Gleich mehrere Gründe zum Feiern hatte am Freitag die Fuldaer Brüder-Grimm-Schule. Die Schule erinnerte an ihre Namensgebung vor 55 Jahren, zugleich jährt sich in diesem Jahr der Umzug von der Abt-Richard-Straße ins Münsterfeld zum 30. Mal. Im Mittelpunkt stand jedoch ein Ereignis, auf das die gesamte Schulgemeinde besonders lange gewartet hatte: Nach fast vier Jahren sind die umfassenden Sanierungsarbeiten am Schulgebäude abgeschlossen.
Als i-Tüpfelchen kam das große Schulfest mit zahlreichen Attraktionen hinzu. Aus einem gewöhnlichen Schultag wurde damit ein Tag, an dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Schule zusammenkamen. Schulleiter Alexander Weidner konnte zur Feierstunde in der frisch renovierten Turnhalle zahlreiche Ehrengäste begrüßen. Unter ihnen waren Bürgermeister Dag Wehner und Stadtbaurat Daniel Schreiner, Vertreterinnen und Vertreter der städtischen Gremien und der Verwaltung sowie Britta Krönung vom Staatlichen Schulamt Fulda. Krönung hatte für die Schülerinnen und Schüler etwas Besonderes mitgebracht. Einen alten Aktenordner aus dem Schulamt, in dem die Dokumente zur bewegten Geschichte der Schule gesammelt sind, ergänzte sie durch eine Schreibmaschine. Auf einem solchen Gerät wurden die Briefe, die sich heute in den Akten befinden, früher geschrieben. Für viele Schülerinnen und Schüler war das ein kleines Stück Vergangenheit zum Anfassen – und entsprechend ein echtes Aha-Erlebnis.
11,5 Millionen Euro für die Sanierung
Bürgermeister Dag Wehner erläuterte bei der Feierstunde noch einmal die Dimensionen der abgeschlossenen Sanierung. Insgesamt hat die Stadt Fulda gut 11,5 Millionen Euro in das Gebäude investiert. „Mit dieser umfassenden Sanierung schaffen wir nicht nur ein sicheres und energetisch zeitgemäßes Gebäude, sondern sichern auch seine langfristige Nutzbarkeit. Digitalisierung, Brandschutz, Energieeffizienz und Barrierefreiheit wurden nachhaltig verbessert, und die Turnhalle ist ein echtes Schmuckstück geworden“, sagte Wehner. Die Arbeiten umfassten zahlreiche Bereiche des Schulgebäudes. Besonders kräftig musste die Stadt in die Dachkonstruktion investieren. Dort wurde zudem eine Photovoltaikanlage installiert. Hinzu kamen ein neues Heizungssystem, neue Fenster und teilweise auch Arbeiten an der Fassade.
Die technische Erneuerung war allerdings nur eine Seite des Projekts. Eine besondere Herausforderung bestand darin, dass die Bauarbeiten über einen Zeitraum von fast vier Jahren zu großen Teilen während des laufenden Schulbetriebs stattfinden mussten. Lärm, Schmutz und Einschränkungen gehörten damit für Schülerinnen und Schüler sowie für die Lehrkräfte über einen langen Zeitraum zum Schulalltag. Wehner richtete deshalb seinen besonderen Dank nicht nur an die beteiligten Planungsbüros und Firmen, sondern ausdrücklich auch an die Schulgemeinschaft.„Die Bauarbeiten mit Lärm und Schmutz fanden über vier Jahre hinweg zum großen Teil im laufenden Schulbetrieb statt. Aber Sie alle haben diese Herausforderungen gut gemeinsam geschultert!“, betonte der Bürgermeister. Dass sich die Schulgemeinde über das Ergebnis freut, war bei der Feier deutlich zu spüren. Zahlreiche Eltern waren zur Feierstunde gekommen. Noch stärker sichtbar wurde die Verbundenheit mit der Schule durch das Programm, das von den Schülerinnen und Schülern selbst gestaltet wurde.
Schülerinnen und Schüler gestalten die Feier
Die Grundstufe eröffnete das Programm mit dem Begrüßungslied „Schön, dass Du da bist“. Die Jugendlichen aus der Berufsorientierungsstufe präsentierten anschließend unter dem Titel „Superkraft: Schulgemeinschaft“ einen eigenen Beitrag. Die Mittelstufe führte das Theaterstück „Die Schatzkiste“ auf. Das Stück hatte bereits beim Hessentag und bei den Fuldaer Schultheatertagen Premiere gefeiert. Für Bewegung und musikalische Energie sorgte schließlich die Tanz-AG, die das Publikum mit fetzigen Melodien und Choreografien mitriss. Damit wurde bei der Jubiläumsfeier zugleich deutlich, worum es bei einer Schule jenseits von Gebäuden, Technik und Millioneninvestitionen geht: um die Menschen, die dort lernen, arbeiten und gemeinsam ihren Alltag gestalten.
Eine Schule mit Geschichte
Die Geschichte der Brüder-Grimm-Schule reicht weit zurück. Ihre Wurzeln liegen in der frühen Nachkriegszeit. Damals bestand noch eine gemeinsame Struktur mit der Pestalozzischule. Klassenräume waren unter anderem im heutigen jüdischen Gemeindezentrum in der Von-Schildeck-Straße untergebracht. Eine entscheidende Zäsur folgte 1970. Damals wurden die beiden Schulen aufgeteilt. Die „Sonderschule für Praktisch Bildbare“, die heute als Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung bezeichnet wird, führte den Namen Pestalozzischule weiter. Die „Sonderschule für Lernbehinderte“ erhielt den Namen Brüder-Grimm-Schule und trat fortan als eigenständige Schule auf. Anfang der 1970er Jahre erhielten beide Schulen an der Abt-Richard-Straße in unmittelbarer Nachbarschaft zur bereits vorhandenen Bardoschule jeweils einen Schulneubau. Die Gebäude waren nach den damaligen neuesten heilpädagogischen Gesichtspunkten geplant worden. Ein weiterer wichtiger Schritt folgte nach dem Abzug der US-Soldaten aus dem Kasernengelände an der Haimbacher Straße im Jahr 1994. Für die Stadt Fulda eröffnete sich damit die Möglichkeit, die Gebäude der ehemaligen „Elementary School“ zu erwerben. Da die Bardoschule dringend zusätzliche Räume benötigte, wurde ein Ringtausch angestoßen. Die Brüder-Grimm-Schule zog in die ehemalige US-Schule auf das Münsterfeld. Die Bardoschule konnte im Gegenzug die frei werdenden Gebäude an der Abt-Richard-Straße übernehmen.
Zum Schuljahresbeginn 1996/97 begann die Brüder-Grimm-Schule schließlich in den frisch hergerichteten Räumen in der Carl-Schurz-Straße 42. Damit war der Standortwechsel vollzogen, an den nun 30 Jahre später ebenfalls erinnert wurde. 2003 wurde der Standort um drei Klassenräume erweitert. Zwei dieser Räume werden inzwischen als Mensa genutzt. Diese ging zum Schuljahresbeginn 2026/27 in Betrieb. Heute besuchen gut 170 Schülerinnen und Schüler die Brüder-Grimm-Schule. Sie kommen nicht ausschließlich aus dem Stadtgebiet Fulda, sondern auch aus Gemeinden des Landkreises Fulda. Die Schule bleibt damit nicht nur ein Teil der Fuldaer Bildungslandschaft, sondern zugleich ein Ort, an dem sich die Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte ablesen lassen. Aus einer Schule mit Wurzeln in der Nachkriegszeit ist eine moderne Förderschule mit erweiterten Aufgaben und einem umfassend sanierten Gebäude geworden.
Die Geschichte ist dabei noch nicht abgeschlossen. Eine Ausstellung in der Aula dokumentiert wichtige Stationen aus der Vergangenheit der Brüder-Grimm-Schule und kann noch eine Woche lang besichtigt werden. Nach fast vier Jahren Bauzeit beginnt für die Schulgemeinschaft damit zugleich ein neuer Abschnitt. Das Gebäude ist technisch und baulich auf den aktuellen Stand gebracht, die Turnhalle präsentiert sich frisch renoviert und die neuen beziehungsweise erneuerten Bereiche sollen langfristig genutzt werden können. Das Jubiläum war deshalb mehr als ein Blick zurück. Es war auch ein sichtbarer Übergang in die nächste Phase der Schulgeschichte – mit einem Gebäude, das für die kommenden Jahre wieder bessere Voraussetzungen für Unterricht, Förderung und gemeinsames Schulleben bietet. +++

and then
Hinterlasse jetzt einen Kommentar