DGB-Chef strikt gegen bedingungsloses Grundeinkommen

Auch IG-Metall-Chef lehnt Grundeinkommen ab

Lohnabrechnung

Berlin. DGB-Chef Reiner Hoffmann ist strikt gegen die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens in Deutschland. „Menschen mit einer Stillhalteprämie aufs Abstellgleis zu stellen, weil ihnen keine Perspektive in der Erwerbsarbeit angeboten werden kann, ist keine Lösung“, sagte Hoffmann dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. „Der Ruf nach einem bedingungslosen Grundeinkommen ist eine absolute Fehlorientierung.“ Arbeit sei mehr als Broterwerb. Sie strukturiere den Alltag, sorge für Teilhabe und sozialen Zusammenhalt: „Alimentierung mit einem Grundeinkommen, bei dem niemand sagen kann, wie es finanziert werden soll, halte ich nicht für den richtigen Weg.“ Hoffmann sagte, es sei eine offene Frage, ob die Digitalisierung traditionelle Jobs vernichte, ohne dass in gleichem Maße andere entstehen würden. „Ich halte nichts von Katastrophenszenarien. Wir erleben einen fundamentalen Strukturwandel“, so der DGB-Vorsitzende. „Schon in den 70er-Jahren hieß es, Roboter und technologischer Fortschritt machen arbeitslos.“ Das sei jedoch kein Automatismus.

Auch IG-Metall-Chef lehnt Grundeinkommen ab

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann lehnt das bedingungslose Grundeinkommen strikt ab. „Weil die Menschen nicht glücklich sind, wenn sie daheim sitzen und alimentiert werden“, sagte Hofmann der „Heilbronner Stimme“ zur Begründung seiner Haltung. „Sie wollen arbeiten und das möglichst qualifiziert.“ Mögliche Auswirkungen der Digitalisierung und des Technologiewandels in der Automobilbranche dürften nicht auf die Gesellschaft abgeladen werden, sagte der Gewerkschafter im Vorfeld des 1. Mai. „Wir müssen uns bemühen, dass jeder Erwerbstätige auch in der Arbeitswelt von morgen eine Chance hat.“ Arbeitgeber, Gewerkschaften und die Politik sieht Hofmann hier in der Pflicht: „Sich da einfach vom Acker zu machen, ist nicht akzeptabel“, sagte er der Zeitung. Um die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen, brauche es klare Ansagen in der Sozialpolitik. Es könne nicht sein, dass Beschäftigte die durch den technologischen Wandel und die Globalisierung ihre Jobs verlören, „in die Mühle von Hartz IV geraten“, sagte er weiter. „Solange diese Angstgefühle nicht weg sind, die uns die Agenda 2010 tief implantiert hat, ist es extrem schwer zu sagen: Wir haben einen Sozialstaat, der fängt Euch auf, der gibt Euch Chancen auf Qualifizierung. Ihr müsst keinen sozialen Abstieg befürchten.“ Fakt sei, dass deutsche Unternehmen von der Globalisierung erheblich profitierten, sagte Hofmann weiter. Das Rezept des IG-Metall-Vorsitzenden gegen Tendenzen zur Abschottung in der Gesellschaft lautet: „Man muss den Menschen eine belastbare Sicherheit geben.“ Abschottung sei die falsche Alternative, „der Schutz vor Dumping, etwa vor staatlich subventionierten chinesischen Stahlimporten, muss allerdings sein“. +++

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