Altmaier sieht Merkel in Reihe mit Konrad Adenauer und Helmut Kohl

Vorwurf der Passivität in der Coronakrise zurückgewiesen

Peter Altmaier (CDU)
Peter Altmaier (CDU)

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird nach Einschätzung ihres langjährigen politischen Weggefährten Peter Altmaier (CDU) in Zukunft in einer Reihe mit Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Kohl genannt werden. „Ich bin überzeugt, auch Angela Merkel gehört zu diesen Ausnahme-Kanzlern“, sagte der geschäftsführende Bundeswirtschaftsminister dem ARD-Hauptstadtstudio. Und das nicht, weil sie 16 Jahre im Amt gewesen sei, sondern weil sie „Europa zusammengehalten“ und ihre Politik für wirtschaftlichen Wohlstand in Deutschland gesorgt habe: „Dass wir heute viele Milliarden für Klimaschutz und Umwelt ausgeben können, das verdanken wir auch der guten Wirtschaftspolitik der letzten Jahre. Das wäre ohne Angela Merkel so nicht möglich gewesen.“

Auf die Frage, für welche Leistung Merkel in die Geschichtsbücher eingehen werde, sagte Altmaier: „Sie wird sicherlich erinnert werden als jemand, der Deutschland gut durch die Zeitläufte gebracht hat. „Sowohl während der Flüchtlingskrise, der Ukraine-Krise, aber auch in der Finanz- und Euro-Krise habe Merkel „eine wesentliche Rolle auf europäischer und internationaler Ebene gespielt“. Die herausforderndste Krise sei jedoch die Corona-Pandemie gewesen, sagte Altmaier. Als Naturwissenschaftlerin habe Merkel früh erkannt, dass das Virus „ganz neue unerhörte Maßnahmen“ erfordere. Zum bleibenden Vermächtnis Merkels gehört nach Altmaiers Überzeugung auch, dass Deutschland in ihrer Amtszeit diverser geworden ist: „das Vielfältige in Deutschland ist selbstverständlicher geworden.“ Bei der Gleichstellung von Mann und Frau und der Integration von Bürgern mit Migrationshintergrund sei Deutschland in der Merkel-Ära „einen wesentlichen Schritt vorangekommen“. Merkel habe diese Entwicklung „sehr klug begleitet und immer darauf verzichtet, sich mit persönlichen Lorbeeren zu schmücken“.

Vorwürfe, Merkel habe nach der Bundestagswahl die Coronakrise zu passiv begleitet, wies Altmaier zurück. Sie sei überzeugt gewesen, „dass wir dringend handeln müssen“. Allerdings sei sie noch in einer Regierung mit der künftigen größten Regierungspartei SPD. Als scheidende Kanzlerin habe Merkel nur in Abstimmung mit der künftigen Regierung handeln können. Es sei „einer der schwierigeren Aufgaben“ für Merkel gewesen, „auf billigen Druck auf die neue Regierung zu verzichten“, aber gleichzeitig ihre Überzeugung dem künftigen Bundeskanzler und der Ampel-Koalition deutlich zu machen: „Dass sie dies nicht öffentlich tut, sondern im persönlichen Gespräch, finde ich richtig und angemessen“. Peter Altmaier hat Angela Merkel fast 20 Jahre lang in unterschiedlichen Funktionen unterstützt, unter anderem als Bundesumweltminister, als Kanzleramtsminister und Bundeswirtschaftsminister. Am Donnerstag wird Angela Merkel mit einem Großen Zapfenstreich geehrt. +++

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