Forsa-Chef: Mit Söder hätte Union mehr als 30 Prozent geholt

Das ist ein Riesenabsturz

Markus Söder (CSU)

Mit Markus Söder als Kanzlerkandidaten hätte die Union nach Forsa-Angaben bei der Bundestagswahl mehr als 30 Prozent der Stimmen bekommen. Das zeigten Nachwahlbefragungen unter 5.000 Wahlberechtigten, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner ntv.de. Ein Viertel der Wähler anderer Parteien hätte darin angegeben, dass sie „ganz sicher“ Union gewählt hätten, wenn der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Kanzlerkandidat gewesen wäre.

Die Bindekraft von CDU-Chef Armin Laschet sei dagegen „extrem niedrig“. 2017 habe nur die Hälfte der Wähler von CDU und CSU angegeben, sie würden die Union auch ohne Angela Merkel als Kandidatin „in jedem Fall“ wählen. Der einzige Kandidat, der die andere Hälfte gebunden hätte, sei Söder gewesen, so Güllner. Die Union sei deshalb nicht mit einem „blauen Auge“ davongekommen, sondern habe einen regelrechten Absturz erlebt. „Es ist ein Desaster.“ Dabei müsse berücksichtigt werden, dass der erste Einbruch in der Wählersubstanz der Union schon in der Ära Helmut Kohls zu verzeichnen gewesen wäre. „1983 hatte Helmut Kohl noch 43 Prozent der Wahlberechtigten gewonnen und nach 16 Jahren waren es nur noch 28 Prozent aller Wahlberechtigten. Auf diesem Niveau hat Merkel das bürgerliche Lager, wenn man die Stimmen von CDU/CSU und FDP zusammenrechnet, gehalten. Es waren immer rund 20 Millionen, die eine der drei Parteien gewählt haben. Jetzt hat Laschet sozusagen den nächsten Bruch vollzogen.

Das ist ein Riesenabsturz, der jetzt passiert ist. Das kann man nicht als „blaues Auge“ verharmlosen.“ In den Grünen sieht der Forsa-Chef auch mittelfristig keine Partei, die auf Augenhöhe mit Union und SPD operiert. „Nein, die Grünen sind nach wie vor keine Volkspartei“, so Güllner. Ein Grund dafür sei auch der jetzt wieder sichtbar gewordene „Riesenunterschied“ zwischen Ost und West. „Im Osten ist außer in den beiden urbanen Metropolen Leipzig und Dresden kein grünes Milieu entstanden. Die Grünen sind nach wie vor eine Klientelpartei für die oberen Bildungs- und auch Einkommensschichten. 32 Prozent der Beamten haben vor der Wahl gesagt, sie wollen Grün wählen. Sie sind weit davon entfernt eine Volkspartei zu sein, die alle Schichten des Volkes, was eine Volkspartei ja ausmacht, binden kann.“ Er glaube auch nicht, „dass sie auf dem Weg sind“. Zwar verzeichne Deutschland eine weitere Zunahme der höheren Bildungsabschlüsse. Potenzial sei da für die Grünen durchaus vorhanden. „Aber Volkspartei würde man nur, wenn man über diese Schichten hinaus auch Wähler binden würde.“ Dies sei „noch lange nicht der Fall“. +++

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1 Kommentar

  1. In Bayern laufen Söder gerade seine CSU-Wähler in bisher nie gekanntem Ausmaß in Scharen davon! Söder möchte die Verantwortung hierfür gerne bei anderen verorten! Was für eine beispiellose Verantwortungslosigkeit!

    Und im übrigen, dass Söder der bessere Unions-Kanzlerkandidat gewesen wäre, ist ein – maximal CSU-Herzen rührendes – Märchen. Nach wie vor will die Mehrheit der Deutschen nicht von der Amigo-, Verwandten-Affären und Abgeordneten-Schmiergeld-Hochburg München aus regiert werden!

    Zur aktuellen Unbeliebtheit der CSU paßt auch, dass sie die ersten drei Plätze ihrer Landesliste zum Bundestag mit Dobrindt, Bär und Scheuer bestückt hat: mehr politische Bankrotterklärung geht nicht!

    Söder kann darüberhinaus auch nicht Wahlkampf!
    Das hatte er zuletzt bei der Landtagswahl in Bayern bewiesen.
    Das bewies er jetzt in der Bundestagswahl.
    Söder garantiert nachhaltige, zweistellige Wählerverluste!

    Ausschlaggebend waren bzw. sind dabei auch Eigenschaften, die zuerst Seehofer an Söder entdeckt hatte: ein schlechter Charakter und ein Hang zu Schmutzeleien!
    Diese Charaktereigenschaften hat Söder im aktuellen Wahlkampf – nicht zuletzt in seinem Wettbewerb mit Laschet um die Kanzlerkanidaten-Kandidatur der Union – erneut herausgestellt. Auch diese Söder-Auftritte haben offensichtlich nachhaltigen Eindruck bei den Wählern hinterlassen.

    Ehrlich gesagt: SPD und Grüne hätten gar keine Kanzlerkandidaten aufstellen müssen. Söder hätte auch so Laschet demontiert!

    Was Söder dabei übersehen hat: dass die CSU dabei in Deutschland zur Provinzpartei degradiert wird!

    Zusammenfassend ist die Union in ihr altes Wahlkampfmuster verfallen, was offensichtlich nicht mehr zieht:

    Die Union versuchte es mit allen Mitteln, dem Land den besten Kanzler vorzuenthalten und ihren Machterhalt herbeizuschummeln:
    Schmutz, Lügen, rote-Socken-Alarmismus, Tricksen, unfaire Diskussionskultur, Hinterzimmer-Absprachen … usw.!

    Nur eines kann die Union nicht: mit Fakten, Inhalten und Köpfen die Wähler überzeugen!

    Was die Union noch kann:
    – den Wählern vorzuenthalten, was CDU und CSU für Sammelbecken von geldgeilen, korrupten, dem Lobbyismus verfallenen Politikern sind!
    – den Wählern zu verheimlichen, dass vorwiegend ihre Blockadepolitik der letzten 16 Jahre für den Niedergang Deutschlands (Infrastrukturen, Bildung, Digitalisierung, Klimaschutz, gesellschaftliche Spaltung mit mangelndem Respekt, soziale Schieflage, …) verantwortlich ist!
    – den Wählern vorzugaukeln, dass sie auch gegen den Extremismus von Rechts mit aller Härte vorgeht (letzte Beispiele: Querdenken-Anhänger ermordet jungen Mann in Idar-Oberstein, Justiz-Possen um „Hängt Grüne“-Plakate in Zwickau, Leichen-Installation in Würzburg)! Aber Sicherheit als oberste Priorität heucheln!

    Da paßt es gut, dass Horst Seehofer in Zusammenhang mit diesen drei Ereignissen in Idar-Oberstein, Zwickau und Würzburg in der SZ vom 23.9.2021 – wohl auch zur Entlastung seiner eigenen Versäumnisse – dem Parlament vorwirft, dass es drei von der GroKo eingebrachte sicherheitsrelevante, eigentlich dringend notwendige Gesetzesintitiativen gegen Hasskriminalität, für eine wehrhafte Demokratie und Untersagung von rassistischer Diskriminierung sowie eine Verschärfung des Waffengesetzes blockiert hätte! Verschwiegen hat Seehofer, dass es seine CDU/CSU-Fraktion war, die diese Blockade betrieben hatte. Warum macht Seehofer das? Weil sein berechtigter, gegen Söder einst gerichteter Vorwurf eines schlechten Charakters und eines Hangs zu Schmutzeleien auch bei ihm besonders ausgeprägt ist? Weil er nochmals deutlich machen will, wer die eigentlichen Blockierer in der GroKo waren?

Demokratie braucht Teilhabe!