Ein fast perfekter Abend in Eiterfeld

St eiterfeld

Imposantes Teilnehmerfeld: 350 Leute waren „auf Sprizztour“ in Eiterfeld – ein Weckruf, der die Gesellschaft im Innern, im Herz und am Nerv trifft. Mag sein, dass es lediglich eine kleine Episode am Rande war. Mag aber auch sein, dass sie eben jenes Gefühl ausdrückt, was Idee und Veranstaltung ausmachen und in sich tragen. Eine Teilnehmerin aus Fulda erzählte eher beiläufig, ob es denn auch in Eiterfeld Möglichkeiten gebe, um zu übernachten. Dann könne sie schließlich auch etwas trinken. Vorsorglich buchte sie für die eine Nacht etwas im nahen Hünfeld. Dann halt im nächsten Jahr, möchte man sagen.

In dieser kleinen Anekdote sind indessen auch Idee und Impuls der Sprizztour versteckt: sich sportlich zu betätigen, in angenehmer Runde, Geselligkeit und einem Stückchen Wohlfühl-Oase unbeschwert zu kommunizieren und Gespräche zu führen – das Etikett „chillen“ ist ja Usus im Sprachgebrauch, hat aber mit deutscher Sprache wenig zu tun -, und, vielleicht das Wegweisende und Entscheidende: einfach nach der Arbeit etwas für Psyche und Seele zu tun. Man könnte auch sagen: Das ist genau ein Format, das eine Zielgruppe packt. Und irgendwie fühlt man, die Zielgruppe wird immer größer.

Nahezu unglaubliche 350 Personen – oder auch ein paar mehr – begaben sich am Vorabend des Fronleichnamstages auf die Sieben-Kilometer-Strecke – in verschiedenen Etappen. In unzähligen Gruppen. Einige kamen aus dem nahen Steinbach, andere nannten sich „Hutzdorfer Weiber“. Schließlich soll die Sprizztour Appetit wecken auf den VorderRhöner am 12. September. Fast verdreifacht hatte sich die Zahl der Teilnehmer gegenüber dem Vorjahr, als die Frauen des veranstaltenden VfL Eiterfeld die Idee erstmals anboten und umsetzten. Wie auch immer: Auch die Sprizztour scheint zu einem echten Magneten oder Anziehungspunkt der osthessischen Region geworden zu sein. Und Carolin Scheffer aus der fast 20-köpfigen „Planungsgruppe des VorderRhöner“ war begeistert und fiel beinahe aus allen Wolken. „Es war wirklich ein gelungener Abend“, sagte sie. Einige Einheimische kamen nach den Starts noch nach, Anna Cybulsky und Katrin Kramer schlossen und machten am frühen Morgen gegen vier Uhr des folgenden Fronleichnamstages dicht.

In drei Startfenstern hatten die Teilnehmer Gelegenheit, den Start unter die Füße aufzunehmen. So sagte Scheffer, die in der Phase der Vorbereitung so manches Mal ihr Herz anzapft, um exakt 18.33 Uhr: „Wer will, darf jetzt starten. Ein kleiner Anstieg ist mit eingebaut in die Strecke. Aber sonst ist es ein chilliges Gelände.“ Auch ein Augenzwinkern schien darunter. Das hatte sich auf ihre Seele gesetzt. Die Stimmung überhaupt war sehr gelöst. Unfassbar gelöst. Entspannt und gelöst. Schon zuvor. So, als wollte sie das Teilnehmerfeld mit auf die Strecke nehmen.

So war die gesamte Familie Kister im Einsatz. Beide Töchter von Mutter Christina kümmerten sich um den Social-Media-Auftritt bei Facebook, Insta und Co. So beflissen, ehrgeizig und aktuell, dass erste Bilder alsbald erschienen und abrufbar waren. Und die Organisation wie auch die Vorbereitung der üppigen Veranstaltung hängen natürlichen von der Zahl der Teilnehmerzahl ab. Also: viele Teilnehmer – viel Arbeit für die Frauen der Planungsgruppe. Das ganze Jahr über sind sie in Action, die heiße Phase beginnt in den Sommerferien. Ehe die Tage vor dem Ereignis immer näher rücken. Die Strecke muss nochmals abgelaufen werden. Einkäufe müssen berechnet und getätigt werden, Gespräche mit Sponsoren gehen über die Bühne, mit dem Vorstand müssen Dinge besprochen und abgeklärt werden, was im Gesamten nötig und erforderlich ist – und nicht zuletzt muss festgelegt werden, wer an welcher Station zum Einsatz kommt. Abgesehen davon, dass das Feld der Teilnehmer, die sich möglichst online, das heißt auf der Homepage des Vereins anmelden sollten, im Blick behalten werden muss. Schließlich ist davon vieles abhängig.

Apropos Stationen. Auch bei der zweiten Auflage der „Sprizztour“ gab es deren drei. Station Eins war in Reckrod „An den Teichen“, als Getränk stand ein „Hugo“ bereit. Station Zwei war ebenfalls in Reckrod – direkt „bei Rehbergs“. Hier gab es einen „Wild Berry Lillet“, dessen Basis Waldfrüchte sind. Am Sportplatz wieder angekommen, war Station Drei aufgebaut. Als Lohn wartete hier der „Apérol Sprizz“. Es folgten geselliges Beisammensein, ungezwungene Kommunikation – und irgendwie der Wunsch nach mehr. Der Rahmen passte, zumal auch das Wetter mitspielte. Man habe gebibbert, fügte Caro Scheffer hinzu. Das aber hätte es eigentlich nicht gebraucht: Pünktlich um 18 Uhr ließ sich die Sonne blicken. Zumal deren Erscheinung und Strahlkraft Symbolwert hatte an diesem Abend.

Stichwort Abend. War es wirklich „ein Abend für die Frauen?“ Manche Männer mischen sich unter das Feld, und man hat den Eindruck, es werden immer mehr. Vielleicht „ein Abend von Frauen – für die Frauen“? Caro Scheffer und die Frauen der Planungsgruppe freuten sich vor allem über eines. „Der ganze Vorstand war da und hat uns geholfen.“ Und als wollte Stephen Petrich, der 1. Vorsitzende des gastgebenden VfL Eiterfeld, etwas zurückgeben, bedankte er sich am Nachmittag des folgenden Tages und vor dem Relegationsspiel-Spiel der Fußballer der SG Eiterfeld/Leimbach in der Verbandsliga Nord gegen die FSG Gudensberg übers Mikro bei den Frauen. Einsicht und Gewissheit scheinen unverrückbar: Da wächst etwas zusammen. Wenn es das nicht schon ist. Und Episoden am Rande kommen unzählige hinzu. Auch wenn sie noch so klein erscheinen. +++ rl


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