Biosphärenreservats Rhön: Workshop zur Erarbeitung des neuen Rahmenkonzepts

Optimistischer Blick nach vorn

Workshop

Gersfeld. Das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön hat eine komplexe Aufgabe. Unter dem Motto „Der Mensch und die Biosphäre“ geht es hier um die Balance zwischen Schutz und Nutzung, Ökonomie und Ökologie. Gleichzeitig zu bewahren und zu entwickeln, das verlangt weitsichtige Planung und kluge Weichenstellungen. Genau darum geht es bei dem Rahmenkonzept. Wertvolle Impulse für Leitbilder, Ziele, Projekte und Initiativen geben unter anderem zehn Arbeitsgruppen mit Mitgliedern aus möglichst allen gesellschaftlichen Gruppen der drei Rhön-Bundesländer. Kürzlich traf man sich arbeitsgruppen- und vor allem themenübergreifend zu einem zweitägigen Workshop, der von allen Teilnehmern als konstruktiver und ideenreicher Gedankenaustausch gewürdigt wurde.

Die Freunde und Aktivisten des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön sind offenbar Frühaufsteher. Denn schon kurz nach 8.00 Uhr waren an den beiden Workshop-Tagen in der Umweltbildungsstätte Oberelsbach („Rhöniversum“) reger Andrang und spürbarer Tatendrang zu verzeichnen. Rund 180 Anmeldungen waren eingegangen, überwiegend von Mitgliedern der zehn Rahmenkonzept-Arbeitsgruppen. Die hatten einige Monate zuvor bereits einzeln getagt, jetzt wollte man einmal zusammen diskutieren, Themen, die alle betreffen, beleuchten und konkreten gemeinsamen Leitbildern und Zielen näherkommen.

Dazu hatten die Organisatoren über die zwei Tage verteilt 22 parallele Sessions zu den zu diskutierenden Handlungsfeldern eingerichtet. Deren inhaltliches Spektrum reichte von „Regionale Produkte und Wertschöpfungsketten“ über „Naturschutz in landwirtschaftlichen Gebieten“ sowie „Demographie & Migration“ bis hin zu „Wirtschaft, Innovation und Infrastruktur“. Für die Sessions waren Diskussionspapiere vorbereitet worden. Zu jedem Themenfeld fand man darin erste Entwürfe eines zusammenfassenden Leitbildes, gefolgt von Zielen und sich daraus ergebenden Maßnahmen.

Dieses inhaltliche Ideengerüst stand nun in Oberelsbach für alle Teilnehmer zur Diskussion. Die verlief auch deshalb so lebhaft, weil die Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern stammten und ihre spezifischen Sichtweisen einbrachten. Vertreten waren unter anderem Landwirte, Naturschützer, Forstleute, Touristiker, hochrangige Vertreter vieler Dienststellen und Ämter der drei Bundesländer, Bürgermeister, Lehrer, Funktionsträger von Verbänden, Ärzte und nicht zuletzt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der drei Verwaltungsstellen und Trägervereine des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön.

Gut strukturiert und vorbereitet

Die in den Gruppensitzungen vorgetragenen Ideen und erzielten Kompromisse wurden gleich an Ort und Stelle niedergeschrieben und für alle sichtbar auf eine Leinwand projiziert. „Unsere Workshopsessions waren nicht nur gut besetzt, sondern auch sehr produktiv“, freut sich Ulrike Schade aus der Bayerischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön, die den Workshop als Projektkoordinatorin des neuen Rahmenkonzepts vorbereitet hatte. „Unser erklärtes Ziel war es, alle Ideen und Optimierungsvorschläge zu erfassen, damit nichts verloren geht. Das ist gelungen. Wir sind in jedem einzelnen Themenbereich weitergekommen. Ich freue mich sehr, dass der nächste Schritt in diesem Bottom-Up-Prozess gemeinsam so gut gelungen ist. Hinzu kommt, dass wir das natürlich nicht alleine stemmen. Acht verschiedene Institutionen haben sich bei der Erstellung der Diskussionspapiere und der Moderation länderübergreifend beteiligt. Das zeigt auch die Breite der Themen und Zuständigkeiten in der Region.“

Als erfreulich produktiv bezeichnet auch der Leiter der Bayerischen Verwaltungsstelle, Michael Geier, den zweitägigen Workshop. „Als wir die Arbeiten an dem neuen Rahmenkonzept starteten, war es uns ein Anliegen, die detaillierte Zukunftsplanung auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Bereits in den Arbeitsgruppensitzungen der vergangenen Monate haben wir erleben dürfen, dass sich die Teilnehmer fundiert einbringen. In der nun nochmals größeren Runde des Workshops hat sich dieser konstruktive Input potenziert. Dabei war es spannend, dass zum Thema Landschaftsbild alle gesellschaftlichen Gruppen gefragt waren. Mein besonderer Dank gilt dem Markt Oberelsbach, der uns für diese Session freundlicherweise die Kapazitäten der Elstalhalle zur Verfügung gestellt hat.“

In den nächsten Monaten sollen die vielen Anregungen aus dem Oberelsbacher Workshop in die Textentwürfe zu den einzelnen Themenbereichen des Rahmenkonzepts eingearbeitet werden. Auch die zehn festen Arbeitsgruppen werden vor der Sommerpause erneut zusammenkommen. Im Januar 2017 soll dann auf einer Veranstaltung in Thüringen der Entwurf des neuen Rahmenkonzeptes vorgelegt werden. Die Endfassung soll im zweiten Quartal des Jahres 2017 in Hessen präsentiert werden.

Planwerk für die Zukunft des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön

„Unser bisheriges Rahmenkonzept stammt aus dem Jahr 1995“, erläutert Torsten Raab, Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle. „Seither hat sich das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön erheblich weiterentwickelt. Es sind etliche neue Aufgabenstellungen hinzugekommen, zum Beispiel im Bereich der Energie, des Klimawandels, der demographischen Entwicklung und auch der Mobilität. Insofern muss unser neues Rahmenkonzept erheblich breiter angelegt sein.“

UNESCO-Biosphärenreservate sind in positivem Sinne Experimentierfelder. Sie haben den expliziten Auftrag der UNESCO, vor Ort Lösungen zu suchen, um den angestrebten Ausgleich zwischen Schutz und Nutzung zu realisieren. Das alles funktioniere aber nur, wenn es unter den regional Beteiligten einen Konsens gibt, wo es hingehen soll, betont Karl-Friedrich Abe, Leiter der Thüringischen Verwaltungsstelle und dienstältester Verantwortungsträger im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön: „Genau dafür brauchen wir das Rahmenkonzept. Es ist Fahrplan und Regelwerk in einem. Alle zukünftigen Einzelprojekte und Fördermaßnahmen beziehen sich darauf. Insofern ist das derzeit entstehende Rahmenkonzept für alle rund 226.000 Menschen, die im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön leben, ein enorm wichtiges Papier. Der große Aufwand, den wir bei der schrittweisen Erstellung treiben, ist auf jeden Fall sachgerecht.“

Optimistischer Blick nach vorn

Der zweitätige Workshop – von einem Teilnehmer treffend als „Trainingslager“ bezeichnet – endete mit einer Abschlussveranstaltung in der Oberelsbacher Elstalhalle. Dort präsentierten die drei Verwaltungsstellenleiter vor großer Runde abwechselnd noch einmal Ergebnisse aus allen 22 Sessions. Dabei zeigte sich: Auch wenn die Teilnehmer in Einzelfragen durchaus unterschiedliche Positionen vertreten, so eint sie doch alle ein gemeinsames Ziel: das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön voranzubringen. Der zweitägige Workshop in Oberelsbach hat dazu auf jeden Fall in hohem Maß beigetragen. +++ fuldainfo

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