FDP Fulda: Rückbenennung der Johannes-Dyba-Allee wäre ein Zeichen von Verantwortung gewesen

Die Entscheidung der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung, die Johannes-Dyba-Allee in Kastanienallee zurückzubenennen, ist am Montagabend, 7. September 2026, gescheitert. Die FDP Fulda bedauert das Ergebnis. Die beiden FDP-Stadtverordneten stimmten für die Umbenennung. Aus Sicht der Freien Demokraten wäre die Rückkehr zum historischen Namen ein Zeichen von Verantwortung und ein angemessener Umgang mit der jüngeren Geschichte der Stadt gewesen.

Im Mittelpunkt der Debatte stand nach Auffassung der FDP nicht die Frage, welche Rolle Johannes Dyba in der Fuldaer Stadtgeschichte gespielt hat. Diese Rolle solle weder verschwiegen noch aus dem historischen Gedächtnis getilgt werden. Entscheidend sei vielmehr die Frage gewesen, ob eine prominente Straße unmittelbar am Dom weiterhin nach einer Person benannt sein sollte, deren Amtszeit heute vor dem Hintergrund des Berichts zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda kritisch bewertet werden müsse.

Damit verschiebt die FDP den Blick von der historischen Person auf die institutionelle Verantwortung. Der Abschlussbericht zur sexualisierten Gewalt im Bistum Fulda habe ein erschütterndes institutionelles Versagen offengelegt. Auch wenn keine persönliche Beteiligung Johannes Dybas an Missbrauchstaten nachgewiesen worden sei, bedeute dies aus Sicht der Liberalen nicht, dass ein früherer Bischof von der Verantwortung für Strukturen, Entscheidungen und Unterlassungen innerhalb seines Verantwortungsbereichs entbunden sei. „Wer Verantwortung trägt, hat auch die Pflicht, hinzusehen“, sagt Ramona Sachtleber, Vorsitzende des FDP-Stadtverbands Fulda.

Die Rückbenennung in Kastanienallee wäre nach Auffassung der FDP deshalb ein angemessener, sachlicher und würdiger Weg gewesen. Die Straße habe bereits früher diesen Namen getragen. Eine Rückkehr zum historischen Namen hätte nach Darstellung der Liberalen somit keine neue Benennung mit einer zusätzlichen politischen Botschaft bedeutet, sondern eine Rückkehr zu einer früher bestehenden Bezeichnung. Gerade darin sieht die FDP einen entscheidenden Unterschied. Die Rückbenennung hätte aus ihrer Sicht nicht polarisiert, sondern eine klare Gewichtung vorgenommen: Fulda stelle die Perspektive der Betroffenen über die fortgesetzte öffentliche Ehrung kirchlicher Amtsträger.

Auch das häufig angeführte Argument des praktischen Aufwands lässt die FDP nicht gelten. Der Aufwand einer Rückbenennung wäre aus ihrer Sicht überschaubar gewesen. An der kurzen Straße gebe es keine Anwohnerinnen und Anwohner, die beispielsweise Ausweise, Briefköpfe oder Geschäftsdaten hätten ändern müssen. Gerade deshalb wäre die Rückkehr zum Namen Kastanienallee nach Auffassung der Freien Demokraten ein verhältnismäßiger Schritt gewesen – eindeutig in der Haltung, zugleich aber ohne unnötige Bürokratie.

Politisch beschäftigt die FDP darüber hinaus die Frage, wie die Mehrheit zustande gekommen ist. Die Liberalen nehmen nach eigenen Angaben zur Kenntnis, dass die Ablehnung der Rückbenennung durch die Stimmen der CDU-Fraktion, der AfD-Fraktion und von Bündnis C zustande kam. Darin sieht die FDP Anlass, grundsätzlich über den Umgang demokratischer Fraktionen mit solchen Mehrheitsverhältnissen zu diskutieren.

Gerade bei erinnerungspolitischen Entscheidungen, die historische Verantwortung und den Umgang mit Betroffenen berühren, müsse das Abstimmungsverhalten politischer Akteure nachvollziehbar bleiben. Die FDP verbindet damit eine grundsätzliche Forderung nach Transparenz und politischer Verantwortung. Ein von der CDU vorgeschlagenes Mahnmal für Betroffene sexualisierter Gewalt bewertet die FDP dabei nicht grundsätzlich negativ. Ein solches Mahnmal könne sinnvoll sein. Es könne jedoch aus Sicht der Freien Demokraten nicht die Frage beantworten, ob eine bestehende öffentliche Ehrung weiterhin angemessen ist. Beides müsse vielmehr nebeneinander betrachtet werden können. „Ein Mahnmal für Betroffene und eine kritische Überprüfung von Straßennamen schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Beides gehört zu einer ehrlichen Erinnerungskultur“, heißt es von der FDP.

Damit berührt die Debatte einen größeren Konflikt, der über den konkreten Straßennamen hinausweist. Erinnerungskultur besteht nicht allein darin, neue Gedenkorte zu schaffen. Sie stellt ebenso die Frage, welche Namen und Symbole im öffentlichen Raum weitergeführt werden und welche Bedeutung ihnen dadurch gegeben wird. Ein Mahnmal kann an das Leid der Betroffenen erinnern. Ein Straßenname kann zugleich eine Person dauerhaft im Stadtbild verankern. Die Frage, wie diese beiden Formen des öffentlichen Erinnerns zueinander stehen, lässt sich deshalb nicht allein durch das eine oder das andere beantworten.

Die FDP sieht zudem Nachholbedarf bei der öffentlichen Zugänglichkeit der Informationen, die solchen Entscheidungen zugrunde liegen. Die Debatte um die Johannes-Dyba-Allee habe gezeigt, wie wichtig Transparenz und ein dauerhaft nachvollziehbarer Zugang zu den maßgeblichen Informationen seien. Wenn eine Stadt über öffentliche Ehrungen im öffentlichen Raum entscheide, müssten die Grundlagen dieser Entscheidungen dauerhaft, leicht auffindbar und nachvollziehbar zugänglich sein. Aufarbeitung dürfe nicht hinter verschlossenen Türen enden, lautet die Schlussfolgerung der FDP.

Die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung ist damit zwar gefallen. Die politische und gesellschaftliche Diskussion über den Umgang mit der Geschichte des Bistums und mit der Erinnerung an sexualisierte Gewalt dürfte jedoch weitergehen. Denn die Frage, wie eine Stadt mit belasteten Kapiteln ihrer Geschichte umgeht, lässt sich nicht allein durch einen Abstimmungsabend beantworten. Sie zeigt sich auch darin, welche Konsequenzen aus Erkenntnissen der Aufarbeitung gezogen werden und welchen Platz Betroffene in der öffentlichen Erinnerung erhalten.

Für die FDP Fulda bleibt deshalb die Überzeugung bestehen, dass die Rückbenennung der Johannes-Dyba-Allee in Kastanienallee das richtige Zeichen gewesen wäre. Eine Erinnerungskultur, die Verantwortung ernst nehme, dürfe nach Auffassung der Liberalen nicht verdrängen. Sie müsse bereit sein, historische Ehrungen ebenso zu hinterfragen wie die eigenen politischen Entscheidungen. Genau darin sieht die FDP die eigentliche Bedeutung der gescheiterten Rückbenennung.

Fulda brauche eine Erinnerungskultur, die nicht verdrängt, sondern Verantwortung übernimmt. Die Rückbenennung in Kastanienallee wäre dafür aus Sicht der FDP das richtige Zeichen gewesen. +++


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