Der Wunsch, Essen zu gehen, wurde zum Spaziergang

Ohne Tischreservierung, hat man in Fulda kaum eine Chance!

Fulda. Es ist Freitagabend 18:30 Uhr und im Fernsehen läuft wieder einmal nichts Gescheites. Ein kurzer Blick zur Angebeteten, und schon ist man sich einig: Man könnte ja vielleicht mal wieder Essen gehen?! Gesagt, getan. Im auserwählten Restaurant angekommen, heißt es von Seiten der Bedienung: “Guten Abend. Haben sie reserviert?” Man entgegnet: “Nein!” Darauf die Bedienung: “Tut uns leid. Es ist leider alles schon reserviert.” „Ok, danke trotzdem und auf wiedersehen.“

Der erste Gedanke, der einem in den Sinn kommt: Naja, nicht so tragisch. Das nächste Mal dann halt doch besser reservieren. Man entscheidet sich für das Lokal nebenan… Nach nur wenigen Gehminuten, stehen wir vor dem zweiten, auserwählten Restaurant. Doch kaum zur Tür hereingekommen, lautet es von Seiten der Bedienung: “Guten Abend, ihr Name, bitte?” Etwas überrascht, dass man offensichtlich auch hier davon ausgeht, dass man reserviert hat, entgegnet man logischerweise auch hier: “Nein!” Wie schon im Restaurant davor, bedauert man auch hier: “Tut uns leid; Aber es ist leider schon alles reserviert!” Offensichtlich haben es sich heute Abend Einige überlegt, Essen zu gehen, schlussfolgerte man die Gegebenheiten. Wohin könnte man noch? Zum Japaner. Vor dem angesagten Restaurant angekommen, scheint es schon von außen – ganz so, als erwarte man auch hier – an diesem Abend – reichlich Gäste. Trotzdem. Ein Versuch ist es wert. „Sie haben reserviert?“ „Leider nein.“ „Tut mir leid, es ist alles reserviert.“ Man bedankt- und verabschiedet sich. Ganz nebenbei – fällt einem ein Paar auf, dass offensichtlich genauso auf der Suche nach einem Tisch ist, wie man selbst. Auch diese beiden werden weggeschickt. Blicke treffen sich und man seufzt. „Das ist heute Abend aber echt schwierig“, so die Dame.

Das Ganze hat sich dann noch einige Male wiederholt, bis man, nach gut einer Stunde Spaziergang durch die Innenstadt, in einer Bar gegenüber dem Stadtschloss angekommen war. „Guten Abend. Haben sie vielleicht noch einen Tisch für zwei?“ „Moment – da muss ich schauen…“ „…Bis 21:30 Uhr hätte ich einen Tisch für sie. Wenn ihnen das reicht?“ Spontan erinnert man sich an eine Aussage eines bekannten Fuldaer Politikers, der einmal sagte: „In Fulda ist es ja wohl kein Problem, abends einen Tisch zu bekommen.“ Jetzt möchte man sich fragen, in welches Restaurant dieser Herr seine Frau wohl zum Essen ausführt? Der Abend endete an der Theke in einer bekannten Fuldaer Bar für Cocktails und Longdrinks. Nur kurze Zeit später, sichtet man das Paar von vorhin. Sichtlich genervt, über die erfolglose Suche, nach einem Tisch, in einem guten Fuldaer Restaurant, nahm es ebenfalls an der Theke Platz. +++ – nh/ja

Zieherser Hof

6 Kommentare

  1. Für die Unterschicht oder diejenigen, die bezüglich warmes Essen abends nicht so anspruchsvoll sind gibts jede Menge Alternativen:

    – Pizzaservice (heutzutage kaum noch italienisch)
    – türkische oder kurdische Dönerbude
    – “Trumps” McDonalds aus USA
    – griechischer Imbiss (jassu!)
    – u.v.m.

    Da aber Restaurants der gehobenen Klasse auch in Fulda seit Jahren Mangelware sind und schon seit Jahrzehnten immer weniger Menschen mittags warm essen und dies dann gerne in den Abend verlegen, wo man auch nebenbei noch ungestörter ist als tagsüber, bleibt den Menschen, die abends gerne mal bei einem Essen Zeit miteinander verbringen möchten, wohl nur die o.g. Alternative “Billigjunkfood” oder das Ganze im Vorfeld mit Reservierung zu planen, was allerdings dann dem ganzen den Spass nimmt.

    Die Idee von n.frey wäre da auch eine interessante Option.

    Ganz nebenbei: warum gibts eigentlich in Fulda keinen Lieferservice für gehobene Ansprüche, also richtig gutes Essen, warm geliefert und evtl. sogar serviert vor Ort für ein romanisches Dinner zu zweit zuhause?

    Sind wir nun eine Marktwirtschaft, die Bedürfnisse erfüllt oder nicht?

    Na dann prost Mahlzeit! 😉

  2. Toller Beitrag! Denn dieser Wunsch, hat in Fulda sicher schon einigen, hungrigen Osthessen, zu einem Spaziergang verholfen. Eigentlich ja gar nicht so schlecht. Könnte die Stadt doch zu Ihrem Vorteil nutzten.
    Etwa so könnte es im Reiseführer stehen: Fuldas “Gesundheits-Gastronomie” sorgt dafür, dass Sie sich, liebe Gäste, schon vor dem Essen, ausreichend bewegen. Unser Motto: “Erst bewegen, dann gut und gesund essen” …

    Und so geht es: Suchen Sie ein Lokal Ihrer Wahl auf und fragen, wann ein Tisch frei ist. Rufen Sie danach mit ihrem Handy unsere App auf. Je nach Antwort, finden Sie in der App eine Route, die ihrer Zeitvorgabe entspricht. Wählen Sie einfach die verschiedenen Routen aus: Route 1 für 30 Minuten, Route 2 für 1 Stunde und Route 3, für 1,5 Stunden. Folgen Sie den Anweisungen, und entdecken Sie ganz nebenbei, die schönste Stadt Hessens. Viel Vergnügen wünschen die Fuldas Wirte und die Stadt!

    Man muss nur wissen, wie man mit negativen Dingen noch einen Vorteil rausholen kann, gelle …

  3. Dem ist nichts hinzuzufügen. Eine sehr authentische Geschichte, die ich selbst auch schön öfter erlebt habe. Aber in Fulda ist ja alles bestens. Schönste Stadt Hessens – was hat der HR hier nur für einen Müll verbreitet – und den schönsten Weihnachtsmarkt hat man angeblich auch. Schön, wenn man sich selbst so loben kann!

  4. Prima Artikel! In Fulda ist eben nicht alles heile Welt! Geht mir und meinem Mann auch oft so! Neulich erst waren wir unterwegs. Vom Wunschitaliener in der Innenstadt zum Kompromiss Lokal in der Nähe des Schlosstheaters …

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