Abschlusskonzert beendet 19. PIANALE vor ausverkauftem Haus auf Schloss Fasanerie

Mit dem feierlichen Abschlusskonzert im Großen Saal von Schloss Fasanerie ist am gestrigen Dienstagabend vor ausverkauftem Haus die diesjährige PIANALE unter dem Motto „Fulda beflügelt“ zu Ende gegangen. 25 Ausnahmetalente spielten sich in knapp zwei Wochen in neun Konzerten in die Herzen der Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher.

Das Alter der Studierenden reichte in diesem Jahr von 12 bis 29 Jahren. Noch nie bei einer PIANALE lag die Altersspanne weiter auseinander, sagt PIANALE-Gründerin Uta Weyand, die vor über 20 Jahren – beeinflusst von ihrem langen Auslandsaufenthalt – die PIANALE ins Leben rief. Besonders in diesem Jahr ist auch die außergewöhnlich große Anzahl an jungen Stipendien-Anwärterinnen und -anwärtern: Mehr als die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die in diesem Jahr aus 13 Ländern angereist waren, hatten das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet.

Für das Abschlusskonzert hatten sich die 17-jährige Kanako Fujiwara aus Japan, der 25-jährige Serbe Miloš Grnčaroski, der 29-jährige Zhu Wang aus China sowie der 17-jährige Asahi Ota aus Japan qualifiziert und die Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher mit ihren bravourösen Darbietungen am Flügel sehr beeindruckt. Nach rund 60-minütigen Klavierklängen der vier Wettbewerbsteilnehmer hatten die Konzertbesucher wie in jedem Jahr die schwierige Aufgabe, aus vier herausragenden Klaviervirtuosinnen und Klaviervirtuosen den aus ihrer Sicht besten Pianisten auszuwählen.

Nachdem sich die PIANALE-Jury, die sich in diesem Jahr aus Carlo Guaitoli (Italien), Justas Dvarionas (Litauen), Ya-Fei Chuang (USA), William Fong (Großbritannien) sowie Chef-Jurorin Uta Weyand (Deutschland) zusammensetzt, rund 20 Minuten zur Beratung zurückgezogen hatte, machte diese es, wie in jedem Jahr, mit der Verkündung des Publikumspreisträgers oder Publikumspreisträgerin noch etwas spannend.

Denn bevor der begehrte Preis, den einzig und allein die Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher in geheimer Wahl kürten, wurden vorerst Stipendien, Preisgelder und Konzertengagements verkündet. So ging der Preis für den „größten Lernerfolg“ in diesem Jahr an den 15-jährigen Luca Boston aus Großbritannien, der zusammen mit den diesjährigen PIANALE-Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Abschlusskonzert aus dem Zuschauerraum verfolgte.

Der mit 800 Euro dotierte Sonderpreis der Gemeinde Eichenzell ging in diesem Jahr an den Finalisten Miloš Grnčaroski. Ein besonderes Talent sah die international besetze PIANALE-Jury in diesem Jahr in der 17-jährigen Finalistin Kanako Fujiwara, die neben ihrer kostenfreien Teilnahme der 20. PIANALE im kommenden Jahr gleich mit mehreren Stipendien und Engagements ausgezeichnet worden war. Alle Finalisten erhielten zudem ein Preisgeld von 1.500 Euro, was nach den Worten der PIANALE-Gründerin „alle vier zu Siegern“ mache.

Der begehrte „Publikumspreis“, mit dem ein Konzertabend unter Mitwirkung der HessenClassicPlayers am 8. November 2026 im Fürstensaal des Stadtschlosses Fulda verbunden ist, entschied in diesem Jahr der 17-jährigen Asahi Ota für sich. Der Nachwuchskonzertpianist wird in drei Monaten wiederholt in der Region zu erleben sein. Noch nie sei eine Entscheidung knapper ausgefallen, unterstrich Weyand.

Vor dem Konzert oblag es Museumsdirektor Dr. Markus Miller als Hausherr die Gäste auf Schloss Fasanerie willkommen zu heißen. Miller bestärkte die Konzertbesucher darin, in dem sie sich frühzeitig um ein Ticket für das Abschlusskonzert bemüht haben, „richtig gehandelt zu haben“, denn das Abschlusskonzert, in dessen Rahmen von den Konzertbesuchenden der Publikumspreisträger erkoren wird, gehört zu den beliebtesten Konzerten bei der PIANALE.

PIANALE-Gründerin, Chef-Jurorin Professorin Uta Weyand freute sich zu Beginn des Konzertes in viele, ihr bekannte Gesichter zu blicken. Besonders freute sich die international anerkannte Dozentin und Konzertpianistin darüber, dass das Publikum auch gestern aus unterschiedlichen Generationen bestand. Dass sich Menschen unterschiedlichen Alters für Klaviermusik begeistern, brachte die Förderin der internationalen Nachwuchsklavierelite zum Strahlen.

Die PIANALE-Initiatorin dankte auch in diesem Jahr den langjährigen Wegbegleitern und Unterstützern der PIANALE, wie beispielsweise der Sparkasse Fulda als Mäzen der ersten Stunde, Wagner Fahrzeugteile oder Steingraeber & Söhne, die das Format seit vielen Jahren die Treue halten. Denn ohne diese Treue wäre die Ausrichtung eines solchen Formates undenkbar.

Das gestrige Abschlusskonzert eröffnete der 25-jährige Wahlösterreicher Miloš Grnčaroski, der die Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher mit der Sonate Nr. 6 von Prokofiev verwöhnte und gleich zu Beginn die Erwartungshaltung der Zuhörerinnen und Zuhörer an seine Mitstreiter sehr hoch ansetzte. Mit Prokofievs schnell gespielten musikalischen Schriften konnte er unter Beweis stellen, mit welcher Fingerfertigkeit und Präzession er die Noten spielte und dass er vollkommen zu Recht im Finale steht. Nach seiner 15 bis 20-minütigen Darbietung seines selbst ausgewählten Stückes erntete er regen Beifall. Einige Konzertbesucher brachten in ihrer Begeisterung für Grnčaroskis bravouröse Darbietung lautstarke „Bravo“- Rufe über ihre Lippen, die bis zum Flügelpodest vordrangen und dem 25-jährigen Serben Bestätigung einbrachten.

Nach Grnčaroski folgte mit der Sonate Nr. 2 von Rachmaninoff, interpretiert von der 17-jährigen Japanerin Kanako Fujiwara ein starker Kontrast. Ruhig, kontrolliert und vollkommen eins mit der Melodie, die sie spielte, zauberte sie die Sätze I. Allegro agitato, II. Non Allegro-Lento und III. Allegro molto aus dem Steinwey-Flügel, womit sie insbesondere beim letzten Satz ihre ebenso beherrschende Fingerfertigkeit bewies wie ihr Konkurrent und für ihre fehlerfreie Darbietung am Ende enormen Applaus gezollt bekam. Ihr folgte in derselben Altersklasse Asahi Ota, der ebenso wie Kanako Fujiwara aus dem fernen Japan die diesjährige PIANALE bereiste, um an ihr zu wachsen und sich der kritischen und peniblen PIANALE-Jury zu stellen.

Das in Hamamatsu beheimatete Nachwuchsklaviertalent bot den Konzertbesuchenden den Rondo a capriccio von Beethoven dar und sorgte nach nur wenigen Spielsekunden für seine Spielkunst für Aufsehen. Gekonnt, hingebungsvoll und mit großer Passion spielte sich Asahi Ota von Minute zu Minute in die Herzen seiner Zuhörerinnen und Zuhörer. Neben dem Rondo a capriccio brachte Ota gekonnt drei Préludes von Rachmaninoff zu Gehör, womit er Begeisterungsstürme beim Publikum auslöste, die dem jungen Künstler langanhaltenden Applaus spendeten.

Den Schlussakkord des Abschlusskonzertes setzte der 29-jährige Zhu Wang aus China, der berufsbedingt in den Forest Hills (USA) zuhause ist. Dem 29-jährigen PIANALE-Student sah man seine Erfahrung und langjährige Leidenschaft für die Klaviermusik an. Er spielte die ersten vier Sätze der Sonate Nr. 2 von Chopin, womit er dem französischen Komponisten und der PIANALE alle Ehre machte. Auch Zhu Wang wurde nach seiner rund 20-minütigen Darbietung am Flügel von den Konzertbesucherinnen und Konzertbesuchern mit langanhaltendem Applaus und honorierenden Zurufen gewürdigt. Der enorme Beifall und die Begeisterung, die aus dem Zuschauerraum zu ihm vordrang, waren dem Konzertpianisten der als Dank seine Hand aufs Herz legte und sich vor dem Publikum tief verbeugte, bewusst.

Das Abschlusskonzert markiert eine Besonderheit bei der PIANALE, die aus Akademie und Konzertreihe (Schlosskonzerte Osthessen) besteht. Keine Seltenheit ist es daher, dass das Konzert noch ehe die PIANALE ins Bewusstsein der Osthessinnen und Osthessen gerückt ist, bereits ausverkauft ist. PIANALE-Gründerin, Professorin Uta Weyand sieht sich bestätigt: „Das PIANALE Piano Festival ist im internationalen Wettbewerb das einzige Klavierformat mit einer Mischung aus Akademie und Konzertreihe. Viele Stunden arbeiten die Studierenden mit ihren Dozentinnen und Dozenten, die renommierte Konzertpianisten sind, an Technik, Interpretation und Ausdruck. Neben den Lehreinheiten spielen die Ausnahmemusikerinnen und – musiker Konzerte an besonderen Orten der Region Osthessen wie im Fuldaer Stadtschloss, der Theologischen Fakultät Fulda, dem Kloster Frauenberg – wo die Teilnehmer während ihres Aufenthaltes auch wohnen -, in der Kapelle des Vonderau Museums oder auch der Orangerie am Schlossgarten Fulda.“

Dass bei einer PIANALE enge Freundschaften unter den Teilnehmenden entstehen, ist ebenso besonders wie das hochkarätige Format selbst. Nach der PIANALE ist bekanntlich vor der PIANALE – daran erinnerte die Chef-Jurorin auch gestern. Und so laufen schon jetzt die Vorbereitungen für das nächste PIANALE Piano Festival unter dem treffenden Motto „Fulda beflügelt“. Voller Vorfreude fiebern die Verantwortlichen der dann auch ganz offiziell 20. Ausgabe des Internationalen Klavierwettbewerbs vom 20. Juli bis 3. August 2027 entgegen.

Der Publikumspreisträger 2026 Asahi Ota wird am 8. November 2026 unter Mitwirkung der HessenClassicPlayers im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses zu hören und bestaunen sein. Wer das Format unterstützen möchte, der kann dies mit einer Mitgliedschaft beim Förderverein PIANALE Freunde e.V. tun. Antragsformulare und Informationen finden Sie unter www.pianale.com. +++ jessica auth


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