antonius weihte neue Immobilie im Ortsteil Blankenau ein

Ehemaliges Wohndomizil der Gesellschafterfamilie Kropp

antonius. Netzwerk Mensch hat eine neue Immobilie. Die Gesellschafterfamilie Kropp – unter anderem durch die (Altenpflege-)Wohn-Einrichtungen mediana bekannt -, die ursprünglich in Hosenfeld-Blankenau im Landkreis Fulda ihre Wurzeln hat, hat ihr früheres Wohndomizil „An der Hainburg 8“, an antonius gespendet. Seitdem wurde das Haus, das Anfang des kommenden Jahres zu einem Zuhause für sechs Menschen (darunter ein Ehepaar) mit Einschränkungen werden kann, aufwendig umgestaltet. Die Immobilie richtet sich vorrangig an Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung Rückzugsmöglichkeiten und Schutzräume benötigen, die ihnen das ländliche Blankenau bietet. Das Wohnprojekt soll sich perspektivisch zu einem „Inklusionsprojekt“ im Sozialraum weiterentwickeln, das neben dem Bereich „Wohnen“ auch die „Freizeit“ und das „Arbeiten“ mit einschließt.

Ein Zuhause für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung

Einige Menschen mit Handikap benötigen verstärkt Rückzugsmöglichkeiten und Schutzräume. Hierzu zählen auch Menschen mit der sogenannten „Autismus-Spektrum-Störung“. Die neue Immobilie wird vier Menschen mit Behinderung die Möglichkeit geben, abseits von der Hektik des Stadtlebens, individuell betreut zu leben. Ziel ist es, in einem geschützten Rahmen die Menschen so zu fördern, dass diese gestärkt durch neu erworbene Fähigkeiten in andere, weniger intensiv betreute Wohnangebote umziehen können.

Wohnen in der Wunschgemeinde

Im Obergeschoss des Hauses sind zwei Apartments für Menschen mit Handikap entstanden, die aber weitestgehend eigenständig wohnen können. Durch das Wohnangebot haben sie die Möglichkeit, in ihrer Wunschkommune Blankenau zu leben.

Tagesstruktur durch sinnstiftende Arbeit

Im Untergeschoss der Immobilie sind Arbeitsräume entstanden. Die Bewohner und andere Menschen des Netzwerkes antonius, die sonst aufgrund ihrer Einschränkungen in keinem Arbeitsbereich tätig sein können, haben hier, in ruhiger Atmosphäre, abseits des Campus, die Möglichkeit, in einem individuellen Tempo, verschiedenen Arbeitsschritte, zu trainieren. Die sinnstiftenden Arbeiten strukturieren den Tag und fördern das Selbstbewusstsein. Ziel ist es, die Menschen so zu fördern, dass diese in einen Arbeitsbereich wechseln können.

Weiterentwicklung zum Inklusionsprojekt im Sozialraum Hosenfeld

Das Wohnprojekt in Blankenau soll sich perspektivisch zu einem Inklusionsprojekt im Sozialraum Hosenfeld weiterentwickeln, das neben dem Bereich Wohnen auch das Arbeiten miteinschließt. Menschen mit Einschränkungen sollen dabei unterstützt werden, passend zu ihren individuellen Interessen und Fähigkeiten einen Arbeitsplatz in der Gemeinde Hosenfeld zu finden. Eingebunden in ein Netzwerk bestehend aus Vereinen, Unternehmern, Vertretern der Kirche und Nachbarn können Menschen mit Handikap so zu Gemeindemitgliedern werden. Ziel ist die Gründung – ähnlich wie in den Kommunen Poppenhausen (Wasserkuppe), Eichenzell und Neuhof (Kreis Fulda) – eines Vereines „Leben und Arbeiten in Hosenfeld.“

Lukas Moeller, Teamleiter Wohnen bei antonius und zudem seit sechs Monaten mit der Gestaltung und Konzeption der Immobilie betraut, begrüßte zusammen mit Max Koch, zukünftig einer der sechs Bewohner des Hauses, die Gäste. Moeller ging in seinem einleitenden Worten zur Begrüßung mitunter auf den Umbauprozess der Immobilie ein. „Für unsere Bauabteilung, das einstige Einfamilienhaus so umzugestalten, dass es den Anforderungen eines Wohnhauses für Menschen mit Behinderung entspricht, war und ist es eine Herausforderung“, sagte er.

Rainer Sippel, Geschäftsführer der St. Antonius gGmbH, dankte dem Ehepaar Wilhelm und Irmgard Kropp dafür, dass sie sich bereit erklärten, ihre Immobilie antonius zu spenden. „Ich glaube, es fällt einem nicht leicht – ich weiß, diese Immobilie ist Ihnen ans Herz gewachsen -, einen solchen Schritt zu gehen. Umso erfreulicher und großartiger ist es, dass Sie diesen Schritt gegangen sind“, so Rainer Sippel am Freitag in Blankenau. „Jetzt kann hier etwas Neues entstehen – für Menschen, denen es nicht gegeben ist, sich selbstständig zurechtzufinden. Es wird viel von Inklusion gesprochen – in der Politik, in der Gesellschaft. Viele Menschen werden dabei aber auch vergessen, weil noch längst nicht alle Menschen offen für Inklusion sind, nicht inklusions-fähig sind. Mit dem Wohnprojekt in Hosenfeld-Blankenau wollen wir zeigen, dass selbst jemand mit einem großen Hilfebedarf trotzdem ein glückliches Leben führen kann. Abschließend dankte der Geschäftsführer von antonius noch einmal dem Ehepaar Kropp, das antonius seit vielen Jahren verbunden ist, für die langjährige Freundschaft gegenüber dem Netzwerk. Besonders positiv überrascht zeigte sich Rainer Sippel von der regen Anteilnahme der Nachbarn sowie einigen Blankenauern, die gekommen waren, um der offiziellen Segnung gestern Nachmittag auf dem Grundstück beizuwohnen. „Ein gutes Verhältnis zur Nachbarschaft, ist wichtiger als die Verwandtschaft“, spaßte er und sorgte damit bei den Blankenauern und Anwesenden für ein Schmunzeln im Gesicht.

Tanja Preis, Mitglied der Geschäftsführung und zuständig für die Sozialraumorientierung, sagte: „Heute ist ein besonderer Tag. Denn wir weihen heute ein Haus ein, das den Anspruch der Inklusion, nämlich die Ermöglichung der Teilhabe an einer Gesellschaft, in der jeder Mensch in seiner Individualität akzeptiert ist, ein weiteres Stück Mehrwertigkeit werden lässt.“ Blankenau beschrieb sie als einen Ort, der die Vision von ‚Leben und Arbeiten in Hosenfeld‘ der Realität näher bringe. „Heute haben wir eine Reise gestartet. Es liegt aber noch ein langer Weg vor uns. Lassen Sie diesen uns gemeinsam gehen und die Chancen, die wir vorhin gehört haben, nutzen. Wir freuen uns, dass Menschen mit Behinderung auch mit einem hohen Unterstützungsbedarf die Möglichkeit gegeben wird, in einem normalen Umfeld als Bürger der Gemeinde zu leben.“

Für Peter Malolepszy, Bürgermeister der Gemeinde Hosenfeld, sprach Hubert Kasseckert, Erster Beigeordneter der Gemeinde zu den Anwesenden: „Tue Gutes und sprich darüber. Das tun wir heute“, begrüßte er die Gäste. Hubert Kasseckert sprach von der Immobilie als eine Win-win-Situation für beide Seiten: für die Kommune Hosenfeld und für antonius. „Wir als Kommune freuen uns, antonius in Blankenau willkommen heißen zu dürfen“, sagte er. Weiter galt sein Dank dem Ehepaar Kropp, das durch sein Engagement überhaupt erst zur Einweihung, wie sie gestern begangen werden konnte, beigetragen hatte. Bezugnehmend auf ein ähnlich von antonius betriebenes Projekt in der Kerngemeinde, dem Haus Herta, sagte er: „Die Menschen dort sind voll integriert. Sie sind Teil der Dorfgemeinschaft geworden. Dass das hier in Blankenau ebenso funktioniert, da bin ich guter Hoffnung.“

„Schön ist es, dass jetzt erneut sechs Menschen dieses Haus bewohnen werden“, sagte Wilhelm Kropp, der einst vor vielen Jahren das Haus „An der Hainburg 8“ mit sechs Personen selbst bewohnte. Wilhelm Kropp reflektierte von der Zeit, als er und seine Frau vor vielen Jahren im Hosenfelder Ortsteil – zuerst unten im Dorf – gewohnt hatten, später dann neu bauten und zu sechst in die großzügige Immobilie An der Hainburg innerörtlich umzogen. „Wenn man bedenkt, dass dieses Haus vor vielen Jahren schon einmal von sechs Menschen bewohnt wurde, und jetzt erneut sechs Menschen in dieses Haus ziehen, so kann man sagen: Es ist eigentlich nicht viel verkehrt gemacht worden, sondern eigentlich alles richtig.“ Als seine Mutter verstarb und die Kinder ausgeflogen – „wie das überall ist“ – hatten Wilhelm Kropp und seine Frau sich Gedanken um die Zukunft gemacht. Wie lange geht es uns gesundheitlich noch so gut? Ist dieses Haus für uns beide nicht viel zu groß? Fragen wie diese hatten das Ehepaar beschäftigt, sodass Wilhelm und Irmgard zu dem Entschluss kamen, nach Fulda, wo auch die anderen Kinder leben, zu ziehen. „Man muss sich, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, mit Zukunftsfragen wie diesen auseinandersetzen, auch wenn man „gesundheitlich noch gut drauf ist“. „Wir wollten etwas Gutes tun für die Menschen mit Einschränkungen und ihnen mit einem Haus wie diesem, mit Schwimmbad und großzügiger Gartenanlage, aufzeigen, dass das Leben ja doch wunderschön ist. Die Entscheidung von uns beiden ist die richtige gewesen“, freute sich Wilhelm Kropp, Begründer der St. Antonius Stiftung, der dem Projekt viel Erfolg wünschte. Die Blankenauer mahnte der Gesellschafter mit der folgenden Willkommenskultur: „Liebe Blankenauer – wir sind damit, dass es uns allen noch einigermaßen gutgeht, in einer glücklichen Lage, aber man muss auch an andere denken.“

Die gebürtige Hosenfelderin Maria Post (heute in Bad Salzschlirf wohnend) feierte im Juni diesen Jahres mit vielen Gästen ihren 65. Geburtstag. Da sie ihren 60. Geburtstag nicht feierte und von dem Spendenaufruf „Spenden statt Geschenke“ auf der Homepage von antonius. Netzwerk Mensch laß und sich von dieser Idee inspiriert fühlte, dachte sie sich: „eine sinnvolle Alternative, auf persönliche Geschenke zu verzichten“, und wünschte sie sich von ihren Gästen Geld, dieses sie an antonius spendete. Hier waren 1.500 Euro zusammengekommen, dieses jetzt in die Inneneinrichtung des Hauses fließen wird.

Weiter sprachen gestern Siegfried Weber, Ortsvorsteher von Blankenau, sowie Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses und Heilerziehungspflegerinnen und – pfleger Grußworte. +++ jessica auth

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