, den Parkplatz am Freibad mit einer aufgeständerten Photovoltaikanlage zu überdachen, um Strom für E-Ladesäulen und die Eigennutzung des Bades zu erzeugen. Zur Finanzierung schlugen die Grünen die Gründung einer regionalen Bürgerenergiegenossenschaft vor. Klüber argumentierte, dass die Fläche nicht mehr als Festplatz genutzt werde, bereits versiegelt sei und eine Verschattung für Fahrzeuge der Badegäste biete.
Die Fraktion FDP-Bündnis-C weist die Kritik der Grünen strikt zurück. Prof. Dr. Thomas Stegmann von der FDP betonte, dass Klimaschutzmaßnahmen an wirtschaftliche Fakten und Finanzierungsmöglichkeiten gebunden seien, die extrem teure Projekte derzeit im Gemeindehaushalt nicht zuließen. Die Berechnung des Ingenieurbüros Möller + Partner sei seriös und fuße auf aktuellen Fakten. Den Vorschlag für die Parkplatzüberdachung bezeichnete Stegmann als nicht seriös finanzierbare „Monsteranlage“, die zudem die Interessen der Anwohner missachte. Stegmann warf den Grünen in diesem Zusammenhang ideologische Arroganz vor und verwies auf die Belastung der Bürger durch steigende Lebenshaltungskosten. Dabei zitierte er einen Beitrag von Torsten Henke aus der Fuldaer Zeitung vom 14. August 2026, wonach die Menschen nicht den Klimaschutz satt hätten, wohl aber eine Politik, die als zu teuer, kompliziert und schlecht gemanagt wahrgenommen werde. Während FDP-Bündnis-C den Beschluss der Gemeindevertretung als pragmatisch und bürgernah einstuft, kündigten die Grünen an, sich weiterhin in Petersberg für eine konsequente Umsetzung der Klimaschutzziele einzusetzen. +++
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