Der 3. Oktober als wichtigster deutscher Feiertag erinnert an das Wunder der Wiedervereinigung – ein Tag der Freude, des Dankes und der Einkehr. Welcher Ort könnte dafür eine eindringlichere Symbolkraft besitzen als die Gedenkstätte Point Alpha an der ehemaligen innerdeutschen Grenze? Unter dem Leitgedanken „Was hält die Welt zusammen?“ versammelten sich dort am Donnerstag tausende Besucher zum 36. Tag der Deutschen Einheit, um gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst zu feiern und anschließend ein vielfältiges Familienfest zu genießen.
Eindringlicher Appell für die Menschlichkeit
In der vollbesetzten Fahrzeughalle des ehemaligen US-Camps hielt Abt Dr. Nikodemus C. Schnabel OSB die Festpredigt. Der gebürtige Fuldaer, der seit mehr als zwei Jahrzehnten im Heiligen Land lebt und dort die Dormitio-Abtei in Jerusalem sowie das Priorat in Tabgha leitet, zog direkte Parallelen zwischen den heutigen Krisenherden im Nahen Osten und der historischen Konfrontation des Kalten Krieges.
Angesichts weltweiter Konflikte und zunehmender Polarisierung stellte der Benediktiner die radikale Frage, ob es sich lohne, für eine Nation, einen Politiker oder Befehlshaber zu leben oder zu sterben. Seine Antwort fiel eindeutig aus: Nein. Wenn überhaupt, lohne es sich nur für die Freiheit zu sterben. Die eigentliche Berufung des Menschen liege jedoch woanders: Gott allein habe das letzte Wort über das Leben.
„Der Mensch ist nach dem Abbild Gottes geschaffen. Das ist es, was die Welt zusammenhält – unfassbar kostbar über alle Konfessionen hinweg“, betonte der Festprediger. Dieser Gedanke schließe ein, dass auch der Feind wieder als Mitmensch gesehen werden müsse und Schwache sowie Verletzliche Schutz erfahren. Schnabel plädierte damit eindringlich für Güte, Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Gerechtigkeit.
Bereits zu Beginn des Gottesdienstes hatte Superintendent Christoph Ernst vom Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach in das Thema eingeführt. In einer Zeit zunehmender Abgrenzung und Überforderung machte er den Anwesenden Mut: Glaube, Nächstenliebe, Gottvertrauen und menschlicher Zusammenhalt seien das Fundament, das ein Auseinanderbrechen der Gesellschaft verhindere.
Geschichtsort von unschätzbarem Wert
Begrüßt wurden die Gäste vom Geschäftsführenden Vorstand der Stiftung Point Alpha, Benedikt Stock, der die historische Tragweite des Ortes unterstrich: „An einem besonderen Ort, wo einst eine nahezu unüberwindbare Grenze Menschen voneinander trennte, können wir heute in Frieden und Freiheit zusammenkommen.“ Stock dankte den zahlreichen Helfern, Sponsoren und dem Förderverein für ihren Einsatz.
Unter den Ehrengästen befanden sich unter anderem Rasdorfs Bürgermeister Jürgen Hahn, Hünfelds Bürgermeister Benjamin Tschesnok, die Thüringer Landtagsabgeordnete Ulrike Jary, Michael Anderson von der U.S. Army Wiesbaden sowie Raymond Walk, der Vorsitzende des Fördervereins Point Alpha.
Buntes Programm für die ganze Familie
Im Anschluss an den offiziellen Teil verwandelte sich das US-Camp in ein belebtes Festgelände. Das Team des „Blackhorse Inn“ versorgte die Besucher mit regionalen Spezialitäten und Getränken, während die Stadtkapelle Geisa und der Musikverein Motzlar für den passenden musikalischen Rahmen sorgten.
Auch für die jüngsten Gäste geboten: Neben einer Hüpfburg sorgte der Circus Ikarus mit verschiedenen Mitmach-Spielen für Begeisterung. Ein besonderes Highlight waren Hubschrauber-Rundflüge, die den Passagieren die Ausmaße der ehemaligen Grenzanlagen und den heutigen ökologischen Wert des Nationalen Naturmonuments „Grünes Band“ eindrucksvoll aus der Vogelperspektive verdeutlichten.
Tausende Besucher nutzten den Tag zudem für Streifzüge durch die Museen im „Haus auf der Grenze“, die US-Baracken, das Freigelände und den „Weg der Hoffnung“ oder schlossen sich den fachkundigen Führungen des Point-Alpha-Teams an. Vorstand Benedikt Stock zog am Ende ein rundum positives Fazit einer lebendigen Feier, die Raum für Begegnung, Gedenken und frohes Miteinander bot. +++
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