Berlin. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Bundesagentur für Arbeit (BA), Peter Clever, hat die Bundesregierung aufgefordert, den Weg für verbesserte Hilfen bei der Lehrlingsausbildung frei zu machen. "Für diese Maßnahmen müssen Gesetze geändert werden. Hier sollte die Bundesregierung rasch handeln", sagte Clever der "Saarbrücker Zeitung". Der BA-Verwaltungsrat hatte vor einigen Wochen ein neues Programm beschlossen, mit dem die ausbildungsbegleitenden Hilfen deutlich ausgebaut werden sollen. "Wir wollen eine sogenannte assistierte Ausbildung einführen, bei der ein Jugendlicher mit Problemen speziell von einem von der Arbeitsagentur Beauftragten während der gesamten Ausbildungszeit betreut wird", erläuterte Clever. Da auch den Arbeitgebern Hilfe geboten werde, sollten sie verstärkt aufgeschlossen werden für junge Leute, "die zwar nicht unbedingt optimale Zeugnis-Voraussetzungen haben, aber dennoch nicht untalentiert sind, um eine Ausbildung erfolgreich zu absolvieren", so Clever.
Experte: Betriebe sollten stärker um Azubis aus der Ferne werben
Der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Hubert Esser, ist der Ansicht, dass kleine und mittlere Betriebe sich auch über ihre Region hinaus um Auszubildende bemühen sollten. Auch Jugendliche müssten "verstärkt ermutigt werden, sich auch um Plätze außerhalb ihrer Heimat zu bewerben", sagte Esser der Digitalzeitung "Handelsblatt Live". An ihrer Einstellung zur Mobilität "sollte bereits in der Schule gearbeitet werden". In Deutschland bleiben immer mehr Lehrstellen unbesetzt dennoch wirbt kaum ein Betrieb fern seines Standortes um Azubis: Nur fünf Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen suchen außerhalb eines Radius von 100 Kilometern - zwei Drittel dagegen lediglich in einem Umkreis von 20 Kilometern, wie laut "Handelsblatt Live" eine Betriebsbefragung des BIBB ergab. Auch die Jugendlichen scheuen eine Lehre fern der Heimat: Nur zwölf Prozent der Azubis haben sich in Betrieben beworben, die weiter als 100 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt sind, zeigt eine Schulabgängerbefragung des BIBB. Sogar unter denen, die noch einen Ausbildungsplatz suchen, sind es demnach nur 16 Prozent. Folge: Bewerber und Betriebe kommen nicht zusammen. So konnten im Jahr 2013 rund 33.500 gemeldete Lehrstellen nicht besetzt werden; 40 Prozent der Betriebe konnten nicht alle Lehrstellen besetzen, schreibt "Handelsblatt Live". Zugleich gab es im Herbst 21.000 unversorgte Bewerber und weitere 62.500, die trotz einer bereits erhaltenen Zusage weiter einen Ausbildungsplatz suchen. Bereits bestehende Fördermöglichkeiten wie betreutes Jugendwohnen und die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) der Bundesagentur (BA) sind bisher kaum bekannt: Sechs von zehn Betrieben geben in der BIBB-Umfrage an, davon nichts oder wenig zu wissen. Ein Drittel kennt die Hilfen, hat sie aber nie genutzt. "Konzepte sind vorhanden", sagte Esser, "es gilt aber, sie in die Fläche und in die Praxis zu tragen". Im April 2014 erhielten rund 80.000 Azubis Ausbildungsbeihilfe von insgesamt 1,4 Millionen. +++ fuldainfo

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